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Der Pyrmonter Tierpark wird 50 Jahre alt – und sein Chef hat in der Geschichte gestöbert

Es begann mit ein paar Vögeln an der Emmer

Bad Pyrmont (Hei). Linus Kampe, der Leiter des Pyrmonter Tierparks, ist normalerweise vor allem im Freien beschäftigt. In den vergangenen Monaten allerdings hat der 43-jährige viel Zeit an einem Büro-Schreibtisch zugebracht. Zweimal wöchentlich besuchte er das Stadtarchiv, um dort Material für eine Ausstellung zu sammeln. Dokumentieren wollte er die Geschichte des Zoos aus gegebenem Anlass: Der Tierpark wird 50 Jahre alt.

veröffentlicht am 10.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 04:21 Uhr

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Für Linus Kampe, den ausgebildeten Tierpfleger und seit 2008 Pächter des Zoos, war es ziemlich mühsam, entsprechende Dokumente aufzutreiben. Eine Chronik der Freizeit-Einrichtung gab es nicht, frühere Negativfilme und Abzüge sind im Zeitalter der Digitalfotografie eher selten archiviert. Jetzt aber ist die kleine Ausstellung mit alten Zeitungsausschnitten, Fotos, Postkarten und nostalgischen Prospekten im Raum der Zoo-Schule fertig arrangiert und wird ab 15. März der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Museum hat dem Tierpark Stellwände zur Verfügung gestellt, auf denen die Geschichte anschaulich dargestellt wird.

Alles begann damit, dass Günter Busch, Inhaber eines Autohauses mit Werkstatt an der Südstraße, sich einen Traum erfüllte und 1962 neben seinem Areal ein Grundstück pachtete, auf dem er einen Vogel- und Naturpark einrichtete. Eine alte Luftaufnahme aus den Beständen des Museums zeigt die damals weitläufige leere Fläche, auf der sich heute der Tierpark ausbreitet. In den ersten beiden Jahren war der kleine Park jeweils nur für drei Sommermonate der Öffentlichkeit zugänglich.

Erst 1964 wurde der Zoo nach entsprechendem Umbau in seiner heutigen Größe mit einer Fläche von 30 000 Quadratmetern und einem Bestand von 400 Tieren als öffentliche Einrichtung freigegeben, mit Minigolf-Anlage, Spielplatz und Kindereisenbahn als besondere Attraktionen. Zu den Fasanen, Flamingos, Kranichen und anderem Federvieh des Vogelparks kamen nun auch Lamas, Esel, Affen, eine ganze Streichelwiese voller Ziegen und ein Tierparkcafé.

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Mitte der Siebziger Jahre verkaufte die Familie Busch den Park an Leo Laubrock, als fachkundiger Leiter war Tierpfleger Gerhard Grüne angestellt. Nachdem er gekündigt hatte, kam im November 1981 der Tierpfleger Horst Krams. Doch der wurde schon nach drei Monaten verhaftet, weil er geschützte Tierarten illegal gehandelt hatte. Er wurde schließlich zu 875 Mark Geldstrafe verurteilt. Wird der Tierpark jetzt ein Krams-Laden?“ titelten damals die PN.

Aus den Negativ-Schlagzeilen kam die Anlage erst wieder heraus, als Gerhard Grüne erneut die Leitung übernahm: „Er baute mit viel Engagement den Zoo wieder auf und verbesserte den ramponierten Ruf“, sagt Kampe über das dramatische Geschehen, an das sich mancher Besucher der Schau erinnern dürfte.

Die Geburt eines kleinen Zebras, die Taufe eines Tapirbabys durch die Bundestagsabgeordnete Brigitte Schulte und die Ankunft des Schimpansen Karlchen, der seinem Artgenossen Charly Gesellschaft leisten sollte – alles wird mit Fotos und Zeitungsausschnitten dokumentiert.

Schlagzeilen über den Tierpark gab es indes später noch, wenn auch ganz anderer Art. So zum Beispiel, als am 30. Juli 1988 der Löwe Clarence ausbrach und ein Zebra aus dem Zoo vertrieb, das dann in Panik auf die Bahngleise lief, wo es von der Polizei erschossen wurde. Und dann war da noch Manni, das berühmte Känguru, das zehn Jahre später monatelang das Sommerloch der Medien füllte, als es ausbüxte und drei Wochen lang angeblich in der ganzen Republik gesichtet wurde, bis es ebenfalls an den Bahngeleisen den Tod fand. Weitere „Promis“ unter den Tieren im Pyrmonter Zoo: Koda und Kenai, die niedlichen Kragenbären, Mogli und Medan, die seltenen Siamang-Affen, oder der kleine Nandu Konstantin, der es in Frank Elstners Fernseh-Tierquiz schaffte.

Nachdem Gerhard Grüne in den Ruhestand ging, übernahmen Linus und Sonja Kampe den Tierpark, unterstützt von Tierpfleger Michael Haentjes, anderen Mitarbeitern und finanziell gefördert vom VTA (Verein für Tier- und Artenschutz), der als Förderverein in den 80er Jahren gegründet worden war.

Viel hat das Team geschaffen: die Afrika-Anlage, das Reptilienhaus, die Insel für die Kattas und Siamang-Affen. All dies ist mit aktuellen Fotos in der Ausstellung dokumentiert, die ab 15. März zu den Öffnungszeiten des Tierparks besichtigt werden kann.

Maya (9) und Leon (7) dürften von manchen Altersgenossen beneidet werden. Denn ihre Eltern Sonja und Linus Kampe sind seit knapp vier Jahren Pächter des Pyrmonter Tierparks. Der kleine Zoo besteht seit inzwischen 50 Jahren.

Foto: Hei



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