weather-image

Macht Baumschutzsatzung für Bad Pyrmont Sinn? / Grüne denken über Lösung nach

Einen Fuß in der Tür

Bad Pyrmont. Klaus Muchow ist sich ganz sicher: „Wenn ein großer Baum gefällt wird, dann ist das für viele Menschen sehr traurig.“ Und das ist in letzter Zeit in Bad Pyrmont offenbar immer öfter der Fall. Von einer „geballten“ Zahl von Anrufern berichtet der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat, die ihm solche Fälle schildern. Doch Muchow sind die Hände gebunden, denn die Stadt Bad Pyrmont hat keine Baumschutzsatzung. „Die Eigentümer können selber entscheiden, was sie mit ihren Bäumen tun“, hatte Stadtsprecher Wolfgang Siefert unlängst bestätigt. Doch nachdem aus unterschiedlichen Gründen eine Reihe von stattlichen Bäumen in der Innenstadt gefallen sind und Nachbarn sich bestürzt zeigten, könnte das Thema Baumschutzsatzung demnächst auf der politischen Tagesordnung stehen.

veröffentlicht am 01.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:41 Uhr

270_008_6638152_270_008_6637771_pn103_0110.jpg

Autor:

hans-ulrich kilian
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zumindest Muchow hat angekündigt, „eine Lösung in Angriff zu nehmen“, wie er auf Nachfrage bestätigt. Im Rat könnte er dabei nicht nur auf Diskussionsbereitschaft sondern zum Teil auch auf Zustimmung stoßen. „Wir können diese Debatte sicherlich führen, wir müssen uns nur darüber klar sein, was geschützt werden soll“, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Watermann. „Es geht nicht um jeden Baum, aber es geht um die prägenden Bäume.“ Genauso sieht es auch Christian Güse, Vorsitzender der Fraktion aus Bürgersinn und FDP. „Wir sollten über einen Bestandsschutz für Bäume nachdenken, die das Stadtbild Bad Pyrmonts prägen, damit sie nicht willkürlich, sondern nur aus einem guten Grund gefällt werden.“ So ein Grund sei eine Baumkrankheit, aber mit Sicherheit nicht störendes Laub in der Dachrinne, so Güse.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Udo Nacke signalisiert Gesprächsbereitschaft. „Als Kurort hat Bad Pyrmont ganz besonders den Anspruch, eine grüne Stadt zu sein“, stellt er fest. „Wir sehen auf der anderen Seite aber auch, dass eine Baumschutzsatzung reglementierend in privates Eigentum eingreift“, gibt er zu bedenken, dass die Frage sorgfältig abgewogen werden müsse.

Nach Angaben des Landkreises Hameln-Pyrmont haben sich in der Region bislang Hameln, Salzhemmendorf, Hessisch Oldendorf, Emmerthal und Bad Münder Baumschutzsatzungen gegeben. „Es ist alleine Entscheidung der Städte und Gemeinden, ob sie so etwas tun oder nicht“, bestätigt Kreissprecherin Sandra Lummitsch. Die Stadt Bad Münder hat sich schon 1997 dafür entschieden, vor allem Laubbäume und Heckenstrukturen zu schützen. Für die Innenstadt und bebaute Ortsteile wurde mithilfe des Naturschutzbundes (Nabu) ein Baumkataster aufgestellt. Im Außenbereich sind alle Bäume mit einem Stammumfang von 90 Zentimetern in einer Höhe von einem Meter über dem Erdboden geschützt. „Wir haben ein relativ kompliziertes Modell, das sich aber bewährt hat“, sagt der zuständige Mitarbeiter Harald Meier-Achilles. Am wichtigsten sei die Tatsache, dass die Stadt mit den Bürgern ins Gespräch komme. Natürlich gebe es Gründe, einen Baum zu fällen. Wenn er krank sei, wenn von ihm eine Gefahr ausgehe oder wenn ein Bauvorhaben nicht anders verwirklicht werden könne. Genau diese Gründe haben auch bei den jüngsten Baumfällungen in Bad Pyrmont eine Rolle gespielt.

2 Bilder

„Die Satzung nutzen wir, um lenkend einzugreifen, nicht als rigoroses Instrument“, versichert Meier-Achilles. „Wir suchen gemeinsam mit den Eigentümern nach Lösungen, und wenn wir den Baum nicht erhalten können, dann sprechen wir über Neupflanzungen. Auf jeden Fall haben wir einen Fuß in der Tür.“ Relativ arbeitsaufwendig sei die Aktualisierung des Katasters. „Das muss alle fünf Jahre getan werden, aber wir hängen etwas hinterher.“

Meyer-Achilles glaubt, dass sich auch der demografische Wandel auf den Umgang mit Bäumen auswirkt. „Die Menschen werden älter, und Bäume machen Arbeit, die Ältere vielleicht nicht mehr leisten wollen oder können“, vermutet er.

Drei große Bäume sind in jüngster Zeit in der Innenstadt gefällt worden. Die Eigentümer machen geltend, dass sie krank sind oder Bauvorhaben im Weg stehen. Auf jeden Fall ist es ihre Entscheidung. Das gilt auch für mögliche Ersatzpflanzungen, die es im Fall der beiden Bäume auf dem oberen Foto geben soll.pr/uk/jl



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt