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Entwurf für Aktionsplan vorgelegt

Ein Plan gegen den Verkehrslärm in Bad Pyrmont

BAD PYRMONT. Mehr als 3 Millionen Fahrzeuge fahren jährlich auf Bad Pyrmonts Hauptverkehrsstraßen durch die Kurstadt. Grund genug, sich damit zu befassen, welche Lärmbelastung das für die Anwohner bedeutet und was man dagegen unternehmen kann. Die Stadt hat darum den Entwurf für einen Lärmaktionsplan erarbeitet.

veröffentlicht am 06.12.2018 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 21:10 Uhr

Die Südstraße und die Schillerstraße zählen in Bad Pyrmont zu den Straßen, die die Verpflichtung zur Erstellung eines Lärmaktionsplanes auslösen. Foto: PN-Archiv
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Das ist keine freiwillige Aufgabe für die Kommune, sondern sie wird durch die „EU-Umgebungslärm-Richtlinie“ dazu verpflichtet – auch wenn für die betroffenen Straßen eigentlich die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zuständig ist.

Grundlage für einen vom Rat zu beschließenden Lärmaktionsplan sind vom niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz zentral erfasste Straßenlärmkarten und Statistiken. Und die weisen die Bahnhofstraße, die Südstraße, die Schillerstraße, die Hagener Straße und die Straße zwischen dem Pyrmonter Bahnhof und Thal als Straßen aus, die Lärmprobleme haben. „Gut 900 Anwohner dieser Straßen seien von Umgebungslärm betroffen, berichtet der Fachgebietsleiter für Stadtgestaltung und ökologische Entwicklung, Thomas Goretzki. Ganztags und nachts seien 400 Personen hohen Lärmbelastungen ausgesetzt, 100 sogar sehr hohen. Was also tun? Als Maßnahmen innerhalb der nächsten fünf Jahre bestehen an den Landesstraßen laut Goretzki grundsätzlich folgende Möglichkeiten: Tempolimit reduzieren
Lärmmindernder Asphalt
Der Bau beziehungsweise die Erhöhung von Schallschutzwänden- und Wällen
Einbau von Schallschutzfenstern
Einschränkung des Lastwagenverkehrs
Verstetigung des Verkehrs.

Umsetzen kann Bad Pyrmont das nur in Zusammenarbeit mit der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, denn die betroffenen Straßen sind allesamt Landesstraßen. Goretzki spricht davon, auf diese Behörde „einzuwirken“, um alle möglichen Maßnahmen umzusetzen. „An Landesstraßen kann eine Kommune nicht in die Pflicht genommen werden und Lärmschutzmaßnahmen verlangen“, betont der Hamelner Behördenleiter Markus Brockmann auf Anfrage. „Das wäre nur der Fall, wenn wir wesentliche Änderungen an einer Straße veranlassen würden, zum Beispiel den Bau eines Kreisels.“ Zunächst werde es darum gehen, im Gespräch mit der Stadt zu klären, welche Maßnahmen sinnvoll seien und ob sie umgesetzt werden können. Bei der Sanierung von Straßenbelag komme bereits lärmmindernder Asphalt zum Einsatz.

Eine Begrenzung des Tempos auf 30 Stundenkilometer – für Bad Pyrmont nannte Goretzki die Schillerstraße – kommt laut Brockmann nur dann in Betracht, wenn damit eine rechnerisch nachgewiesene Lärmreduzierung auf 3 dB(A) erreicht werde. „Was dann aber immer noch bleibt, ist die Frage der Überwachung“, gibt er zu bedenken.

Doch auch für ihre eigenen Straßen kann die Stadt aktiv werden und ihre Verkehrs- und Straßenplanung konsequent darauf ausrichten, den Straßenlärm zu reduzieren. Die EU-Richtlinie fordert die Kommunen auf, langfristige Strategien zu entwickeln. Das reicht von der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs, des Fußgänger- und des Fahrradverkehrs über den verstärkten Einsatz emissionsarmer Kommunalfahrzeuge bis hin zum Einbau von lärmarmen Asphalten und der Ausweisung von besonderen Siedlungsstrukturen.

„Ziel des Lärmaktionsplanes soll es auch sein, ruhige Gebiete vor einer Zunahme des Lärms zu schützen“, so Goretzki. Wo diese ruhigen Gebiet sind, kann jede Stadt selber entscheiden. In Bad Pyrmont kämen dafür die Höhenzüge infrage, die Erholungsgebiete seien.

Am 14. März kommenden Jahres soll der Rat den Aktionsplan beschließen. Dass dies Sinn hat, wird in der Politik nicht bezweifelt. Der Bau- und Umweltausschuss stimmte dem Entwurf einstimmig zu. „Das ist überfällig“, kommentierte Katrin Drinkuth (CDU). Uwe Schrader (SPD) gab zu bedenken, dass die Daten der Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 stammen, also kein realistisches Bild böten, denn damals sei die Bad Freienwalder Brücke gesperrt gewesen. „Bei der nächsten Messung 2020 haben wir dann tolle Ergebnisse, wenn die Heemsteder Brücke wieder frei ist und der Verkehr sich aufteilt.“

Mein Standpunkt
Hans-Ulrich Kilian
Von Hans-Ulrich Kilian

Man kann sich fragen, welchen Sinn es macht, dass die Stadt nicht alleine über Lärmschutzmaßnahmen entscheiden kann, sondern auf die Landesbehörde für Straßenbau angewiesen ist. Aber das heißt ja nicht zwangsläufig, dass es keine Ergebnisse gibt. Und noch eine Frage stellt sich angesichts der 3 Millionen Fahrzeuge jährlich: Wie ist es um die Feinstaubelastung an Pyrmonter Hauptstraßen bestellt? Außerdem bleibt es eine offene Frage, wie und ob sich Bad Pyrmont gegen den Lärm der vielen Güterzüge schützt.



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