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Ein Abend der Klassiker: Die „Lumberjacks“ mit Julia Neigel und Max Mutzke im Schlosshof

Für Körper, Geist und Kehle

Bad Pyrmont. Sie hätten auch das Telefonbuch Bad Pyrmonts von vorne bis hinten durchsingen können, es wäre trotzdem ein viel umjubeltes Konzert geworden am Samstagabend im Schlosshof unter den Schirmen. Haben sie aber nicht. Haben vor fast ausverkauftem Haus lieber die Klassiker aus der Kiste gezaubert.

veröffentlicht am 26.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

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Jens Meyer

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Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite
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„Wer ist schon Robbie Williams? Wir haben Max Mutzke!“, frohlockte Alexander Eisele, Bandleader der „Lumberjack Big Band“ aus Göppingen im breitesten Dialekt. Jo, isch scho okay, Alex, hoascht recht. So mitreißend wie Mutzke hat Meister Robbie sein „Let me entertain you“ vermutlich selber selten gesungen. Gänsehaut und Siedepunkt zeitgleich – und das an einem fröhlich ausgeleuchteten, wundervollen Ort wie dem Schlosshof!

Und dann die Neigel, Julia mit Vornamen, seit einiger Zeit schon mit dem Tüpfelchen auf dem i versehen. Jule war gestern. Stimmlich hat sie über all die nunmehr fast schon 30 Jahre im deutschsprachigen Poprockbusiness nichts eingebüßt, eher hinzugewonnen. Aretha Franklins „Save me“ singt sie mit so viel Hingabe, da würden selbst die farbig angestrahlten Schirme gerne klatschen.

Cockers „Have a little faith in me“ klingt zum Ende hin zwar ein bisschen sehr theatralisch, lässt die Sängerin bis in die tiefsten Tiefen ihrer variationsreichen Stimme hinabgleiten – ganz so, wie ein Taucher in einen Ozean springt und nicht weiß, wann er wieder auftaucht. Spannend, mit ordentlich Timbre, und in diesem Fall schier versinkend in einem Ozean der Gefühle.

Aber muss Eisele, jener engagierte Bandleader, der bisweilen wie ein fröhlicher Gummiball vor seinem Orchester herumhopst und fuchtelt und eigenem Bekunden zufolge in seine Lumberjacks verliebt ist, Julia Neigel und dem Publikum dann „Rehab“ und „Valerie“ antun? Diese Songs, dauergespielt in allen Radiosendern, die sich selber toll finden, sind aufgrund der Omnipräsenz so abgetakelt, wie es Amy Winehouse selbst zu Lebzeiten schon war. Nee, das funktioniert auch im Big-Band-Gewand nicht besonders ergreifend. Auch, weil Julia Neigel – eigentlich eine Sängerin mit Ambitionen, den eigenen Stil zu verfolgen – hier nur zu kopieren versucht und also ihre großartige Stimme gar nicht gut genug zum Einsatz kommt. Eisele will in zwei Jahren wieder in Bad Pyrmont stehen; die Winehouse-Nummern darf er dann gerne in Göppingen lassen.

Das ist der Fluch des Klassikers. Zigmal gehört. Solange ein „Superstition“ (von Stevie Wonder), und Gladys Knights hinreißende Hymne „Midnight train to Georgia“, in diesem Fall getragen von reinster neigelscher Seele – ja, sie wird eins mit dem Lied – so zelebriert werden, hält die Gänsehaut bis zum nächsten Morgen an.

Man darf sich nichts vormachen: Da wagen sich die Lumberjacks mit zwei wirklich duften Künstlern an Songs, die niemals besser werden als das Original, und trotzdem gelingt diese Gratwanderung. Und dann – Höhepunkt des Abends – Mutzkes Version von „Me and Mrs Jones“. Symbiotisches für Körper, Geist und Kehle. Wer sich an Billy Pauls Denkmal wagt und bis zum Schlussakkord die Würde und Größe dieses Kunstwerks aufrechterhält, der hat alles richtiggemacht.

Zwei, die sich ganz doll mögen: Julia Neigel und Max Mutzke. ey



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