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Separate Grabstätte auf städtischem Friedhof an Jüdische Gemeinde übergeben

Ein Platz für die Ewigkeit

Bad Pyrmont. Die Übergabe verlief unspektakulär – und setzt dennoch ein deutliches Zeichen: Die Angehörigen jüdischen Glaubens in Bad Pyrmont können ihre Verstorbenen nun auf einem extra für sie reservierten Gräberfeld auf dem städtischen Friedhof in Holzhausen bestatten lassen. Das Gräberfeld liegt mittig an der Nordseite des Friedhofes.

veröffentlicht am 27.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Klaus Titze
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„Wir können hier zurzeit 57 Grabstellen zur Verfügung stellen“, beschreibt Franz-Josef Mund als zuständiger Friedhofsgärtner die Belegungsmöglichkeiten. „Bei Bedarf lässt es sich um den Platz für weitere zehn Gräber erweitern“.

„Es gab in unserer Gemeinde Mitglieder, die keine besondere religiös beeinflusste Bestattungsform wünschten. Ihre Gräber unterscheiden sich kaum von christlichen und befinden sich auf den städtischen Friedhöfen von Bad Pyrmont“, sagt Klara Behnke, die der liberalen jüdischen Gemeinde in Bad Pyrmont vorsteht, und fügt an: „Andere hingegen, die auf eine Bestattung nach jüdischem Ritus Wert legten, wichen bisher zum Beispiel nach Hameln aus.“ Nun jedoch könnten sie auch in Bad Pyrmont ihre letzte Ruhestätte finden, also in dem Ort, in dem sie lebten und Teil der Bevölkerung waren, registriert Behnke hoch erfreut.

„Wir ermöglichen auf den städtischen Friedhöfen inzwischen unterschiedlichste Bestattungsformen, um auf die individuellen, weltanschaulichen oder religiösen Wünsche der Verstorbenen oder ihrer Angehörigen einzugehen und eine würdevolle Ruhestätte erschaffen zu können,“ erklärt Bürgermeisterin Elke Christina Roeder. In der Satzung fänden sich zum Beispiel eine Bestattungsmöglichkeit für Sternenkinder sowie Urnengräber von halbanonym bis anonym bis hin zu Urnengemeinschaftsgräbern. Zudem stehe seit einiger Zeit ein Gräberfeld für Verstorbene muslimischen Glaubens bereit und sei inzwischen auch mit Grabstätten belegt worden.

„Grundsätzlich werden Verstorbene christlichen wie auch jüdischen Glaubens in einem Sarg auf dem Rücken liegend und mit dem Kopf Richtung Osten bestattet,“ weiß Mund, also der aufgehenden Sonne entgegen. „Verstorbene Muslime hingegen werden auf der Seite liegend mit dem Kopf in Richtung ihrer heiligen Stadt Mekka bestattet“, benennt er einen Unterschied.

Ein anwesender Imam lege in den Vorbereitungen zur Beisetzung von verstorbenen Muslimen besonderen Wert auf die Ausrichtung und kontrolliere sie nicht selten mit einem Kompass.

„Der besondere Wunsch der Friedhofsbetreuung ist, dass sich Angehörige Verstorbener mit ihren Wünschen frühzeitig und ohne Hemmnis an uns wenden. Wir versuchen, weitestgehend den Wünschen zu entsprechen und einen angemessenen Ort für ihre Trauer zu verschaffen,“ sagt Mund, der es als ein Aushängeschild für eine Stadt betrachtet, solche Möglichkeiten wie jetzt auch die Bestattung Verstorbener jüdischen Glaubens zu ermöglichen. So werden künftig Grabsteine neben der deutschen Schrift wohl auch vermehrt arabische oder hebräische Schriftzeichen aufweisen, deren Erstellung dem Steinbildhauer Joachim Görlich keine Probleme bereiten dürfte.

Auf Anfrage bestätigt die Bürgermeisterin, dass diese besonderen Bestattungsformen als ergänzende Regelungen in die Friedhofssatzung eingearbeitet werden müssten, da sie auch mit Abweichungen grundsätzlicher Bestimmungen einhergingen. So werden die jüdischen Gräber den sonst üblichen Abläufen von Ruhezeiten nicht unterworfen sein, sondern gemäß den Glaubensgrundsätzen eine Ruhestätte „für die Ewigkeit“ werden.

Auch seien Bestattungen verstorbener Muslime sarglos und nur in Leinentücher gewickelt üblich. In anderen Bundesländern sei dies bereits erlaubt. Roeders Prognose: „Zeremoniell ist in Sachen Bestattungskultur einiges in Bewegung. Darauf wird sich auch die Stadt Bad Pyrmont immer wieder neu orientieren und einlassen müssen.“

Für Klara Behnke viel mehr als eine Formalie: Bürgermeisterin Elke Christina Roeder übergibt der liberalen jüdischen Gemeinde im Beisein von Franz-Josef Mund ein eigenes Gräberfeld. ti



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