weather-image
17°

Wie Jörg Schade sein Publikum für klassische Musik begeistert / Mit sieben Stücken bundesweit auf Tour

Eine Stunde Oper – und die Kinder finden’s cool

Bad Pyrmont. Für einen echten Glücksmoment braucht ein Schauspieler nicht unbedingt den brandenden Applaus des fein gekleideten Publikums. Jörg Schade tauscht die „richtige“ Bühne immer häufiger mit Grundschulturnhallen. Freiwillig. Und er ist selig, wenn nach der Aufführung an einer Schule mit 50 Prozent Migrantenkindern ein türkischer Drittklässler zu ihm kommt und raunt: „Hey Du, sauber!“

veröffentlicht am 21.10.2010 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

Im vergangenen Jahr begeisterte „Papa Haydn“ die Gru
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Das muss man sich mal vorstellen“, erzählt der Pyrmonter weiter: „Wir jubeln den Kindern eine Stunde Mendelssohn nebst Streichquartett und Sängerin unter – und sie finden es cool!“

Hin und weg ist der Mime, Regisseur, Autor und Librettist auch, wenn bei Heinrich Heines Gedichtvertonung „Leise zieht durch mein Gemüt“ 800 Kinder mitsummen. „Da läuft selbst einem alten Theaterhasen ein Schauer über den Rücken“, gesteht er – zumal er weiß, wie erbarmungslos Kinder sind, wenn ihnen etwas nicht gefällt. „Dann machen sie dich platt.“

Die Reaktionen seines jungen Publikums – ob nun in der Turnhalle oder in der Berliner Staatsoper – lassen Schade indes unmittelbar spüren, dass sein „Klassik für Kinder“-Konzept aufgeht: „Wir wollen sie mit Musiktheater vertraut machen“, erklärt er. Dazu gehört auch, dass sie gleich nach dem Stück die Instrumente anfassen dürfen. „So kriegen wir sie alle“, feixt Schade. „In Seesen etwa hatte vorher noch kein Kind ein Fagott oder eine Oboe gesehen.“

3 Bilder
Szene aus „Don Quichote oder die Macht der Fantasie“. Das Musiktheaterstück ist im November neunmal im Landkreis zu erleben – darunter am 7. und 8. 11. im Theater Hameln.

Wie erfolgreich er und sein aus ein, zwei Mitspielern und einem kleinen Orchester bestehendes Ensemble ihren Zuschauern die Oper in mittlerweile sieben Stücken nahebringen, ist an der Nachfrage abzulesen, die seit sieben Jahren stetig wächst. „Wir werden immer wieder gefragt: ,Habt Ihr was Neues? Wann kommt Ihr denn wieder?’“, erzählt Schade, der mit „Dornröschen“ für die Philharmonie Essen unlängst sein zweites Opernlibretto schrieb und derzeit seinen ersten Musikkrimi entwickelt.

So langsam muss er allerdings auf die Bremse treten, denn er hat – neben seinen regulären Engagements – bald mehr Auftritte, als er bewältigen kann. „Neulich musste ich nach einer Abendvorstellung in Schwerin morgens in Bodenwerder spielen“, sagt er. Und obwohl er im Lkw mal gerade eine Mütze Schlaf bekam und aufpassen musste, dass er nicht von der Bühne fiel, „wurde das eine der schönsten Vorstellungen“.

135 000 Kinder haben „Papa Haydn’s kleine Tierschau“ mittlerweile erlebt. Zudem gibt’s das Stück auf Italienisch und Türkisch, und auch Kinder in Portugal und Großbritannien haben es schon gesehen.

Doch Schades Musiktheater-Konzept kommt auch bei den Großen an: So kaufte nach einem Gastspiel auf Schloss Elmau eine ältere Frau ein Exemplar der von Schades Bruder Dietmar Beese verlegten CDs und sagte, die sei für ihren Sohn in Amerika. „Das ist der ,Oscar’- prämierte Filmkomponist Hans Zimmer“, schiebt Schade grinsend hinterher.

Erfreulich zudem: Selbst in knausrigen Zeiten wird seine Arbeit anerkannt: Niedersachsens Kultusministerium fördert die 15 Vorstellungen der aktuellen Schul-Tournee mit 15 000 Euro. Und im Anschluss folgen dann gleich neun Aufführungen von „Don Quichote“ im Landkreis Hameln-Pyrmont. Hier steuert der heimische Landschaftsverband fast 10 000 Euro bei – damit bei allem Aufwand der Eintritt für die Kinder erschwinglich bleibt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?