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Die fünf Bäume sollen auf der Brunnenstraße nun doch nicht zwischen den Linden stehen

Falsche Seite: Eichen müssen weichen

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: Erst wurden in der Fußgängerzone von Bad Pyrmont fünf gefällte Linden durch junge Säuleneichen ersetzt. Doch die müssen jetzt wieder weg. Denn im Rathaus hat man festgestellt: Die Eichen passen nicht auf die traditionell mit Linden bestückte Nordseite der Fußgängerzone. (jl)

veröffentlicht am 16.02.2016 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. Über die „vielen gesunden Bäume“, die seit geraumer Zeit aus unterschiedlichen Gründen an diversen Stellen der Kurstadt gefällt werden, regt sich so mancher Pyrmonter auf. Nachdem die Stadtverwaltung zuletzt vor drei Wochen fünf Bäume in der Brunnenstraße abholzen ließ und die Fällungen damit als abgeschlossen erklärte (wir berichteten), rückten gestern erneut zwei Bauhof-Mitarbeiter in der Fußgängerzone an. Diesmal jedoch ohne Säge, sondern mit Spaten. Die Gärtner schaufelten fünf Säuleneichen frei. Die Bäume sollen heute abtransportiert und anderswo wieder eingepflanzt werden.

Weichen müssen die fünf Eichen jedoch nicht, weil sie nicht mehr standsicher wären, wie Baudezernent Matthäus Schmidt Ende Januar über die zwei gefällten Eichen und drei Linden gesagt hatte. Denn die zwischen vier und fünf Meter hohen zarten Bäumchen sind noch gar nicht alt. Ausschlaggebend für ihre Herausnahme ist offenbar die Feststellung, dass sie nicht in die früher ausschließlich mit Linden bepflanzte Nordseite der Brunnenstraße passen. Eichen finden sich traditionell nur gegenüber, auf der Südseite.

Das ist zwar auch im Rathaus schon länger bekannt. In der jüngeren Vergangenheit hinderte das jedoch niemanden daran, für den Ersatz gefällter Bäume die Sorte zu wechseln. Denn Eichen gelten als anspruchslos und robust. Die damaligen Entscheider könnten also gehofft haben, dass die tiefer wurzenden Gehölze etwa auf Bodenverdichtung und Streusalz weniger empfindlich reagieren als Linden, deren Wurzeln gerade darunter extrem leiden.

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  • Bauhof-Gärtner Ingo Binder und sein Kollege Jörg Bläske (nicht im Bild) graben am Dienstag eine von fünf Säuleneichen in der Brunnenstraße aus. Die Bäume sollen anderswo einen neuen Platz bekommen. Ersetzt werden die neuerdings auf der Nord-Seite als unpassend betrachteten Bäume durch Linden. Foto: jl

Wer genau die Umpflanzung verfügt hat, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen. Der neue Baudezernent Matthäus Schmidt konnte wegen eines auswärtigen Termins keine Auskunft geben. Ein anderer Mitarbeiter seines Fachbereichs, der sich in der Materie auskennt, war ebenfalls nicht greifbar. Wie Bürgermeister Klaus Blome schließlich auf Anfrage erklärte, war „man in den letzten Jahren der Meinung, dass Säuleneichen besser passen“. Wer genau diese Auffassung wann änderte, entzieht sich indes der Kenntnis des Verwaltungschefs. Allerdings vermutet er, dass die Umpflanzung aufgrund der geplanten Bewerbung Bad Pyrmonts um den Weltkulturerbe-Status mit anderen bedeutenden Heilbädern, den „Great Spas of Europe“, zusammenhängen könnte. „Denn das Alleensystem ist ja Teil der Bewerbung“, so Blome. Beabsichtigt sei deshalb wohl, die Brunnenstraße wieder mehr in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Die Bemühungen um die Welterbe-Bewerbung laufen allerdings schon länger; erst im vergangenen Mai hatten einige der jetzt aussortierten Eichen eine schützende Stahl-Einfassung bekommen. Ob diese Rahmen, die das Erdreich vor baumschädlicher Verdichtung bewahren sollen, den Bäumen gutgetan haben, wird jetzt niemand mehr feststellen können, wenn das Schutzgut weg ist.

Und was plant die Stadt nun an den Stellen, wo die fünf „Quercus robur Fastigiata“ seit gestern zum Abtransport bereitstanden? „Ich vermute, dass dort ersatzweise Linden gepflanzt werden“, sagt der Bürgermeister, der im Übrigen nicht glaubt, „dass das lange auf sich warten lassen wird“. Nach Rücksprache mit den Fachleuten des städtischen Bauhofs ergänzte er, über die Lindensorte sei noch nicht entschieden.

Offenbar war in den Entschluss zur neuerlichen Umgestaltung auch ein Denkmalpfleger des Landes Niedersachsen eingebunden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür gestern allerdings nicht. Denn der für Fragen in Bezug auf Pflanzen für ganz Niedersachsen zuständige Denkmalpflege-Fachmann war nicht zu erreichen. Generell fungiert die in Hannover angesiedelte Behörde jedoch nur als fachliche Beratungsstelle. Ob und welche Konsequenzen eine Kommune aus den Einschätzungen der Experten zieht, bleibt ihr überlassen.

Auf eine Empfehlung der Baumsachverständigen Claudia Amelung geht die Entnahme jedenfalls sicher nicht zurück. Die Diplomingenieurin hatte im Auftrag der Stadt 2015 ein Gutachten erstellt. Darin attestierte sie einem guten Drittel der 39 Linden sowie einem guten Viertel der 42 Säuleneichen in der Fußgängerzone mehr oder weniger starke Schäden. Den nachgepflanzten Eichen auf der Linden-Seite galt die Sorge der Expertin indes nicht. Grundsätzlich hatte Amelung im Dezember im Pyrmonter Bauausschuss an die Entscheider appelliert, möglichst alle alten Bäume zu schützen.



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