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Nach dem Brandanschlag auf das türkische Lebensmittelgeschäft wird über das Motiv spekuliert

„Eine rechte Szene gibt es hier nicht“

Bad Pyrmont. Zwei Tage nach dem Brandanschlag auf den von Türken gepachteten Lebensmittelladen in einem vierstöckigen Gebäude hat die Polizei noch keine Erkenntnisse über das Motiv des oder der Täter. Das hat Polizeisprecher Jörn Schedlitzki am Dienstag auf Anfrage berichtet. Auch die mittlerweile befragten Ladeninhaber hätten keine Erklärung für die Brandstiftung liefern können, so der Sprecher.

veröffentlicht am 26.03.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

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Wie in unserer gestrigen Ausgabe berichtet, hatten unbekannte Täter in der Nacht zum Montag einen Brandanschlag auf den türkischen Lebensmittelladen in der Humboldtstraße verübt. Verletzt wurde dabei niemand.

Die Spurenlage ist dünn. Es gibt trotz eines Zeugenaufrufs immer noch keine Täterbeschreibung. Die Ermittler hören sich im Umfeld des Ladens um, um einen möglichen Hintergrund aufhellen zu können. Dass das Gebäude zum Verkauf steht, soll aber keine Rolle spielen. Ob die Brandreste die Polizisten auf die Spur des Täters führen, ist offen. Sie werden zurzeit von Experten des Landeskriminalamtes in Hannover untersucht.

Bislang ist der Brandanschlag auf wenig Resonanz in den Medien gestoßen. Gleichwohl war es dem Internetportal für türkisch- und deutschsprachige Pressenachrichten, „Turkishpress“, eine „breaking news“ (Eilmeldung) wert. Der Brandanschlag müsse nicht unbedingt einen politischen Hintergrund haben, aber vieles deute darauf hin, heißt es dort. Begründet wird das mit der „derzeit nicht nur von Rechtsextremisten aufgehetzte Stimmung gegen die türkische Gemeinde im Zusammenhang mit dem getöteten Daniel S. am Bahnhof in Kirchweyhe“. Bei dem Versuch, einen Streit zu schlichten, war dort der 25-Jährige angegriffen worden. Wenige Tage später starb er in einem Bremer Krankenhaus. Ein 20-Jähriger mit ausländischen Wurzeln sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

In Bad Pyrmont ist niemand zu finden, der an einen ausländerfeindlichen Hintergrund für den Anschlag glaubt. Vielmehr wird im Umfeld des Ladens über einen privaten Streit und einen möglichen Racheakt spekuliert. Zudem soll, so war aus Kreisen der Feuerwehr zu erfahren, der Anschlag sehr dilettantisch ausgeführt worden sein. Die Polizei hatte berichtet, dass es mehr Rauch als Flammen gegeben habe.

Auch die Vorsitzende des Integrationsrates Bad Pyrmont, Kiriakoula Koussataloglou-Mund, glaubt nicht an Rechtsextreme als Täter. „Sicherlich gibt es in Bad Pyrmont konservatives Gedankengut, das aber nicht wirklich rechts ist“, meinte sie gestern im Gespräch mit den Pyrmonter Nachrichten. „Eine rechte Szene gibt es in Bad Pyrmont jedenfalls nicht, schon gar nicht eine gewaltbereite.“ An die ermittelnden Beamten hat die Beiratsvorsitzende allerdings die Erwartung, dass sie ihre Aufgabe gut erledigen, „damit sich Vorfälle wie die im Zusammenhang mit der Terrorzelle NSU nicht wiederholen“. Die Polizei hatte bereis versichert, auch in diese Richtung zu ermitteln.

Nach Informationen dieser Zeitung soll sich mittlerweile auch der türkische Botschafter, Hüseyin Avni Karslioglu, in Deutschland vor Ort über den Brandanschlag informiert haben. Eine Bestätigung der Botschaft in Berlin dafür gab es am Dienstag aber nicht.

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