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Stadt legt Konzept vor

Eine Checkliste für Elektromobilität

BAD PYRMONT. Die Stadtwerke haben den Startschuss gegeben und Bürgermeister Klaus Blome hat verwaltungsintern bereits einen Grundsatzbeschluss als klares Bekenntnis zur Elektromobilität gefasst. Jetzt zieht die Stadt auch öffentlich nach und hat ein „Handlungskonzept und Diskussionspapier“ vorgelegt.

veröffentlicht am 13.06.2018 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 15:00 Uhr

Auch Phoenix Contact – hier Gesellschafter Klaus Eisert bei der Cebit 2011 – setzt auf das Produkt Elektromobilität. Das Unternehmen könnte, so steht es ausdrücklich im Konzept der Stadt, als Kooperationspartner ein nicht unwichtiger Standortanreiz f
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Bad Pyrmont will ganz vorne dabei sein, das Klima schützen und im besten Fall neue Betriebe anlocken. Wie das funktionieren könnte, steht in einem „Handlungskonzept und Diskussionspapier“, das Baurat Thomas Goretzki zunächst dem Wirtschaftsförderungsausschuss des Rates und nun auch dem Bau- und Umweltausschuss vorgestellt hat.

In seinem 32 DIN-A4-Seiten umfassenden Entwurf beschreibt Goretzki, der die Stabsstelle für Stadtgestaltung und ökologische Entwicklung“ im Rathaus besetzt, was alles passieren muss, um Bad Pyrmont in die Zukunft der Elektromobilität zu führen, und wer sich dafür einsetzen sollte. Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit, urbane Verträglichkeit des Straßenverkehrs, die Modernisierung und Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Personennahverkehrs und Bad Pyrmont als Standort für Elektromobilitäts-Unternehmen nennt Goretzki die Gründe, warum sich eine Kommune darum kümmern sollte.

Das geht nicht ohne Akteure. Bürgermeister, Rat, Verwaltung, kommunale und private Unternehmen aber auch der Landkreis, die Nachbarstadt Lügde, Forschung oder Grundeigentümer könnten oder sollten einbezogen werden. Und ganz wichtig: „Ohne die Bürger geht es nicht“, betont der Baurat. „Sie sind Nutzer und Multiplikator zu gleich, wenn es gelingt, dass sie sich in der Sache mitgenommen fühlen und überzeugt werden können.“

Ein Abschnitt ist dem wirtschaftlichen Aspekt gewidmet. Unternehmen aus dem Umkreis der Elektormobilität einen attraktiven Standort zu bieten, könne neue Arbeitsplätze und einen Imagegewinn als Innovationsstandort bedeuten. Mit Phoenix Contact habe Bad Pyrmont bereits ein Unternehmen, das sich in diesem Geschäftsfeld engagieren. Das Unternehmen könnte, so steht es im Konzept, als Kooperationspartner ein nicht unwichtiger Standortanreiz für neue Betriebe sein.

In 25 Projektsteckbriefen beschreibt das Papier ausführlich eine Vielzahl einzelner möglicher Maßnahmen zur Einführung der Elektromobilität in Bad Pyrmont. Das reicht von der Stadt- und Verkehrsplanung über die Ausweisung von kostenlosen Parkplätzen und möglichen Fahr- und Parkeinschränkungen für Benzin- und Dieselfahrzeuge der Innenstadt bis hin zu öffentlichen Ladestationen an Straßenlaternen und intensiver Öffentlichkeitsarbeit.

Er liefere keine fertigen Lösungen, betonte Goretzki, sondern einen möglichst vollständigen Leitfaden und eine Checkliste unter Berücksichtigung der ortsspezifischen Gegebenheiten. Zudem müsse dieses Handlungskonzept kontinuierlich fortgeschrieben und ergänzt werden.

Während der Vortrag im Wirtschaftsförderausschuss kommentarlos zur Kenntnis genommen wurde, gab es im Bau- und Umweltausschuss wenigsten zwei Redebeiträge. Michael Rausch (CDU) erinnerte daran, dass die Batterieherstellung sehr kostspielig sei. Es sei fraglich, dass die Elektromobilität wirklich der große Sprung nach vorne sei. „Vielleicht sollte man sich gleich auf den Wasserstoffantrieb konzentrieren“, sagte er.

Ute Michels (Grüne) plädierte dafür, zunächst die nächsten konkreten Schritte der Stadtwerke abzuwarten. „Hier gibt es mehr Expertise“, meinte sie. Elektromobilität könne aber nur ein Teil der Lösung sein, aber sie sei eben jetzt greifbar, gut und unterstützenwert. Gleichzeitig warnte sie vor zu großem Enthusiasmus. Es werde nicht alles gut, wenn man einfach alle Fahrzeuge auswechsele. „Man kann auch mit einem ganz normalen Fahrrad ohne Elektroantrieb fahren“, so Michels.

Und wie geht es weiter? Laut Goretzki müssen noch Kosten ermittelt und Zeitschienen für eine konkrete Umsetzung der Maßnahmen festgelegt werden. Am Ende ist der Rat gefragt, zu entscheiden, ob er sich dieser zusätzlichen freiwilligen Aufgabe stellen und ein entsprechendes Konzept beschließen will. Nicht zuletzt die Kosten dürften dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen. „Die finanziellen Mittel der Stadt sind begrenzt“, erinnerte Michels.

Information

Deutschland holt auf

Wenn es um Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen geht, dann steht Deutschland im internationalen Vergleich noch relativ schlecht ab. Allerdings hat sich die Zahl der E-Fahrzeuge von in den letzten beiden Jahren auf fast 92740 nahezu verdoppelt. Der Anteil der Neuzulassungen lag bei 1,6 Prozent. Das hat das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg ermittelt. Gezählt wurden dafür alle Fahrzeuge, die Strom tanken, ob als Plug-in-Hybride oder mit batterieelektrischem Antrieb. Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind aktuell 135 E-Autos zugelassen, mit steigender Tendenz. Die Stadtwerke haben nicht nur E-Bikes angeschafft, sondern auch vier E-Smarts, einen für die Bad Pyrmont Tourismus zur Vermietung. Der städtische Bauhof hat seit wenigen Wochen zwei Street-Scooter im Einsatz, die Stadt soll im Herbst einen VW „e-up“ bekommen.uk



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