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Unterwegs mit der Museumsbahn

Entschleunigung erleben

BÖSINGFELD. „Die Fahrkarten bitte!“ Jörg Edema vom Landeseisenbahn-Lippe-Verein sieht schmuck aus in seiner Uniform mit Schildmütze, Pullunder und der Stempelzange. Aufgeregt strecken ihm Kinder ihre Fahrkarten entgegen und auch Erwachsene ziehen die Billets mit den schönen Motiven schlichten Computerausdrucken vor.

veröffentlicht am 30.06.2017 um 14:22 Uhr
aktualisiert am 30.06.2017 um 17:50 Uhr

Kontrollblick am Zug entlang: Will da noch jemand zusteigen? Foto: yt
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Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
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BÖSINGFELD. „Die Fahrkarten bitte!“ Jörg Edema vom Landeseisenbahn-Lippe-Verein sieht schon schmuck aus in seiner Uniform mit mächtiger Schildmütze, blauem Pullunder und der großen Stempelzange. Aufgeregt strecken die Kinder ihre Fahrkarten entgegen und auch die Erwachsenen ziehen die Billets mit den schönen Motiven den schlichten Computerausdrucken vor.

Eingestiegen sind die Fahrgäste um 10 Uhr in Bösingfeld, um mit der Museumsbahn auf große Fahrt nach Dörentrup zu gehen. Doch bis es soweit war, hatten die Hobbyeisenbahner schon einiges geleistet. Die E-Lok wurde vor die drei Waggons gekoppelt, der Zug wurde aufgeschlossen, Wasser wurde aufgefüllt. Und dann die letzte Überprüfung durch Ralf Maritschnigg, der bedächtig um den Zug herumlief, hier mal ruckelte, dort mal dagegen trat und auch dem Pfeifen Beachtung schenkte: „Sie müssen hier mit allen Sinnen wahrnehmen.“ Als Lokführer und langjähriger Heizer und Fahrtdienstleister ist er bestens vertraut mit dem Zug, sodass ihm schon auffällt, welche Laune er hat. Denn die E-Lok von 1924 ist die älteste fahrende E-Lok Deutschlands und kann auch schon sehr sensibel sein. „Aber bei uns ist sie in besten Händen.“

Derweil hat Cilly Hausdorf schon die Küche einsatzbereit gemacht. Denn viele Gäste nutzen die Fahrt, um im holzverkleideten Speisewagen angenehm zu frühstücken. Sie haben auch Zeit, denn auf der ersten Strecke nach Alverdissen muss der Zug immerhin 100 Höhenmeter auf sechs Kilometer bewältigen. Und da geht es eher gemütlich zu.

E-Lok und Diesellok beim Rangieren. Foto: yt
  • E-Lok und Diesellok beim Rangieren. Foto: yt
Jörg Edema kontrolliert die Fahrkarten. Foto: yt
  • Jörg Edema kontrolliert die Fahrkarten. Foto: yt
Jörg Edema sichert den unbeschrankten Bahnübergang. foto: yt
  • Jörg Edema sichert den unbeschrankten Bahnübergang. foto: yt
Ralf Maritschnik beim Koppeln. Foto: yt
  • Ralf Maritschnik beim Koppeln. Foto: yt
E-Lok und Diesellok beim Rangieren. Foto: yt
Jörg Edema kontrolliert die Fahrkarten. Foto: yt
Jörg Edema sichert den unbeschrankten Bahnübergang. foto: yt
Ralf Maritschnik beim Koppeln. Foto: yt

In Alverdissen wird rangiert. Denn dort hört die Oberleitung auf und es gibt keinen Strom mehr für die Lok. Von Alverdissen bis zur Endstation kann nur noch mit der Diesellok gefahren werden. Das ist für Groß und Klein ein Spektakel, wenn die E-Lok abgekoppelt, auf das Nebengleis rangiert und wenn dann die Diesellok vor den Zug gespannt wird. Denn das alles können die Zuschauer, die ausgestiegen sind, hautnah erleben. Und dann wird die Fahrt mit der Diesellok ist besonders spannend. „Da ruckelt und rumpelt ständig irgendwas“, freut sich Raphael Kahlert, der als dualer Student bei Phönix eigentlich eher für filigranere Technik zuständig ist. „Aber schon seit ich zehn Jahre alt war, hat mich diese Eisenbahn gepackt. Und ich finde es richtig spannend zu sehen und zu fühlen, wie hier die Mechanik am Arbeiten ist.“

Vor den unbeschrankten Bahnübergängen steigt Jörg Edema mit einem Kollegen aus dem Zug und sichert mit oranger Flagge die Straße. Der Zug rollt auf die andere Seite, hält an und lässt die beiden wieder einsteigen. Modern geht es da schon in Dörentrup zu, wo mit Golo Kahlert ein ausgebildeter Schrankenwärter die Schranke heruntergekurbelt hat, damit der Zug passieren kann. In Farmbeck können die Gäste aussteigen, im Landgasthaus Mittag essen, um später mit dem zweiten Zug dann zurückzufahren. Aber alleine die Fahrt ist schon ein Besuch wert. Man kann sich gemütlich in Abteil-Kabinen durchschaukeln lassen oder das gemütliche Miteinander im Speisewagen genießen, der mit seinen Tischlampen und den Deckenleuchten einen besonderen Charme hat. Und Adrian Fahrenkamp lässt die Gäste auch gerne mal den Führerstand der Diesellok besichtigen.


Service: Der nächste Regelfahrtag ist am Sonntag, 2. Juli. Strecke: Bösingfeld – Dörentrup.

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