weather-image
13°

Wie sich Ruhrpott-Blödler Herbert Knebel im Konzerthaus in die Herzen seiner Fans schwadroniert

Ein Lied in Form von Musik

Bad Pyrmont. Der „Schlechte-Laune-Beauftragte der Bundesregierung aus der Uckermark“ hat keine Chance. Gnadenlos mischt „Herbert Knebels Affentheater“ am Freitagabend das Konzerthaus auf. Über 500 Gästen sind gekommen, einige von ihnen eigens aus Düsseldorf oder Herford.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:21 Uhr

270_008_6723882_pn110_1111_5sp_rr_HK7.jpg

Autor:

Rudi Rudolph
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

25 Jahre gibt’s das Affentheater schon. Zudem kennt man Uwe Lykos Figur Herbert Knebel aus den häufigen Auftritten in den „Mitternachtsspitzen“ und das Affentheater von seinem eigenen Sendeplatz. Trotzdem kommt keine Sekunde Langeweile auf. Im Gegenteil: Dem mehrheitlich recht jungen Publikum laufen die Lachtränen übers Gesicht. Denn auch, wenn manche Gags unter die Gürtellinie gehen, so fängt der eigenwillige Ruhrpott-Dialekt doch jede Peinlichkeit auf.

Mit seinen kongenialen Partnern Ozzy Ostermann (Georg Göbel), gleichzeitig ein As auf der Gitarre, Ernst Pichel (Martin „Alfi“ Breuer, Bass) und dem hibbeligen „Trainer“ (Detlef Hinze, Schlagzeug) geht’s im Schweinsgalopp durch den Alltag. Vom Besuch bei Schtarbucks (Starbucks), wo Knebel auf die einschlägige Frage antwortet: „Nix Flavour, wir haben uns auf Kaffee geeinigt!“ und dem Servicemann empfiehlt: „Nimm Knoblauch-Nuss!“ über einen Besuch in Hameln, wo er sich verlaufen habe (dat is auch ’ne Scheiß-Stadt!“) oder einer lockeren Fahrt von Essen nach Aachen, bei der er sich in Kassel wundert, dass es bis dahin noch 345 Kilometer sind. War wohl das Navi dran schuld.

Herbert Knebel ist schnodderig, schlitzohrig – und immer Herr der Situation. Überfährt er einen Hasen, gibt es Hasenbraten. Aber natürlich erst, nachdem er „die Reifenspuren beseitigt“ hat. Bei seiner Enkelin „Jackeliene“ (Jaqueline) hat er da schlechte Karten, die isst seit längerer Zeit keine Tiere mehr, „auch nicht, wenn sie tot sind.“

Knebels Solopartien, in denen er, neben einer Stehlampe sitzend, über seine Frau Guste, Nachbarn sowie Gott und die Welt schwadroniert, „Boah, glaubse, ich sach Sie!“, wechseln mit Gruppenauftritten ab. Geschickt zurückhaltend gönnt er da seinen Kollegen ihren eigenen Applaus. Vor allem, wenn diese mit echtem Können und voll verdrehten Grimassen Klassiker aus Rock und Pop intonieren und ihre selbst gebastelten Texte mitten ins Zwerchfell treffen. Da wird aus „Don’t Cry For Me, Argentina“ mal eben „Hau mich bloß ab mit Argentinien“, „Waterloo Sunset“ von den Kinks geht volltönend mit sattem Klang unter die Haut, ebenso wie John Lennons „Imagine“, eben „ein Lied in Form von Musik“. Aus dem „Brown Sugar“ der Rolling Stones wird „Blutzucker“, und da hat Knebel wohl schon mal etwas von Bad Pyrmont mitbekommen: „Mit 70 hat man noch Träume“ und „Du kannst nicht immer 70 sein“ sind sozusagen die Einleitung, dann langt er zu. „In Bad Pyrmont sind alle krank“, lästert er, „sogar im Hotel lieg ich auf’m Siechenzimmer. Da ist die Fernbedienung fürs TV die Steuerung für die Bettverstellung, im Bad gibt’s ’nen Badelift und durchs Foyer laufen die Landkarten (Krampfadern).“

Das Publikum johlt und klatscht, die meisten sind davon ja noch weit entfernt. Überhaupt, so Knebel, brauche man in der zweiten Lebenshälfte „tellerpattische Fähigkeiten“. Dann könne man Dinge per Gedankenkraft bewegen, „und das Bier kommt angeschwoben. Aber dat is Sense Ficktschen (Sience Fiction).“ Doch auch, wenn nicht alle Gags lange im Gedächtnis bleiben – der Abend mit „Herbert Knebels Affentheater“ tut das auf alle Fälle.

Uwe Lyko alias Herbert Knebel in seiner Paraderolle – beim Schwadronieren sind Gattin Guste, Gott und die Welt seine Lieblingsthemen. Aber auch Hameln ist dran. Das findet er „’ne Scheiß-Stadt“. ar



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt