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Ein Besuch am Riesenbett

Erinnerung an den Zweibeweibten Graf von Gleichen

BAD PYRMONT. Für Bad Pyrmont wäre das Riesenbett eine Attraktion, da ist sich Adelheid Ebbinghaus ganz sicher. „Es gibt gute Gründe, das große Bett des Grafen von Gleichen von der Veste Wachsenburg zurückzuholen“, meint die Vorsitzende des Pyrmonter Heimatbundes, die das Möbel mit den imposanten Ausmaßen besucht hat.

veröffentlicht am 20.11.2018 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 11:00 Uhr

Die Vorsitzende des Pyrmonter Heimatbundes, Adelheid Ebbinghaus, ließ sich auf der Veste Wachsenburg südlich von Erfurt mit dem Riesenbett fotografieren, um die Dimension des legendären Möbels zu verdeutlichen. Sie meint, dass sich das Bett in einem
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Es gehört zu unserer Geschichte, es steht für eine spannende Geschichte und es ist nach meiner laienhaften Meinung in einem guten bis sehr guten Zustand.“

Ende Oktober hatte die Stadt entschieden, den Ausleihvertrag mit der Veste Wachsenburg bei Arnstadt, südwestlich von Erfurt in Thüringen, zwar noch einmal bis 2023 zu verlängern, sich aber gleichzeitig eine vorzeitige Rückholoption eingeräumt. Zuvor soll geklärt werden, wo das Bett aufgestellt und wie es präsentiert werden könnte. In diese Überlegungen soll die künftige Leiterin des Museums, Melanie Mehring, einbezogen werden.

Anfang November hatte Ebbinghaus eine Reise nach Weimar für einen ungeplanten Abstecher zu dieser mittelalterlichen Gipfelburg, die zu den Drei Gleichen gehört, genutzt, in der ein Gedächtniszimmer an den Kreuzfahrer Graf von Gleichen erinnert, der zwei Ehefrauen gleichzeitig gehabt und mit ihnen gemeinsam in einem Bett geschlafen haben soll. „Das Bett ist gigantisch und die Hauptattraktion des Museums, obwohl die Burg mit dem Geschlecht derer von Gleichen nichts zu tun hat“, zeigte sie sich beeindruckt. „Der Burgherr hat mir erzählt, dass er regelmäßig die Oberfläche fachmännisch behandeln lässt.“

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Als das Bett 2004 aus Bad Pyrmont kam, war der Zustand alles andere als gut. Es stand nach dem Auszug aus dem Heimatmuseum verschimmelt im Keller des damaligen Stadtarchivs, weil es Museumsleiter Dr. Dieter Alfter in dem neu konzipierten Museum im Schloss nicht haben wollte. „Dr. Alfter und der damalige Bürgermeister Demuth haben es einfach weggegeben, ohne dass jemand davon wusste“, kritisiert die frühere Heimatbundvorsitzende Renate Ortlepp. Und auch Titus Malms, Mitglied im Vorstand des Museumsvereins, erinnert sich, dass das Bett damals sang- und klanglos verschwunden sei. „Seitdem fehlt uns das Riesenbett als Attraktion“, so Ortlepp, die fest davon überzeugt ist, dass das Bett – oder zumindest Kopf- und Fußteil – aus dem 16. Jahrhundert stammt und kein 100 Jahre alter Nachbau ist, wie Alfter meint. „Das Wappen des Grafen Hermann Simon zur Lippe (1532 bis 1576) ist dort eingeschnitzt“, begründet sie ihre Annahme.

Um 1600 erbte Graf Ludwig von Gleichen die Grafschaft Pyrmont mitsamt dem Bett, und die alte Sage seines Vorfahren wurde lebendig. „Das Bett ist nicht das Bett, in dem einst der Zweibeweibte schlief. Aber es ist das Bett, das jahrhundertelang in Bad Pyrmont als Erinnerung an den Grafen von Gleichen gezeigt wurde“, beschreibt der Autor Dirk Koch in seinem Buch „Die Schöne aus dem Morgenland“ seine erste Begegnung mit dem Möbel, zu dem ihn damals Alfter geführt hatte. „Vermutlich haben es erst findige Schlossführer mit der Legende in Verbindung gebracht“, so Koch, der wie Ortlepp annimmt, dass es sich um die Reste des Prunkbetts des Grafen Hermann Simon zur Lippe handelt, für das jüngeres und älteres Holz verwendet worden sei.

„Bei jeder Führung über die Schlossinsel wird von dem Riesenbett und dem Grafen von Gleichen mit seinen zwei Frauen berichtet, aber wer es sehen will, der muss nach Thüringen fahren“, meint Adelheid Ebbinghaus, die der Stadt vorwirft, den Heimatbund vor einer Entscheidung über die Verlängerung des Ausleihvertrages nicht gefragt zu haben. „Ich denke, wir haben eine Verpflichtung und auch das Recht mitzureden, wenn es um die Geschichte Bad Pyrmonts geht“, stellt sie fest und fordert, dass die Stadt nun gemeinsam mit dem Heimatbund und dem Museumsverein berät, ob man das Bett zurückholen sollte und wo es aufgestellt werden könnte. „Um Fördermittel für eine angemessene Präsentation kann ich mich gerne kümmern.“



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