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Jochen Busse nähert sich ulkend und kalauernd dem Jugendwahn und dem Alter

Ein toller Hecht

Bad Pyrmont. Jochen Busse ist über 70. Sollte tatsächlich einer der rund 200 Gäste im Kurtheater darüber im Unklaren gewesen sein, so stellte der „Bestager“ sicher, dass jeder Bescheid wusste. Denn immerhin ging es ja ums Alter. So ulkte und kalauerte der Kabarettist über Jugendwahn, hielt Sport für Zeitverschwendung und nahm die Kuh, die noch niemand am Reck gesehen habe, als Indiz für die Unnatürlichkeit dieser Art der Freizeitbeschäftigung.

veröffentlicht am 09.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmidt
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Gleichzeitig ließ er sich dafür bejubeln, dass er mit durchgedrückten Knien die Schuhe binden kann und dass er auf der Bühne umherzappeln konnte, wie Jugendliche in der Disco. Das zweite große Altersthema war die fortschreitende Vergesslichkeit. „Wie komm‘ ich denn jetzt da drauf?“ Mit dieser Standardfrage leitete er jeden Themenwechsel ein. Im Verlaufe des Abends stellte er aber klar, dass er durchaus in der Lage sei, längere Passagen bildungsbürgerlicher Literatur fehlerfrei zu rezitieren.

Dazwischen zappte Busse witzelnd durch alle möglichen Sachgebiete, ließ sich einen Klempner als „Shitdesigner“ titulieren oder brandmarkte das idyllische Landleben als Heuchelei („Vogelgrippe, Schweinegrippe“). Während der Innenminister gerade verkündet hatte, dass er auch die Mautdaten den Überwachungsbehörden zur Verfügung stellen möchte, kalauerte Busse noch über Steinbrücks Redehonorare. Und so wurde er weder den Problemen einer immer bedrohlicher werdenden Welt gerecht, noch den individuellen Problemen der „Silver-Generation“. Es gab reichlich Pointen. Über Senioren in Trekking-Kleidung, bei denen man sich fragen könnte, welche Route sie zum Brötchenholen nehmen, über den uralten Helmut Schmidt, der dereinst Moses die Zehn Gebote diktiert habe, über den Mann an sich, der am liebsten auf dem Sofa dem Tod entgegendämmere und die Frau an sich, die immer wieder versuche, ihn zu reaktivieren.

So hatten beide Seiten ihren Gewinn: Das Publikum wurde nett unterhalten und Busse bekam mit Applaus bescheinigt, dass er auch mit über 70 noch ein toller Hecht ist.



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