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Kabarettistin Anke Geißler sorgt für Kurzweil im Kurtheater

Eine Frau mit vielen Gesichtern

Bad Pyrmont. Diese Frau hat viele Gesichter. Anke Geißler tritt im Kurtheater als exzentrische Diva auf, als komische Seniorin im Rollstuhl, als biedere Berufsmutter, kernige Haushaltshilfe Bozena aus Böhmen und sächsisch quasselnde Tourneebegleiterin. Sie macht sich als Hausgeist „Balduin“ klein wie eine Puppe, und sie ist pausenlos auf der Bühne präsent.

veröffentlicht am 05.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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„Ja, ich will“, nennt die Leipziger Kabarettistin etwas beliebig ihr Programm. Ihre Ankündigung „Geißler singt Kreisler“ klingt besser und träfe als Titel eher den Kern, denn die Lieder des österreichischen Chanson-Schreibers trägt sie zum größten Teil adäquat bissig vor. Besonders böse: „Als der Zirkus in Flammen stand“, während der bekannteste Titel „Tauben vergiften im Park“ von einer Vicky-Leandros-Imitation beherrscht wird. Die ist zwar gut gemacht, aber passt nicht wirklich zu dem Chanson. Am Klavier begleitet sie ihr Pianist Karsten Wolf, und er zeigt außerdem vor allem im zweiten Programmteil seine mitreißende Musikalität mit eigenständigen Kompositionen.

An sich ist der schnelle Figurenwechsel der Kabarettistin eine gute Idee, doch nicht alle Typen sind gut getroffen. So kann man die anhängliche Mutti, die über ihre längst erwachsene Tochter jammert, schnell vergessen. Und in dem Bemühen um Originalität gerät die Mimik der Künstlerin des Öfteren zu dick aufgetragen. Ein bisschen weniger wäre hier wirkungsvoller gewesen. Andererseits gibt es Sequenzen von herrlicher Komik, etwa wenn die Geißler zeigt, wie schwierig ein knackiger Apfel zu verzehren ist. Kleine Szene, große Wirkung. Und ihre beste Figur ist zweifellos die deftige Köchin Bozena aus Tschechien mit drolligem Akzent, die ihr Deutsch beim Lösen von Kreuzworträtseln gelernt hat. Bozena ist der Meinung, dass die Chinesen, wenn sie unseren Markt endgültig erobern, ihre eigene Mauer mitbringen und dass die Deutschen und die Tschechen gemeinsam haben, die Russen nicht zu mögen. Von einer Partnerbörse im Internet hält sie nicht viel: „Die war schlimmer als meine Einbürgerung.“ So ist der Abend im halb besetzten Kurtheater unter dem Strich kurzweilig und unterhaltsam. Die Zuschauer haben Spaß an der Kabarettistin und verabschieden sie mit herzlichem Applaus.

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