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Auch ohne Schulleiter soll Hagen auf jeden Fall als eigenständige Grundschule weitergeführt werden

Eine Schließung steht nicht zur Diskussion

Bad Pyrmont (uk). Wie geht es weiter mit der Grundschule Hagen? Einen Bewerber für den Posten des Schulleiters gibt es auch nach der vierten Ausschreibung nicht, die Stadtverwaltung erwartet eine zunehmende Verschlechterung der Lehrerversorgung. Und die Möglichkeit, die Schule als Außenstelle der Grundschule Holzhausen weiterzuführen, ist auch vom Tisch. Doch eine Schließung kommt weder für den Ortsrat noch für die Stadtverwaltung und schon gar nicht für die Eltern infrage. Das wurde bei der Sitzung des Ortsrates am Montagabend deutlich.

veröffentlicht am 02.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 23:21 Uhr

Zahlreiche Eltern verfolgten die Sitzung des Ortsrates mit Andre
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Wie nicht anders zu erwarten, sprach sich der Ortsrat einstimmig für eine Fortführung der Grundschule Hagen als eigenständige Schule aus, bekräftige noch einmal deren Bedeutung für den Ort und nahm die Landesschulbehörde in die Pflicht, für eine entsprechende Versorgung mit Lehrern zu sorgen.

„Wir hätten sowieso nie dem Antrag zugestimmt, aus der Schule eine Außenstelle zu machen, wenn wir gewusst hätten, dass die Schulleitung in Holzhausen dazu nicht bereit ist“, machte eine Vertreterin des Schulelternrates dem Ortsrat klar. „Uns geht es ausschließlich darum, den Schulstandort zu sichern.“

Das Problem auf dem Hagen sind nicht fehlende Schüler – auch wenn in den nächsten Jahren wahrscheinlich Kombi-Klassen gebildet werden müssen. Sondern: fehlende Lehrer. Regierungsschuldirektorin Vera Kirchhoff-Bödecker betonte allerdings, dass die Schule eine Lehrerversorgung von mehr als 100 Prozent aufweise und dass dies auch so bleiben werde.

Doch woher einen Schulleiter oder eine Schulleiterin nehmen? „Wir dürfen nicht in den Bemühungen nachlassen, die Stelle wieder zu besetzen. Denn solange eine Schule besteht, solange hat sie auch ein Recht auf einen Schulleiter“, machte der Sprecher der Landesschulbehörde, Christian Zachlod, gegenüber den Pyrmonter Nachrichten deutlich. „Doch zwingen kann man dazu natürlich niemanden. Wir versuchen, mit einem eigenen Personalmanagement und Schulungen gerade jüngere Kollegen für solche Aufgaben vorzubereiten und zu gewinnen.“

„Die Landesregierung wird gegen den Willen der Eltern keine Schule schließen“, betonte Ortsratmitglied Kurt-Heinz Zühlke (CDU) und berief sich dabei auf die Landtagsabgeordnete Ursula Körtner. Er kritisierte die Verwaltung dafür, dass sie mit ihrer Stellungnahme vor der Sitzung für unnötige Unruhe unter den Eltern gesorgt habe. „Warum steht in der Vorlage etwas von der Auflösung der Schule, und wie kommen Sie zu der Erkenntnis, dass sich die Lehrerversorgung verschlechtern wird?“, wollte er von Bürgermeisterin Elke Christina Roeder wissen.

Die Auflösung als Alternativvorschlag sei lediglich eine Formalie. Auch die Verwaltung wolle das natürlich nicht, ließ Roeder wissen, was ihr Ortsratsmitglied Jürgen Brosewski (SPD) bestätigte. Eine Antwort auf die Frage nach der Lehrerversorgung gab die Bürgermeisterin nicht.

Über den Erhalt der Schule entscheide ausschließlich der Schulträger, in diesem Fall also die Stadt, bekräftigte die Regierungsschuldirektorin Kirchhoff-Werner. „Wir schließen keine Schulen.“

Sie steht nun vor der Aufgabe, zum Ende des laufenden Schuljahres – sollte sich niemand auf eine neue Stellenausschreibung melden – erneut einen Lehrer mit der kommissarischen Schulleitung zu betrauen. Das könnten auch andere Pyrmonter Schulleiter sein, konkret wurde nach dem der Grundschule Baarsen gefragt.

„Fehlende Schulleiter sind doch kein Problem der Grundschule Hagen, sondern ein strukturelles“, machte eine Mutter unter den Zuhörern der Ortsratsitzung deutlich. „Was soll denn mit den vielen Schulen geschehen, wenn Schulleiter in den Ruhestand gehen?“ Bei der Landesschulbehörde ist nicht zu erfahren, wie viele Schulleiterstellen zurzeit nicht besetzt sind. „Es sind definitiv nur einige wenige“, so Behördensprecher Zachlod. Genaue Zahlen gebe es nicht.

„Das sind wohl eher mehr als 100 Schulen“, meint dagegen ein Kenner der Schullandschaft, der davon ausgeht, dass auch die Stelle in Hagen nicht zu besetzen sein wird. „Es gibt Fälle, in denen 16- oder 17-mal ausgeschrieben wurde.“ Insgesamt betreffe wohl ein Drittel aller Ausschreibungen Schulleiterstellen. Das betrifft vor allem kleinere Schulen, aber auch größere. Nach Einschätzung vieler Pädagogen sind die Rahmenbedingungen für Schulleiter einfach zu unattraktiv. Der deutlich höhere Verwaltungsaufwand für eine eigenverantwortliche Schule werde durch den finanziellen Anreiz kaum ausgeglichen, die Unterrichtsverpflichtung sei mit 20 Stunden sehr hoch, und im Fall der Fälle müsse der Schulleiter auch noch den Wasserhahn reparieren, weil der Hausmeister – ebenso wie die Sekretärin – vielleicht nur zweimal die Woche käme.

Behördensprecher Zachlod will vieles davon nicht gelten lassen. Das Einstiegsgehalt für Lehrer in Niedersachsen sei gut und liege im Vergleich mit anderen Berufen im oberen Drittel. Und der Leiter einer kleineren Schule wie Hagen werde nach A 12 plus einer Zulage bezahlt. Das sind etwa 3600 Euro brutto.



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