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Shoko Kawasaki im Konzerthaus

Ein flüchtiger Hochgenuss

BAD PYRMONT. Ein wunderbarer Moment der Vergänglichkeit und ein Erlebnis großer musikalischer Qualität in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ wurde dem Publikum am Samstagnachmittag im kleinen Saal des Konzerthauses von Shoko Kawasaki beschert.

veröffentlicht am 13.08.2017 um 22:30 Uhr

Bei Shoko Kawasaki klingt noch das Schwierigste ganz leicht. Das Pyrmonter Weltklassik-Publikum ist begeistert. Foto: ar
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Das Verhältnis ihrer Landsleute zur Vergänglichkeit beschreibt die japanische Ausnahmepianistin als ein Nachsinnen über Naturphänomene, Fantasien und Visionen – was sie in ihrem ausdrucksvollen Spiel auch überzeugend interpretiert: Gleich das erste Stück, Claude Debussys „L’Isle Joyeuse“ von 1903, zählt zu den berühmtesten Werken des französischen Komponisten, auf das er selbst besonders stolz zu sein schien – hatte er doch damit ein wirklich schwieriges Stück und eine Herausforderung für jeden Pianisten vorgelegt. Mit unglaublicher Leichtigkeit zelebriert Shoko Kawasaki die Thematik des grellen Tages, der Sonnenglut und des dionysischen Taumels, wechselnd zwischen großer Vehemenz und einem hauchzarten Streicheln der Tasten.

Aus dem zweiten Heft der „Préludes pour piano“ hat die Pianistin mit „Brouillards“ (Nebel) und „Feux d’artifice“ (Feuerwerk) ebenfalls „flüchtige“ Themen gewählt. Und auch hier beeindruckt sie mit nebelhafter Leichtigkeit und feuerwerksähnlichen Explosionen. Dagegen ist der folgende Joseph Haydn fast eine, wenn auch virtuose, Fingerübung und Erholung. Das „Andante con Variazioni f-Moll“ von 1793 mit einer leidenschaftlichen Coda, auf die Kawasaki selbst in ihrer charmanten Moderation hinweists, erscheint als perlender Genuss. Das präzise Stakkato, die Dramatik und die Wucht des andalusischen Rhythmus von Manuel de Fallas „Fantasia Baetica“, gewidmet Arthur Rubinstein, zeigt dann die kraftvolle Seite der vielfach ausgezeichneten Musikerin.

Logisch eigentlich, dass Franz Liszt folgt, was mit vier Stücken geschieht: Aus den „Années de pèlerinage“ (Pilgerjahre), einer Sammlung von 26 Charakterstücken, kommen die „Nr. 4 Au bord d’une source As-Dur“ (An einer Quelle) und die “Nr. 6 Vallée d’Obermann e-Moll“ (Das Obermann-Tal) zur Aufführung und begeistern die Zuhörer derartig, dass sogar zwischen den Stücken heftig applaudiert wird. Mit „En reve“ und der „Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H“ lässt Shoko Kawasaki ihr hochklassiges Konzert ausklingen, doch fordert das Publikum lautstark eine Zugabe, die sie mit einem leichten Chopin-Stück gewährt.

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