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Schwurgericht zeigt erschütterndes Polizeivideo / Im Film wirkt Ingrid P.s Mörder emotionslos

Eiskalt: Marc H. führt vor, wie er getötet hat

Bad Pyrmont. „Dann habe ich halt zugestochen“, sagt Marc H. (34) in einem Polizeivideo, das der Vorsitzende Richter der 13. Großen Strafkammer, Wolfgang Rosenbusch, gestern Nachmittag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hannover abspielen ließ. Es zeigt einen emotionslos wirkenden jungen Mann bei der Rekonstruktion eines brutalen Raubmordes. Am 9. Juni, also 41 Tage nach der Bluttat und eine Woche nach seiner Verhaftung in Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) lassen sich Kriminalbeamte der Mordkommission „Therme“ und Gerichtsmediziner Dr. Dirk Beitmeier auf dem Hof des Landeskriminalamtes in Hannover vorführen, wie Marc H. den Hergang des Verbrechens in Erinnerung hat. Kalt wie Eis scheint der Täter zu sein. Er zeigt kein Mitgefühl. Kein Bedauern. Keine Reue. Und keine Tränen. Wenn er nicht in dem Mercedes sitzt und mit einem Kugelschreiber andeutet, wie er zugestochen hat, steht er – die Hände in den Hosentaschen – auf dem LKA-Parkplatz. Gut, dass Klaus P., Sohn des Opfers und Nebenkläger, am dritten Prozesstag nicht anwesend ist.

veröffentlicht am 22.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 03:21 Uhr

29. April: Auf dem Parkplatz an der Hufeland-Therme sichern Krim

Autor:

Ulrich Behmann
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Eine Polizeibeamtin mimt Ingrid P. (76), die am 29. April um 15.40 Uhr in ihrem Auto, das in der Nähe der Hufeland-Therme stand, niedergestochen wurde. Zehn Stiche mit einem 33 Zentimeter langen Messer waren es, neun drangen in den Hals der Rentnerin ein. Der Täter hat mit sehr großer Wucht zugestoßen. Sogar Wirbelknochen wurden durchtrennt. Im Film wird Marc H. von einem Polizisten gefragt, wie oft er zugestochen hat. „So drei- bis viermal“, antwortet er.

„Der linke Fuß der Frau hing aus dem Wagen“, berichtet Marc H., schaut in das Gesicht eines Ermittlers und sagt dann: „Ich habe nach den Stichen versucht, die Tür zuzumachen, aber das ist mir nicht gelungen.“ Als ihn ein Polizist bittet, die Fahrertür von der Rückbank aus, auf der er während der Tat gesessen haben will, zu schließen, will ihm nicht gelingen, was er zuvor beschrieben hat. „Ist das hier dasselbe Modell?“, fragt der Täter. „Ja, ist es“, antwortet ein Mord-Ermittler. Marc H. kommt ins Grübeln, kratzt sich erst am Arm und später am Kopf. Sagt er die Wahrheit? Oder lügt er?

Ein Mann im schwarzen Anzug beobachtet den Angeklagten. Es ist Prof. Dr. Here Folkerts, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie einer Klinik in Wilhelmshaven. Bis zum 4. Januar will der Mediziner ein schriftliches Gutachten erstellen. Marc H.s Verteidigerin Tanja Brettschneider hatte am ersten Prozesstag überraschend den Antrag gestellt, ihren Mandanten untersuchen zu lassen. Sie glaubt, dass er zur Tatzeit „vermindert schuldfähig“ war.

Die Beweisaufnahme wird am 8. Januar um 9 Uhr im Schwurgerichtssaal fortgesetzt.



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