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Güterzug nimmt Fußgängerinnen auf

Erst schwarzgefahren, dann gewandert

BAD PYRMONT/ SCHIEDER. Schon mal gehört, dass ein Güterzug-Lokführer auf freier Strecke stoppt, zwei junge Fußgängerinnen einsammelt und wohlbehalten am nächsten Bahnhof absetzt? Ob den beiden Teenies, denen das widerfuhr, klar ist, welch ungeheures Glück sie hatten bei ihrer Tour auf der Bahnstrecke Hannover–Paderborn?

veröffentlicht am 16.02.2018 um 20:27 Uhr
aktualisiert am 16.02.2018 um 21:26 Uhr

Am Anfang stand die realitätsferne Idee zweier Teenager, zu Fuß an der Bahnstrecke entlang nach Hameln zu gehen. So weit kamen sie nicht. Ein Güterzugführer brachte sie heil nach Bad Pyrmont. Symbolfoto: yt
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Da näherte sich nämlich besagter Zug. Sein vom Fahrdienstleiter vorgewarnter Lokführer hatte das Tempo schon extrem gedrosselt. Als er die beiden 15-jährigen Freundinnen sah, machte er Halt, ließ sie zusteigen und ließ sie in Bad Pyrmont raus. Hier übergab er sie der Polizei. Die letzte Station ihrer Reise war dann die Wache. Dort wurden die Mädchen von ihren älteren Brüdern abgeholt und im Auto wieder nach Paderborn chauffiert. Dorthin, wo der Trip der beiden Schülerinnen am Mittwoch seinen Anfang genommen hatte.

Laut Polizei entschieden sich die Mädchen morgens spontan zu einem Ausflug, statt zur Schule zu gehen. Ihr Bargeld hätte wohl für einen Burger und ’ne Cola gereicht. Nicht aber fürs Ticket nach Hannover. Also bestiegen sie die S-Bahn einfach so, ohne Fahrkarte.

Kurz vor Schieder wurden die beiden von einem Kontrolleur erwischt. Der ließ Gnade vor Recht ergehen: Die Mädchen durften am Schiederaner Bahnhof aussteigen, ohne Anzeige wegen Schwarzfahrens.

Doch die Ausflüglerinnen dachten nicht ans Umkehren. Sie verfolgten ihr Ziel weiter. Zu Fuß, immer an den Gleisen entlang. Dass sie allein bis Hameln 35 Kilometer vor sich hatten, war ihnen kaum klar.

Sehr weit kamen die Mädchen aber nicht. Als der Lokführer einer herannahenden S-Bahn sie auf dem schmalen Bahndamm entdeckte und Signal gab, schlugen sie sich ins Gebüsch. Der aufmerksame Mann alarmierte die Fahrdienstleitung, die wiederum alle Züge auf der Strecke anwies, das Tempo zu reduzieren. Der Nächste, der die Mädchen sah, war der Mann in der Lok des Güterzugs.

„Alles, was gut gehen konnte, ist in diesem Fall gut gegangen“, sagt Hauptkommissar Arnold Schiffling, der im Pyrmonter Polizeikommissariat den Einsatz- und Streifendienst leitet. Den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nach hätte das Abenteuer ganz anders ausgehen müssen.

Da die beiden Schülerinnen 15 Jahre alt sind und somit vor dem Gesetz als strafmündig gelten, bekamen sie eine Anzeige wegen Schwarzfahrens.

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