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Zoff im Tierpark zwischen Eigentümer und Pächter / Dienstag Mediationstermin vor Gericht

Ein Zaun erhitzt die Gemüter

Bad Pyrmont. Im Pyrmonter Tierpark hängt der Haussegen schief. Eigentümer Leo Laubrock und Pächter Linus Kampe reden kein Wort mehr miteinander, verkehren nur noch über ihre Anwälte und treffen sich am Dienstag kommender Woche zu einem Mediationstermin vor dem Landgericht Hannover. Sämtliche Versuche, den Streit zwischen den beiden „Kampfhähnen“ beizulegen, sind gescheitert. Auch die Stadt Bad Pyrmont als Verpächter weiterer zum Tierpark gehörender Flächen konnte bislang nichts bewirken. Es geht um einen Zaun, der laut Laubrock von Kampe in einer „Nacht- und Nebelaktion“ errichtet worden sei und Besucher des Tierpark-Cafés nun durch Gitter in den Zoo gucken lässt, um Kündigungen und Gegenkündigungen – und letztlich unterm Strich um Geld.

veröffentlicht am 16.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:41 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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„So etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt“, erregt sich Laubrock, der den Tierpark 1975 für 1,5 Millionen D-Mark von Otto Busch erworben hat, und zeigt auf den Zaun, der ihm vor seinem Wohnhaus zum Ärgernis geworden ist. Er hat Kampe zum 30. September gekündigt, woraufhin der Pächter mit einer Gegenkündigung reagiert hat. „Vorbehaltlich und auf Anraten meines Anwaltes“, begründet der Betreiber, der zwischenzeitlich ein eigenes Tierparkgelände erworben und auf dem Areal mit Genehmigung der Stadt gebaut hat. Dort befinden sich jetzt auch der Eingang und das Kassenhäuschen.

Das war bislang immer in unmittelbarer Nähe des Tierpark-Cafés. „Mir wurde aber nicht nur der Tierpark gekündigt, sondern auch meine Wohnung und der Kiosk. Deshalb musste ich eine Entscheidung treffen, habe auf meinem Besitz neu gebaut, denn Herrn Laubrock gehören nur etwa 3000 Quadratmeter der inzwischen rund drei Hektar großen Tierparkfläche“, erläutert Kampe. Er betreibt den Tierpark seit 2008: „Und zwar zusammen mit meiner Frau täglich 14 Stunden an sieben Tage die Woche. Wir haben große Existenzängste und viele schlaflose Nächte gehabt.“

Kampe, der im Tierpark ein eigenes kleines Café eröffnet hat, damit sich die von ihm getätigten Investitionskosten in Höhe von einer Million Euro schneller amortisieren, erzählt, dass er den Zaun nach der Kündigung am Tierpark-Café errichtet habe, weil der Restaurationsbetrieb nicht zum Zoo gehöre und nur durch einen niedrigen Zaun vom Gehege abgetrennt sei. „Diesen Zaun habe ich geduldet, als das Kassenhäuschen noch gegenüber lag. Doch mit der Verlegung ist es in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen, dass Café-Besucher den Tierpark widerrechtlich betreten haben“, erzählt Kampe, was allerdings von Laubrock bestritten wird. Der Eigentümer behauptet auch, dass der Pächter laut Vertrag den Eingangsbereich nicht hätte verlegen dürfen.

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  • Pächter Linus Kampe bedient in seinem Café mitunter auch Gäste.

Das sieht Kampe anders. Zwar räumt er ein, dass das von ihm aufgestellte Baugitter alles andere als schön sei und er es noch begrünen wolle. Er erklärt aber auch unmissverständlich: „Der Zaun bleibt, denn ich habe Menschen und Tieren gegenüber auch eine Sicherungspflicht, der ich nachkommen muss.“ Der Eigentümer hingegen meint, dass Tierpark-Besuchern nun im Notfall der Fluchtweg genommen sei.

Zwischenzeitlich hat die Stadt Bad Pyrmont Laubrock, der auch noch einen Tierbestand besitzt, der von Kampe bislang unentgeltlich gepflegt wurde – jetzt hat er dem Eigentümer die Futterkosten in Rechnung gestellt – weiteres Pachtgelände gekündigt, wie Stadtsprecher Wolfgang Siefert bestätigt. Laut Kampe, der das Gelände ab Oktober von der Stadt direkt pachtet, soll ihm Laubrock dieses Areal in der Vergangenheit nur gegen einen nicht unerheblichen Aufschlag weiterverpachtet haben.

Laut Bürgermeisterin Elke Christina Roeder (SPD) habe die Stadt darauf zu achten, dass der Tierpark betrieben werden könne. Der Kündigung der Pachtverträge mit Laubrock zum 30. September sei ein politischer Beschluss vorausgegangen. Jetzt gebe es einen zivilrechtlichen Streit zwischen der Stadt und Laubrock auf der einen sowie zwischen Laubrock und Kampe auf der anderen Seite. Angesichts des schwebenden Verfahrens hält sich Siefert bedeckt: „Auch wir finden den Zaun nicht schön, können aber nichts machen. Wir haben versucht, zu vermitteln. Aber wir sind damit gescheitert.“

Tierpark-Eigentümer Leo Laubrock will, dass der Bauzaun vor dem Tierpark-Café verschwindet. Nun muss ein Richter entscheiden.

HW (3)



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