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Aus dem Nichts heraus fährt Fero47 mit Singledebüt Millionenklicks bei Youtube ein / Eine Spurensuche

Fero47 - Pyrmonter Rapper stürmt die Charts

BAD PYRMONT. Er nennt sich Fero47, ist 20 Jahre alt, rappt und hat sich aus dem Nichts heraus auf Platz 8 der Single-Charts katapultiert. Knapp 4,7 Millionen Mal ist sein Musikvideo „Jaja“ auf Youtube innerhalb von zwei Wochen angeklickt worden. Mit der Plattenfirma Epic Records/Sony hat er einen Vertrag abgeschlossen. In mancher Pressemeldung wird Fero47 als Frankfurter bezeichnet. Dabei soll es sich bei Ferhat Tuncel alias Fero47 um einen waschechten Pyrmonter handeln. Eine Spurensuche.

veröffentlicht am 24.01.2019 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 28.01.2019 um 11:32 Uhr

Gut gelaunt: Fero47 in seinem Video zu „Jaja“. Mit seinen Fingern bildet er eine 47 – eine Hommage an seine zweite Heimat. Screenshot: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Irgendwann hat sich Ferhat Tuncel mal politisch engagiert. Zumindest taucht sein Name in einer amtlichen Vorstellung des Pyrmonter Jugendparlaments auf. Doch das ist lange her, 2013. Irgendwann hat Ferhat Tuncel aber auch mal die Facebook-Seite der Shisha-Bar Hookah Heaven an der Humboldtstraße geliket. Dann kennt man ihn vielleicht dort? „Ja, Fero kenne ich“, antwortet Inhaber Joshua Gansler am frühen Mittwochabend. „Er kommt auch manchmal her, aber gehen Sie mal nach nebenan, da kennt man ihn gut!“

Nebenan befindet sich das Lebensmittelgeschäft Multi-Kulti. An der Kasse steht ein Mann mittleren Alters. Ja, sagt Inhaber Ahmad Barakat, er kenne Fero, da er ein Freund seines Sohnes sei. Prompt kommt der Sohn zur Ladentür rein. „Fero ist ein guter Freund von mir“, bestätigt Mussa Barakat freundlich und stellt sich ein paar Fragen. Wie es denn losging mit Fero47? „Am Anfang, so mit 15, haben wir ihn dazu überredet, seinen Rap doch mal bei Facebook zu veröffentlichen“, erzählt der 21-Jährige. Erst habe Fero nicht gewollt, negative Netzkommentare befürchtet. „Aber wir haben ihn alle unterstützt und seine Handyvideos geteilt."

Handyvideos sind das Stichwort, damit ging es los. Fero fing an, sich von Freunden mit Handykameras beim Rappen filmen zu lassen, allein auf weiter Flur oder im Halbkreis von Gleichaltrigen stehend, mit mal mehr, mal weniger an Bad Pyrmont erinnernder Kulisse im Hintergrund. Fero lud die Videos erst bei Facebook hoch, dann bei Instagram. Auf seine Freunde, die die Beiträge teilten und mit „Gefällt mir“-Angaben markierten, folgten erst Hunderte, dann Tausende und inzwischen Zigtausende, die Feros Rap feiern. 244 000 Tausend folgen dem Pyrmonter auf Instagram.

Sie haben Fero47 von Anfang an unterstützt: Mussa Barakat (Mitte) vor dem Lebensmittelgeschäft seines Vaters mit seinen Freunden Filip Sverić (v. li.), Marc Jeske, Ashab Magomadou und Youssef Riabi. Foto: pk

Zurück zu „Multi-Kulti“: Mitten im Gespräch holt Mussa Barakat sein Handy hervor, wählt eine Nummer und sagt ein paar Sekunden später in sein Smartphone: „Hier ist einer von der Zeitung, der will was über dich wissen.“ Nach wenigen Wortwechseln reicht er sein Handy rüber und am anderen Ende der Leitung ertönt die kratzige Stimme von Fero47: „Hallo?“

Er sei gerade auf dem Weg nach Berlin, wo er tags drauf in der Live-Sendung „Takeover“ von Radiosender Jam FM zu Gast sein wird. Fero erzählt, dass er in Bad Pyrmont geboren und aufgewachsen sei. Seine Wurzeln reichten aber bis in die Provinz Mardin im Südosten der Türkei zurück. Daher auch die 47 in seinem Künstlernamen: 47 lautet das Kfz-Kennzeichen in Mardin. Er erzählt, schon von klein auf Rap gehört zu haben, zunächst Deutschrap, doch dann habe er angefangen, sich an französischem Rap zu orientieren. Ob er auch Französisch spreche? Nein, aber das könne er ja noch lernen, sagt er und lacht.



In mancher Pressemeldung, die sich im Web über Fero findet, wird Fero47 als Frankfurter bezeichnet. Wieso das? „Ich bin 2015 nach Frankfurt gezogen“, antwortet er. Ursprünglich mit dem Ziel, Bankkaufmann zu werden. Dann sei er in verschiedensten Jobs tätig gewesen. Aber anscheinend hat er zwischenzeitlich auch mal mit leeren Händen dagestanden. „Mein Leben war am Ende, keine Arbeit in den Händen“, rappt er in „Jaja“. Aber auch: „Mein Hobby war das Rappen / Ich brachte jeden Tag das Beste, jeder Schuss ging direkt durch die Decke.“ Womit wir wieder bei den Handyvideos wären, auf die Fero – inzwischen wieder in Bad Pyrmont wohnhaft – mit diesem Vers anzuspielen scheint und die auf Instagram mitunter über 600 000 Mal aufgerufen werden.

Eigentlich hätte seine Debütsingle schon 2018 erscheinen sollen. Doch Mitte Dezember war Fero mit seinem Manager in einen schweren Autounfall verwickelt worden, bei dem beide glücklicherweise jedoch unverletzt blieben. Rap-Boulevard-Medien berichteten. Offenbar lief während des Unfalls die Handykamera mit. Auszüge der Aufnahme wurden in die Anfangssequenz von Feros Video zur Single „Jaja“ eingebaut: Verwackelte Bilder sind zu sehen, ein Schrei ist zu hören, dann die Frage: „Bira, alles gut?“ Bira ist Kurmandschi und heißt Bruder. Es folgt die Antwort: „Ja, ja. Ja, Bira, alles gut!“ Das könnte erklären, wieso der Song „Jaja“ heißt.

In „Jaja“ rappt ein sympathischer Fero über seinen Traum vom großen Geld, mit dem er sich allerhand Luxusartikel kaufen kann: „Gib mir Burberry, Bulgari / Ich will Burberry, Bulgari“, rappt er in dem von orientalisch anmutenden Streichern unterlegten Refrain. Das dazugehörige Video, sagt er, sei in Odessa, Istanbul und Frankfurt am Main gedreht worden.

Konkrete Pläne für ein Album gebe es noch nicht. Zunächst würden weitere Singles und Musikvideos veröffentlicht und Auftritte absolviert. Er wolle erst mal rausfinden, „was feiern die Leute“. Zwar habe er gerade einen Vertriebsvertrag mit Epic Records/Sony unterschrieben. Sein Ziel sei es aber, sein eigenes Label zu gründen, um „selbstständig und unabhängig zu sein“.

Fero47 ist übrigens nicht der erste Rapper, der sich über die Stadtgrenzen Bad Pyrmonts hinaus einen Namen macht. Zuletzt hatte Mert mit seinem homophoben Videostatement eher für negative Schlagzeilen gesorgt. Aber schon in den 90ern gab es mit Costa Meronianakis alias Illmatic einen Pyrmonter Rapper, der etwa mit Kool Savas ein gemeinsames Album aufnahm.

Ob Illmatic Fero47 ein Begriff ist? „Nein“, antwortet der 20-Jährige. Hip-Hop ist alt geworden.



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