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Experte rechnet mit "seltenem" Hochwasser

Lügde (jl). Der mit Millionenaufwand aufgeschüttete und gemauerte Hochwasserschutz für die Emmerstadt steht offenbar vor seiner ersten Bewährungsprobe. Die bis einschließlich morgen vorhergesagte Regenmenge klingt zwar nicht gerade furchteinflößend. Die vom Deutschen Wetterdienst für den hiesigen Raum avisierten 15 bis 17 Millimeter wären allein nicht der Rede wert; sie entsprechen 17 Litern pro Quadratmeter. „Aber wir haben diesmal gleich mehrere Faktoren, die durchaus zu einem seltenen Niederschlagsereignis führen können“, erklärt Gewässer-Experte Rüdiger Kuhlemann vom Kreis Lippe.

veröffentlicht am 05.01.2011 um 20:09 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 21:41 Uhr

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 Da ist vor allem der viele Schnee, der durch den Temperaturanstieg tauen wird. Doch der Boden kann das Schmelzwasser nicht aufnehmen, weil er zunächst noch gefroren und aus der Zeit vor dem letzten Kälteeinbruch ohnehin noch mit Wasser gesättigt ist. „Was schmilzt, fließt also sofort ins nächste Gewässer ab“, erklärt Kuhlemann. Hinzu kommt, dass ein Gutteil der Abflüsse an den Straßen noch zugefroren, -geschippt oder -geschoben ist. „Aber das haben wir im Auge“, sagt Uwe Rinsche. „Da müssen wir ‘ran.“
 Bisher hat Lügdes Bauhofleiter den Radlader sowie Hacken, Spaten und Schaufeln an den Abflüssen nur deshalb nicht zum Einsatz gebracht, weil noch Minusgrade herrschten. „Aber wir werden tätig, bevor sich irgendwelche Seen bilden“, verspricht er.
  Bauamtsleiter Günter Loges appelliert in diesem Zusammenhang noch einmal an die Hausbesitzer: „Wer das Wasser nicht vor seiner Tür stehen haben will, sollte seinen Abfluss freihacken“, betont er.
 Schon seit Dienstagnachmittag wird der Emmer-Stausee kontinuierlich auf den niedrigsten zugelassenen Wasserstand abgelassen. Der sinkt damit um einen Meter auf 116 Meter über Normalnull (ü.N.N.). Das heißt: Der etwa 90 Hektar große See wird jetzt 1,9 Millionen Kubikmeter Wasser (1,9 Milliarden Liter) zurückhalten können, bis er wieder voll ist. Das hört sich allerdings nach mehr an, als es im Ernstfall ist. Denn: „Das Einzugsgebiet des Schiedersees ist 364 Quadratkilometer groß“, sagt Rüdiger Kuhlemann.

 Für Lügde sieht der Experte allerdings noch keinen Grund, die Alarmglocken zu schlagen. „Durch die Hochwasserschutzmaßnahmen ist hier nicht mehr so große Not“, glaubt er. Von allzu frühen Hochwasserwarnungen hält er ohnehin nicht viel. „Spätestens beim dritten Mal würde niemand mehr hinhören“, glaubt der Detmolder.
 Nicht ganz ohne Spannung blickt derweil Bauamtsleiter Günter Loges in Richtung Emmer. „Das ist nichts, was uns beunruhigen müsste“, glaubt zwar auch er die Lügder im Wissen um den umfangreichen Hochwasserschutz auf der sicheren Seite. „Aber einen richtigen Bewährungsfall hatten wir ja noch nicht.“
 Dafür hat die Stadt in den letzten Jahren zerlegbare Wände aus Aluminium angeschafft. Diese Dammbalken werden jeweils maßgeschneidert zusammengebaut, um fünf Stellen zur Stadt hin vor drohenden Wassermassen abzuschotten: Die finden sich am Kriegerdenkmal, am Sportplatz, dem Dechenheim, der Feuerwache und der Burmeier-Scheune an der Emmer. Fünf weitere Durchlässe – zwei an der Mühlenstraße und jeweils einer in der Stadtmauer, an der Seiler- und der Pfarrer-Nussbaum-Straße – werden mit Spundwänden aus Holzbohlen dichtgemacht. Hinzu kommen noch mehrere hundert bereits gefüllter und Tausende von leeren Sandsäcken.
 Auch wenn es nun einstweilen taut: Für den nächsten Schnee ist Lügdes Bauhof auch schon wieder gerüstet: „Wir haben gerade eine 26-Tonnen-Lieferung Streusalz bekommen“, sagt Uwe Rinsche. „Nun haben wir 105 Tonnen.“



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