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Rechen, Reisigbesen, Rasenmäher

Für die Gärtner im Kurpark ist Laub kein Abfall, sondern wertvoller Dünger für Beete und Bäume

BAD PYRMONT. Wenn sich die Blätter auf den Bäumen im Herbst verfärben, sieht das von der Sonne beschienen meist wunderschön aus. Doch aus Blättern wird Laub und das bedeutet für viele Gartenbesitzer Mühe und Arbeit. Manch einer kann den Anblick eines mit einer Schicht Laub bedeckten Gehweges vor seinem Haus kaum vertragen. Bad Pyrmonts Kurparkleiter Michael Mäkler weiß das, rät aber dennoch zur Gelassenheit.

veröffentlicht am 11.11.2021 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2021 um 10:18 Uhr

Hans-Ulrich Kilian

Autor

Freier Mitarbeiter zur Autorenseite

„Wir sollten lieber den Nutzen der Laubbäume sehen und nicht die Last“, betont der Chefgärtner des Staatsbades bei einem Rundgang durch den Kurpark. Er weiß, wovon er redet. Bis zu 1800 Laubbäume – so überschlägt er – stehen im Kurpark und werfen alljährlich im Oktober und November etwa 120 Kubikmeter Laub ab. Das fällt auf die großen Rasenflächen und auf die Pflanzbeete. Und dieses Laub, so Mäkler, sei dort, wo es liegen bleiben könne, wertvoll. Auf dem Rasen zum Beispiel lässt das Gärtnerteam die Blätter nicht liegen. Es wird eingesammelt und (kostenpflichtig) bei der Kreisabfallwirtschaft abgeliefert, wo es zu Kompost wird. „Auf dem Rasen schadet es den Gräsern“, erklärt Mäkler. Die Blätter verfaulen oder schimmeln mit der Zeit, da sich unter der Blätterdecke Feuchtigkeit gut hält. Auch den Gewässern und Gartenteichen tut es nicht gut, denn es fördert den Algenwuchs.

Doch es gibt reichlich Räume im Kurpark, wo Laub liegen bleibt: auf den Beeten und direkt unter Bäumen ohne Rasen. Es schütze Beete vor starkem Frost, aufkeimendem Unkraut und dem Austrocknen im Frühjahr, erklärt der Gärtnermeister und wühlt mit dem Fuß in einer dicken Schicht verschiedener Laubarten, die sich unter einer Kastanie angesammelt hat. „Wir lassen sie liegen, denn die Blätter zersetzen sich mit der Zeit und bilden wertvollen Humus“, versichert er. Dennoch behalte sein Team die Beete im Blick, denn Laub verrotte unterschiedlich. Die Blätter von Eiche, Walnuss oder Kastanie verrotten eher langsam, die von Birke, Linde oder Ahorn schnell. „Wenn große Blätter Pflanzen zu ersticken drohen, dann räumen wir sie natürlich beiseite“, erklärt er.

Dagegen wird Laub bewusst unter Bäumen gelagert, denn davon profitieren sie. Wer genau hinsieht, entdeckt hier und dort kreisrunde Schichten unter Bäumen, deren Zweige und Äste bis fast auf die Erde reichen. Damit ist an diesem Vormittag Marion Widany beschäftigt. Sie nutzt dafür einen großen Rechen, aber auch einen akkubetriebenen Laubbläser. „Ohne kommen wir angesichts der großen Rasenflächen nicht aus“, erklärt Mäkler. Auf jeden Fall verzichte man der Umwelt und dem Tierschutz zuliebe auf Laubsauger. Dafür kommen selbst jetzt im November noch die großen Rasenmäher zum Einsatz. „Der Herbst ist in den letzten Jahren immer milder geworden, dementsprechend wächst das Gras, und das muss gemäht werden.“ Dabei schlagen die Staatsbad-Gärtner gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie kürzen den Rasen und nehmen dabei gleich das Laub auf. Außerdem kommt bei Bedarf ein Ladewagen zum Einsatz.

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Andreas Tappe nimmt einen Reisigbesen, um die Wege im Kurpark vom Laub zu befreien. Foto: uk

Handarbeit bleibt aber dennoch genug übrig. Für die Wege durch den Kurpark habe man bis heute noch keine geeignete Maschine gefunden, um das Laub aufzunehmen. So kommt es, dass Ulrich Recker und sein Kollege Andreas Tappe mit Reisigbesen ans Werk gehen, die es so schon seit Jahrhunderten gibt. Das Laub muss weg, sonst bildet es Nährboden für Unkräuter oder – wie es heute ökologisch korrekt heißt – Wildkräuter. Recker betrachtet Laub ähnlich wie sein Chef. „Wir sollten nicht vergessen, dass die Blätter der Bäume für uns alle Sauerstoff produziert haben“, gibt er denjenigen zu bedenken, die von Laub als „Abfall“ sprechen. „Das ärgert mich jedes Mal“, sagt er.

Grundsätzlich eignet sich Laub – gemischt mit anderen Materialien – für die Kompostierung. „Wir verzichten aber darauf, denn für einen Gewerbebetrieb wie das Staatsbad gibt es für Kompostieranlagen so hohe Auflagen, dass dies nicht wirtschaftlich ist“, sagt Mäkler.

Zu Hause in seinem eigenen Garten sei das anders, da verlasse so gut wie kein Grünschnitt das Grundstück, alles werde verwertet, versichert er und weist auf weitere Aspekte hin, unter denen Laub ökologisch wertvoll ist. Laubbäume seien in den Städten als Klimaanlagen immer wichtiger und Humus binde sehr viel Wasser, was im Hinblick auf die prognostizierte Verringerung der Niederschläge von immer größerer Bedeutung werde.

Information

Fünf Tipps für Gartenbesitzer – der Leiter des Kurparks rät:

So wenige Maschinen wie möglich in einem normal großen Garten einsetzen. Mit einem großen Rechen geht es schonender und umweltbewusst.

Möglichst viel Grünschnitt sollte im eigenen Garten verwertet werden. Auch Laub ist ein Nährstoff für den Boden und kann zu wertvoller Komposterde verarbeitet werden. Der Anteil der Blätter sollte allerdings nicht zu hoch sein, denn Laub verrottet grundsätzlich eher schlecht.

Aus Laub einen wärmenden Unterschlupf für Tiere wie Igel, Reptilien und Insekten schaffen. Geeignet sind Plätze in der Nähe von Hecken und Stauden.

Beete sollte man erst im Frühjahr aufräumen, denn Laub bringt einen echten Mehrwert und zersetzt sich mit anderem Grünschnitt zu wertvollem Dünger und Erde, was dem Garten zugute kommt.

Auf Grundstücken mit großen Bäumen fällt dennoch oft zu viel Laub an. Wohin damit? Kleinere Mengen können in die Biotonne, größere für die Grünschnittabfuhr bereitgestellt oder zu den Kompostplätzen der Städte und Gemeinden gebracht werden.



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