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Brahms und Bruch zum musikalischen Osterfest

Geballte Romantik

BAD PYRMONT. Verbittert und als Misanthrop starb der Komponist Max Bruch im Oktober 1920 in Berlin, enttäuscht über die Missachtung seines vielfältigen Schaffens. Denn vor allem sein „Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-moll op. 26“ gelangte im Gegensatz zu seinem übrigen Œuvre zu großer Popularität und wird auch noch heute regelmäßig aufgeführt.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 08:14 Uhr
aktualisiert am 18.04.2017 um 10:07 Uhr

Die Thüringen Philharmonie Gotha mit Alexej Barchevitch – er verlieh dem Stück Tiefe und Emotion. Foto: ar
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Diese Sinfonie hat am Samstagabend auch die Thüringen Philharmonie Gotha unter ihrem belgischen Dirigenten Michel Tilkin beim Osterkonzert im gut besuchten Konzerthaus im Gepäck.

Gewidmet hatte Bruch das Werk dem Violinisten Joseph Joachim, der auch bei der Uraufführung als Solist auftrat. Hier war es nun der Part des in Leningrad geborenen Alexej Barchevitch, diesem Stück Tiefe und Emotion zu verleihen. Der Ausnahmegeiger begann im ersten Satz mit einer Themenbearbeitung, der einige Improvisationen folgten. Ungeheuer schmachtend und einfühlsam der zweite Satz, in dem Barchevitch ein lyrisches Kantilenenspiel entwickelte, also eine gesangartige, getragene Melodie, die den großen melodischen Spielraum demonstrierte, dessen sich Max Bruch bedient hatte. Virtuos dann der dritte Satz mit anspruchsvollem Doppelgriffspiel, in dem der Solist sehr variabel das Hauptthema vorstellte und schließlich in eine brillante Presto-Stretta (mit „Druck“) münden ließ.

Beeindruckend, wie sich Barchevitch nach der Pause auf die Position des Konzertmeisters zurückzog und dort als normales Orchestermitglied in der „Symphonie Nr. 1 c-moll op. 68“ von Johannes Brahms mitwirkte. Brahms hatte mit Unterbrechungen über 14 Jahre daran gearbeitet, bis sie schließlich 1876 uraufgeführt wurde. Auch hier bestand eine Verbindung zu dem Geiger Joseph Joachim, dem Clara Schumann in einem Brief euphorisch über die kühnen und wunderbaren Schönheiten der Sinfonie berichtete, die Brahms ihr zugesandt hatte. Die erdrückende Nähe Beethovens schien Brahms zu blockieren, denn „wenn jemand es unternehme, nach Beethoven Symphonien zu schreiben, so müssten sie ganz anders aussehen.“

Und doch gibt es Ähnlichkeiten zwischen der 1. Sinfonie von Brahms und den Sinfonien Beethovens, die auch hier im Konzerthaus deutlich zu identifizieren waren. Da war die weitgehende Übereinstimmung in der Instrumentierung, die Verwendung eines Alphornmotivs und eines Chorals sowie das Hauptthema des Schlusssatzes, der hörbar an Beethovens 9. Sinfonie erinnerte. Auf diese Ähnlichkeiten angesprochen hatte schon Brahms ärgerlich geantwortet: „Jawohl, und noch merkwürdiger ist, dass das jeder Esel gleich hört.“ Die Thüringen Philharmonie Gotha zeigte sich in blendender Spiellaune mit beeindruckenden Bläsern, unter denen sogar ein Kontrafagott zu finden war und bescherte dem Publikum ein Konzert der Extraklasse – würdig eines Osterfestes.

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