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Wie der Kabarettist sein Publikum nicht nur mundartlich begeistert

Ein „furschbar“ guter Uwe Steimle

Bad Pyrmont. Welcher Stollen ist der beste? Auch darüber unterhielt sich Uwe Steimle mit den Gästen im vollbesetzen Pyrmonter Kur-theater. Dass nicht ein Dresdner Stollen wie der andere ist, wusste das auch ansonsten sehr sachkundige Publikum. Es quittierte auch die Klassifizierung in Flüsterstollen (die Rosinen sind so nah beieinander, dass sie miteinander flüstern können) und Eisenbahnerstollen (jede Station eine Rosine) mit viel Beifall.

veröffentlicht am 16.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 06:41 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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Die ersten Lacher des Abends konnte der Schauspieler und Kabarettist aber schon verbuchen, als er noch gar nicht auf der Bühne war. Es genügte, dass er seinem Auftritt ein sächsisch artikuliertes „so“ voranschickte. Dieser Dialekt, der in anderem Kontext als Gottesstrafe angesehen wird, sorgte an diesem Abend nicht nur für schallendes Gelächter, Steimle vermochte es sogar, das Heimelige, Kuschelige dieser Mundart herauszustreichen und Sympathien für sie und ihre Sprecher zu wecken. Für jene, die mit einem stimmhaft und geradezu zärtlich gehauchten „nu“ all die unentschlossene Beliebigkeit zum Ausdruck bringen, die moderne Sprachterrorristen in weit offenen Zeitfenstern eher unkonkret skizzieren. Dabei verstieg sich Steimle sogar zu der These „Sprechen ist Denken“. Unberücksichtigt ließ er dabei jedoch die Funktion der Sprache in Äußerungen von Politikern als Schutzwall gegen das Denken.

Unpolitisch war Steimle aber nicht. So fragte er zwar zu Beginn seines Auftritts „Ich hab die 19-Uhr-Nachrichten nicht gesehen; ist Wulff noch …?“. Hielt die ganze Nummer aber für einen Nebenkriegsschauplatz und ein Ablenkungsmanöver von den wirklich wichtigen Themen.

Steimle sprach mit den Gästen, hörte zu und diskutierte – nicht nur über Stollenrezepte, sondern unterbrach sich in seinem Vortrag, als wollte er „off topic“ einige Gedanken äußern: „Stoppt den 3. Weltkrieg.“ Auch sprach er davon, wie Bundeskanzlerin Merkel mal eben zwei U-Boote nach Israel schenkte, dass Deutschland, „der drittgrößte Waffenexporteur“ sei und „dreimal soviel Geld für Rüstung wie für Bildung“ ausgebe, beschrieb die vier Feinde des Kapitalismus: „Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter“ und die zwei von Außenminister Westerwelle ausgemachten Nebenfeinde: „Tag und Nacht“ und kommentierte diese ganze nicht zufällige Entwicklung wieder sächsisch: „Furschbar!“

Die Gäste hatten nicht nur ihren Spaß an den Vorträgen wie der abschließenden Rede des einstigen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, den Steimle göttlich authentisch imitieren kann, sondern auch an den vielen kleinen Diskussionen über sächsische Sprachmuster, Fettnäpfchen oder den Wahnsinn im Allgemeinen, der sich immer mehr Bahn bricht. Und das machte auch Steimle Freude, der sich gerne unterbrach und diskussionshalber abschweifte.

Wenn er sächselt, fließen die Lachtränen: Uwe Steim-les Humor kommt beim Pyrmonter Publikum bestens an. Foto: yt



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