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Von South Horr nach Bad Pyrmont

Gäste aus Kenia heiß begehrt

Bad Pyrmont. Lawrence Lentilalu war früher selbst Schüler an der Partnerschule im afrikanischen South Horr, die seit über 20 Jahren mithilfe vieler Pyrmonter und Lügder gefördert wird. Mit einem Stipendium absolvierte er später ein Lehramtsstudium, und nun ist er Englischlehrer an der Mädchenschule in Kurungu in Kenia. Er ist somit nicht nur ein Beispiel für die Chancen, die das Projekt jungen Menschen in South Horr eröffnet. Er gibt auch in seiner angenehm freundlichen und aufgeschlossenen Art engagiert seine Lebenserfahrung an die nachwachsende Generation weiter.

veröffentlicht am 10.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

von Klaus Titze
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Zusammen mit der 17-jährigen Netty Lesas von der Nyiro Girls Secondary School aus Kurungu und dem gleichaltrigen Ldumasin Lempirias von der Nyrio Boys Secondary School aus South Horr befindet sich der Lehrer auf Einladung der „European African Youth Academy“ Wolfenbüttel in Deutschland. Doch bevor sich der Pädagoge und die beiden Jugendlichen mit 60 anderen Schülerinnen und Schülern aus Kenia, Tansania, Südafrika, Ghana, Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu einer Tagung treffen und ihre Projekte über nachhaltige Entwicklung untereinander austauschen, nutzen sie die Gelegenheit, ihre Schulpartnerstadt Bad Pyrmont kennenzulernen.

Seit vergangenem Samstag werden sie mit zahlreichen Programmpunkten regelrecht eingedeckt – vom Besuch der Lügder Heimatmuseums bis zur Teilnahme am Unterricht in der Partnerschule. Hier ließ etwa Lehrer Wilhelm Henning Schüler der Klasse 8b gemeinsam mit den afrikanischen Gästen in der Schulküche Kuchenteig herstellen. Ziel der praktischen Mathe-Übung: Die Zutaten-Mengen mussten berechnet werden. Zur Belohnung konnte der noch warme, mit Äpfeln belegte Kuchen probiert und das Rezept in englischer Sprache mitgenommen werden. Allerdings werden die Gäste in Kenia auf dort heimisches Obst ausweichen müssen. Denn: Äpfel gibt es in Kenia nicht.

Im technischen Unterricht hatte sich Manfred Mund eine besondere Herausforderung für die 8a ausgedacht: Die Schüler sollten Murmeln aus einem mit Wasser gefüllten Eimer angeln – aber nicht mit den Fingern, sondern mit Werkzeug aus Draht. Da zeigten sich Netty und Ldumasin besonders pfiffig, obwohl Mund mit zusätzlichen Problemstellungen und Hindernissen einige Schwierigkeiten mit der Aufgabe verknüpft hatte. Auffällig dabei: Obwohl Gastgeber und Gäste einander kaum kannten, gingen sie ganz ungezwungen miteinander um.

Rektor Hartwig Henke erklärt den afrikanischen Schülern im Technikunterricht die zu lösende Aufgabe. Mit dabei ist auch Englischlehrer Lawrence Lentilalu (li.). ti

„Das macht das Besondere an einer Unesco-Schule aus“, sagt Herderschul-Rektor Hartwig Henke. „Sich begegnen, miteinander etwas unternehmen, sich austauschen und so auch eventuelle Vorbehalte abbauen – das ist die einmalige Chance einer derartigen Begegnung“, ergänzt der Pädagoge.

Für die Schüler der Hauptschule sei es zudem eine besondere Herausforderung, da sie sich mit ihren Gästen nur auf Englisch unterhalten konnten. Dabei würden sie allerdings schnell feststellen, dass die beiden afrikanischen Schüler auch nicht perfekt in der Sprache sind, sie sich aber dennoch alle verständigen können. So bekämen die Herderschüler auch bestätigt, wie nützlich das Lernen einer Fremdsprache sei und dass man sich im Alltag durchaus trauen könne, seine Kenntnisse auch anzuwenden.

„Die beiden afrikanischen Schüler sind heiß begehrt an unserer Schule und jede Klasse ringt darum, sie an ihrem Unterricht teilhaben zu lassen“, berichtet Henke sichtlich stolz.

Einen offiziellen Anstrich bekam der Besuch gestern Mittag – bei einem zwanglosen Essen gemeinsam mit Bürgermeisterin Elke Christina Roeder in der Schul-Mensa, wo die Gäste jeden Tag am Mittagessen teilnahmen. „Und das ist völlig unkompliziert, da sie alles neugierig probieren“, freut sich der Schulleiter. Das galt übrigens auch für das Frühstück bei Anne Loss: Auf die Frage nach einigen vielleicht befremdlichen Eindrücken, die er in Deutschland gesammelt hat, fallen Ldumasin auf Anhieb Nutella und Pflaumenmus ein. Was ihn nicht minder beeindruckt haben dürfte, war ein Forellenessen, zu dem die Gäste in den „Langen Grund“ eingeladen waren. Seine Eindrücke von den Pyrmontern fasst der 17-Jährige, der sich vor allem für Naturwissenschaften und Geschichte interessiert, in einem kurzen Satz zusammen: „The People are very good.“

Heute geht der Besuch mit der Fahrt zur Tagung nach Wolfenbüttel zu Ende. „Und dann wird es im Heimatort in Afrika bestimmt eine Menge zu berichten geben“, glaubt Henke. Schülerin Netty ist sich nach einem Besuch der „Illumina“ im Kurpark allerdings sicher: „Wenn ich das zu Hause erzähle, glaubt mir das niemand.“

Mit am Tisch saß gestern Mittag auch die 16-jährige Jacqueline. Aus gutem Grund: Die Zehntklässlerin wird eine von sechs Herderschülerinnen und -schülern sein, die in den Osterferien 2015 zum Gegenbesuch nach Kenia fliegen.



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