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Stadt: Kita-Sozialstaffel hat sich bewährt

Fast die Hälfte der Eltern bezahlt weniger

BAD PYRMONT. Fast die Hälfte der Eltern, die ihre Kinder in einer der Kindertagesstätten in Bad Pyrmont betreuen lassen – bezahlen weniger als den Basisbeitrag in Höhe von 20 Euro je Stunde. Das sind deutlich mehr, als die Stadt bei der Einführung der Sozialstaffel zum Kindergartenjahr 2015/16 angenommen hatte.

veröffentlicht am 17.01.2017 um 13:01 Uhr
aktualisiert am 10.10.2017 um 09:20 Uhr

Jedes Kind ist so individuell wie seine Spielsachen. Die Betreuung von Kindern in den Pyrmonter Kindertagesstätten kostet nicht für alle Eltern das Gleiche.
Hans-Ulrich Kilian

Autor

Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite

Das sogenannte „Hamelner Modell“ war davon ausgegangen, dass nur 40 Prozent die Beitragsstufe 1 mit einem Stundensatz von 16 Euro in Anspruch nehmen würden.

Seit 2015 wird in Bad Pyrmont ein auf insgesamt zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt für die Einführung von einkommensabhängigen Kindergartengebühren im Landkreis Hameln-Pyrmont durchgeführt. Die bisherige Bilanz, die der zuständige Fachgebietsleiter der Stadtverwaltung, Tobias Honka, jetzt gegenüber dieser Zeitung gezogen hat, fällt positiv aus. „Der Aufwand ist zwar höher, aber im Sinne einer größeren Gerechtigkeit bei der Beitragszahlung zu vertreten.“

Vor zwei Jahren hatte sich der Rat dafür entschieden, den Basisbeitrag um 1 Euro auf 20 Euro anzuheben und gleichzeitig die Sozialstaffel einzuführen – und zwar gegen die Stimmen der CDU, die vor allem eine zu große Belastung der Mittelschicht befürchtete. Fest steht mittlerweile, dass gut zwei Drittel der Pyrmonter Eltern im Vergleich zu früher genauso viel oder weniger bezahlen und 305 000 Euro zum Gesamtgebührenaufkommen in Höhe von 546 000 Euro beisteuern. Eltern mit einem Jahreseinkommen von weniger als 25000 Euro zahlen nur 16 Euro, Eltern mit einem Jahreseinkommen von mehr als 55 000 Euro 36 Euro je Stunde Betreuung (siehe auch Grafik).

Das Drittel der Eltern, das mehr als 20 Euro Basisbeitrag zahlen muss, steuert rund 241000 Euro Gebühren bei. Den größten Anteil – 103 680 Euro – in dieser Gruppe zahlen die Väter und Mütter, die sich in die Beitragsstufe 6 haben einstufen lassen. „Wir hatten nur einige wenige Eltern, die ihre Einkünfte nicht offen legen wollten und damit einverstanden waren, den höchsten Elternbeitrag zu bezahlen“, so Honka.

Auffällig sei gewesen, dass sich nur 41 Prozent der Eltern der untersten Einkommensgruppe zugerechnet haben, tatsächlich seien es am Ende aber 49,43 Prozent gewesen. „Sie haben für sich selbst eine eher vorsichtige Einstufung vorgenommen.“ Ein großer Teil dieser Eltern hat zudem Anspruch auf eine Bezuschussung durch das Jugendamt.

Die endgültige Einstufung wurde von Mitarbeitern des Landkreises Hameln-Pyrmont auf der Basis der Angaben der Eltern vorgenommen. „Mir blieb dann noch die Arbeit, die in Anspruch genommenen Betreuungsstunden bei den Kindergärten abzurufen“, so Honka. „Eine zentrale Datenbank für die 487 Kita-Plätze wäre darum sinnvoll, auf die auch Eltern, die ihre Kinder anmelden wollen, zugreifen können“, lautet denn auch eine Schlussfolgerung Honkas aus dem ersten Jahr, in dem es darum gegangen sei, das neue System einzuführen und immer wieder sich neu stellende Fragen zu beantworten.

Einen höheren Aufwand haben sowohl die Behörden als auch die Eltern, denn in jedem Jahr muss die Einstufung neu vorgenommen werden, und zwar nicht nur die der Eltern, deren Kinder neu dazugekommen sind, sondern auch die aller anderen, denn die Einkommensverhältnisse könnten sich geändert haben. Auch dafür, so Honka, wäre eine zentrale Datenerfassung hilfreich.

Den direkten Kontakt mit den Eltern hatten die Kindergärten, deren Mitarbeiterinnen den Eltern gleich bei der Anmeldung ihrer Kinder einen Erhebungsbogen in die Hand drückten. „Das war eine absolute Umgewöhnung, denn davor hatten ja alle Eltern das Gleiche bezahlt“, berichtet Christine Vaatz, Leiterin des Kindergartens Holzhausen. Die Eltern, die weniger bezahlen müssen, hätten sich gefreut, die andern natürlich nicht, berichtet sie. „Aber ganz wichtig war und ist die Beratung durch den Landkreis, auf die wir die Eltern hinweisen. Jeder hat individuelle Fragen und die Rückmeldungen zeigen mir, dass den Eltern dort auch geholfen werden konnte.“ Für sie sei vor allem wichtig, dass alle Kinder nach wie vor die Möglichkeit hätten, einen Kindergarten zu besuchen.

Zurzeit decken die Kita-Gebühren der Eltern rund 15 Prozent der Gesamtausgaben in Höhe von 3,6 Millionen Euro, die Stadt, Kreis und Land gemeinsam für die Pyrmonter Kindertagesstätten aufbringen ab. Doch dabei wird es nicht bleiben. Der Anteil soll, so sieht es ein Grundsatzbeschluss des Rates vor, zum Kindergartenjahr 2017/18 auf 20 Prozent steigen.



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