weather-image
12°
Grünschnitt gehört nicht in den Wald

Fast Food für Wildschweine

BAD PYRMONT. Jetzt im Frühjahr, wenn in den Gärten wieder Arbeit anfällt, bekommen es Revierförster Philipp Klapper und seine Kollegen immer wieder mit illegalen Grünschnittablagerungen zu tun. Überall im Land türmen sich Zweige, Strünke, Blätter und Rasenschnitt am Waldrand, an Wegen und Waldparkplätzen.

Autor:

Hans-Ulrich Kilian

Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement

Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Kopfschüttelnd steht Philipp Klapper vor der erheblichen Menge Rasenschnitt, die hier jemand mitten im Wald unterhalb von Kleinenberg an den Forstweg gekippt hat. „Es gibt doch bei uns genügend Möglichkeiten, seinen Grünschnitt legal und kostenlos zu entsorgen, den muss doch niemand in den Wald bringen“, wundert sich der städtische Revierförster.

„Die Gartenbesitzer glauben in der Regel, man füge der Natur keinen Schaden zu, da es sich ja um natürlich abbaubares Material handelt. Immer wieder erleben wir, dass Mitbürger sogar der Auffassung sind, sie täten der Natur sogar etwas Gutes“, weiß Klapper zu berichten. Das sei vermutlich auch der Grund dafür dass Spaziergänger eher wilde Müllablagerungen als Grünschnitt melden. Dabei handele es sich um kein Kavaliersdelikt, betont er. Diese Art der Entsorgung sei illegal, und das aus gutem Grund. Grünschnitt, Gras und Laub gelten als Abfall und dürfen nicht in den Wald gekippt werden. Und weil es in der Regel da nicht bleiben kann, muss es der Stadtforstbetrieb auf seine Kosten entsorgen.

Aber was ist denn nun so schädlich daran? Der Wald ist eine gut abgestimmte Lebensgemeinschaft. Mit den Gartenabfällen landen mehr Nährstoffe im Wald und das sensible Gleichgewicht gerät durcheinander. Als Folge vermehren sich stickstoffliebende Pflanzen, wie die Brennnessel oder Brombeersträucher und verdrängen die standorttypischen speziell angepassten Arten wie Veilchen oder viele Wiesenblumen. Wo sich Gras- und Strauchschnitt am Waldrand türmen, ersticken sie die anderen Pflanzen und die verrottenden Gartenabfälle belasten Boden und das Grundwasser. Oftmals entwickeln sich insbesondere hinter Gartengrundstücken am Wald regelrecht meterhohe Grünschnitthaufen, die schneller anwachsen, als die Natur diese überhaupt zersetzen kann. Darüber hinaus stellen die auf diese Weise entsorgten Gartenabfälle nicht selten den Einstieg für wilde Müllkippen dar, indem zusätzlich sonstiger Unrat entsorgt wird.

  • Diese Ablagerung mit Ästen wurde im vergangenen Jahr im Mosterholz entdeckt. Foto: Klapper

Vögel sind am Ende die Leidtragenden der Grünschnittablagerungen.

Philipp Klapper, Forstamtsmann

„Wildschweine fühlen sich übrigens ganz besonders wohl, wo sie regelmäßig mit Gartenabfällen versorgt werden“, ergänzt Klapper. „In den Grünschnittablagerungen sind nicht selten Gartenfrüchte enthalten, die die Schweine magisch anziehen. Darüber hinaus leben in den Haufen viele Mäuse und Insektenlarven – beides wahre Leckerbissen für Wildschweine. Gartenabfälle sind für sie wie Fast Food, da ist der Weg in den nächsten Garten dann nicht mehr weit.“

Gartenabfälle können außerdem Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Samen von standortfremden oder nicht heimischen Pflanzen enthalten. Diese Pflanzen, die sogenannten Neophyten können zu einem echten Problem im heimischen Wald werden. Breiten sich so fremde Pflanzen aus, spricht der Fachmann hier von Florenverfälschung. Manche sind so konkurrenzstark, dass sie sich ausbreiten und alles andere Natürliche verdrängen. Bekannte Beispiele sind der Riesenbärenklau oder das Indische Springkraut, das in vielen Wäldern die Wegränder säumt. „Neben diesen beiden Arten haben wir in Bad Pyrmont ganz konkret bereits den Japanischen Staudenknöterich in den Wald eingeschleppt bekommen. Das ist eine Pflanze, die sämtliche einheimischen Pflanzenarten verdrängt und sich aufgrund meterlanger und -tiefer Wurzelwerke auch nicht ohne Weiteres bekämpfen lässt.“

Solch invasive Arten verdrängen allzu oft einheimische Pflanzen – mit unabsehbaren Folgen für die Nahrungskette: Verschwinden heimische, standortstypische krautige Pflanzen und Sträucher, fehlt vielen Insekten und Schmetterlingen die Nahrungsgrundlage. Klapper: „Von aber eben diesen Insekten ernähren sich wiederum unzählige Vogelarten, die also am Ende die Leidtragenden der Grünschnittablagerungen sind.“

An seinem früheren Arbeitsplatz im Saarland hat Klapper eine Broschüre „Grünschnitt und Gartenabfälle gehören nicht in den Wald“ entworfen, die einen Überblick gibt , auch über die Beeinträchtigung der Standsicherheit von Bäumen durch Gartenabfälle und Grünschnitt. Zu finden ist sie im Internet unter http://www.saarforst.de/informationsmaterial-mainmenu-146/tabelle-informationsmaterial-mainmenu-147

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare