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Bilanz des Ausbildungsmarktes im Raum Detmold

„Flüchtlinge oft hoch motiviert“

Detmold. Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit Detmold, zog jüngst zusammen mit Andrea Hegerbekermeier, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Detmold, sowie Martin Raithel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold, Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt 2014/15. Im Verlauf des Jahres hat sich eine neue Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt ergeben, nämlich die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit.

veröffentlicht am 30.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:41 Uhr

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Bis Ende September waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Detmold 3493 Bewerber auf der Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstelle. 2034 Lehrstellen wurden der Agentur im Berichtsjahr 2014/15 gemeldet. Wie in den Vorjahren zeigt der heimische Ausbildungsmarkt keine wesentlichen Veränderungen im Rahmen von Angebot und Nachfrage. Mit einer Abnahme der Bewerberzahlen ist in den kommenden Jahren zu rechnen.

Die konjunkturelle und strukturelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich auch auf dem Ausbildungsmarkt wider: Angesichts der stabilen Lage auf dem Arbeitsmarkt ist auch die vergleichsweise geringe Anzahl an unversorgten Bewerbern und unbesetzten Lehrstellen positiv zu sehen. Doch zwei Aufgaben bleiben: Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Und schwächere Bewerber in den Ausbildungsmarkt zu integrieren. In den vergangenen Monaten ist ein zusätzlicher Personenkreis hinzugekommen: die jungen Flüchtlinge. Agenturleiter Thiele beschreibt die Schritte, die nötig sind, um sie erfolgreich in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln. „Die jungen Flüchtlinge sind oftmals hoch motiviert, aber es fehlen sprachliche Kenntnisse und eine allgemeine Berufsorientierung. Hier setzen wir an, um Potenziale frühzeitig zu erschließen, damit die jungen Menschen mit ihren Fähigkeiten und großer Motivation Einstiegsmöglichkeiten in den heimischen Ausbildungsmarkt erhalten. Es gilt, die jungen Flüchtlinge mit Deutschkursen, Betriebsbesichtigungen, Praktika oder anderen Einstiegsqualifizierungen an den Ausbildungsmarkt heranzuführen.“

Bedarf an Facharbeitern

Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den technisch/gewerblichen und den kaufmännischen Berufen im Bereich der IHK Lippe zu Detmold befindet sich mit 1200 Verträgen auf dem identisch hohen Niveau wie im Vergleichsjahr 2014 bei gleichzeitig niedrigster vorzeitiger Vertragslösungsquote in den letzten zehn Jahren. Hierbei ist ein Zugewinn von 3,5 Prozent im Bereich der technisch/gewerblichen Berufsausbildung zu verzeichnen. „Dies spiegelt den hohen Bedarf an gut ausgebildeten Facharbeitern, insbesondere im Metall- und Elektrobereich wider“, so Martin Raithel. „In diesen beiden Bereichen werden 28 Prozent der neuen Ausbildungsverträge abgeschlossen. Allein im Metallbereich verzeichnen wir fast 14 Prozent mehr neu begonnene Ausbildungen als 2014“, berichtet Raithel weiter.

Der Anteil der Auszubildenden mit einem mittleren Schulabschluss sinkt beständig, dafür steigt im gleichen Maße die Anzahl Auszubildender mit einem Hauptschulabschluss. „Dies kann als Indiz dafür genommen werden, dass der Trend zum Abitur oder der Fachhochschulreife ungebrochen hoch ist. Denn gleichzeitig ist der Zugang zur Berufsausbildung mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife konstant“, führt Raithel weiter aus. Andrea Hegerbekermeier meint, „das Handwerk hat Nachwuchssorgen. Insgesamt gibt es für dieses Jahr 373 Neueintragungen von Ausbildungsverhältnissen. Das sind bereits zehn weniger als noch im Vorjahr und 117 weniger als noch im Jahr 2012. Wie ernst das Problem ist, zeigt das Beispiel der Friseure. Mittlerweile verzeichnen selbst diese geringere Zahlen an Bewerbungen. Probleme haben auch die Maler. Hier waren es 2012 beispielsweise noch 48 Neueintragungen bei den Ausbildungsverhältnissen. 2015 sind nur noch 20 Lehrlinge zu zählen. Ähnlich geht es den Tischlern. Auch hier sinkt die Nachfrage. Das gilt im Übrigen auch für die Berufe des Maurers und des Zimmerers. Ganz zu schweigen von den ohnehin wenigen Bewerbern in den Berufen des Bäckers oder des Fleischers.“

Die Begleitung der Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und während der Lehrzeit ist wichtig, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und ein Gelingen der Lehrzeit zu gewährleisten. Angesichts dessen bietet die Detmolder Arbeitsagentur Unterstützung an. Weitere individuelle Unterstützungsangebote bietet die Agentur mit Netzwerkpartnern in der lippischen Bildungslandschaft an. Laura Krüger, Teamleiterin der Berufsberatung, stehen dafür fünf Millionen Euro in diesem Jahr zur Verfügung,red

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