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Ausstellung „Stoffliche Welten“ im Museum imSchloss

Entdeckungen auf den zweiten Blick

BAD PYRMONT. Nein, es ist kein Anzug mit Pepitamuster, der da schlicht und seriös in einer Ecke des Tischbeinsaales wartet wie in der Herren-Abteilung eines Kaufhauses. Und es ist auch kein echter Rasen mit kleinen gelben Blümchen, was da so frühlingsfrisch aussehend an der Wand im Fürstenzimmer des Schlosses hängt.

veröffentlicht am 18.04.2019 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 18.04.2019 um 18:20 Uhr

Ein schöner Anzug mit Pepitamuster – doch in Wirklichkeit sind das lauter kleine niedliche handgewebte Totenköpfe, wie dieser Besucher beim näheren Hingucken feststellt. Kunst mit Augenzwinkern – auch das gibt es in der neuen Ausstellung im Museum zu
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Karin Heininger Reporterin
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In der neuen Ausstellung „Stoffliche Welten“ im Museum gibt es manche Überraschungen auf den zweiten Blick. Das scheinbare Pepita-Dessin zum Beispiel entpuppt sich bei ganz nahem Hinsehen als eine Reihe winziger, fein gewebter niedlicher Totenköpfe. Und das Gras besteht nicht aus grünen Halmen, sondern aus Hunderten, ach was: Tausenden grüngefärbter Plastikstrippen, wie man sie lästigerweise an jedem Kleidungsstück zum Befestigen der Preisschilder findet. Hier aber wurden sie zweckentfremdet und auf Leinwand oder einen Anzug getackert – eine ganz neue Art, mit „stofflichen Welten“ umzugehen und überraschende Effekte zu erzielen.

Die „Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne“, wie die Kunsthistorikerin Dr. Sandra Abend aus Düsseldorf die Werke der beiden ausstellenden Künstler Barbara Esser und Wolfgang Horn bei der Vernissage einordnete, macht tatsächlich den ganz besonderen Reiz dieser Ausstellung aus. Da sind auf der einen Seite die von Barbara Esser in traditioneller Handarbeit gewebten Stoffe mit abstrakten Mustern, farblich fantasievoll und in immer neuen Kombinationen ästhetisch komponiert.

Die meist großflächigen, künstlerisch und handwerklich anspruchsvollen Objekte korrespondieren in ihren Grundfarben wunderbar mit den Tönen der Seidentapeten, grün im Zimmer des Fürsten, tiefrot im Salon der Fürstin. Im Biedermeierzimmer macht ein riesiger Wandbehang auf sich aufmerksam, in dezentem Beige, aber in einer raffinierten Falttechnik. Wie kompliziert und aufwendig die Arbeit am Schaftwebstuhl ist, zeigt ein ständig laufendes Video im Vorzimmer der Beletage.

2 Bilder
Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne: Kunsthistorikerin Dr. Sandra Abend vor einem Objekt von Wolfgang Horn. Foto: Hei

Interessanter Kontrapunkt zu den Webarbeiten ist die ungewöhnliche Objektkunst des schöpferischen Duos. Dazu gehört ein Kleidungsstück, das wie gemacht ins Schloss-Ambiente passt, ein Anzug, bedeckt mit 1800 goldfarbenen Buttons – eine verfremdete Ritterrüstung oder ein futuristisches Modell? Beides ist möglich. Und im Zimmer der Fürstin gibt es zwei Wandbehänge mit je etwa 3000 Papier-Etiketten geschmückt, eine Art Foto-Collage, die eine im Blau des Himmels, die andere im Grün einer Sommerwiese. Im Obergeschoss des Museums sind Beispiele aufwendiger und interessanter Kunst-Installationen von Esser/Horn im öffentlichen Bereich verschiedener Städte zu sehen.

Dass die neue Museumsleiterin Melanie Mehring nach nur 106 Tagen im Schloss eine so umfangreiche Ausstellung konzipierte, nannte der Vorsitzende des Museumsvereins, Klaus-Henning Demuth, eine „Punktlandung“. Nebenbei konnte er als neueste Meldung verkünden, dass der Verein die 600-Mitglieder-Marke geknackt habe.


Die Ausstellung „Stoffliche Welten“ ist bis zum 28. Juli zu sehen. Ostersamstag und -sonntag ist das Museum von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Ostermontag ist es geschlossen.



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