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Alix Dudel spielt im Kurtheater ihre ganze Bandbreite zwischen Melancholie, Heiterem und Bösem aus

Ein etwas verruchtes Frauenzimmer

Bad Pyrmont. Schummerige, intime Atmosphäre, drei geniale Musiker und eine großartige Frau, da geriet das Kurtheater am Samstagabend zu einem Varieté besonderer Güte. Mit ihrem Programm „Endlich – große Lieder und kleine Gedichte“ ließ Alix Dudel, die Diseuse mit tiefer, rauchiger Stimme, die ganze Bandbreite zwischen Melancholie, Heiterem und Bösem spielen.

veröffentlicht am 17.04.2016 um 13:59 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:54 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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In manchem erinnerte das an die große Hanne Wieder, vor allem bei Liedern wie „Neandertaler“ von Günter Neumann oder „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ von Friedrich Hollaender. Mit diesem beginnt sie ihr Programm und hat das Publikum gleich auf sich eingestimmt. „Darf ich mal durch?“ kommt als zweiter Song, und da steht sie schon im Parkett, drängelt sich durch die Zuschauerreihen, zweimal hin, zweimal zurück. Ansonsten ist sie auf der Bühne eher sparsam in ihren Gesten. Große Dame, große Garderobe, eben ein etwas verruchtes Frauenzimmer, das an die große Zeit der Varietés erinnert.

Damals, in den zwanziger und dreißiger Jahren wurde in knackigen Couplets die Gesellschaft karikiert, es war die große Zeit, in der sich Frauen erstmals emanzipierten und gelegentlich ihre Männer am Nasenring durch die Manege führten. Diese Rolle beherrscht Alix Dudel aufs Beste. Das Lied „Nummer neun“ beschreibt die große unerfüllt Liebe zu ihrem neunten Liebhaber, an den alle davor und danach nicht heranreichen, in kleinen Geschichten und Gedichten beschreibt sie die Männerwelt und ihre Männer. „Er muss doch dabei sein, wenn ich ihn verletze,“ zieht sie über ein Exemplar her, das „außen Apoll, innen Neandertaler“ ist, oder der „im Kopf zwei linke Füße hat“.

Viele ihrer vertonten oder unvertonten Aperçus stammen aus der Feder von Friedhelm Kändler, der für sein dadaistisches Spiel mit Worten bekannt ist und der seine Stilrichtung selbst als „Wowo“ bezeichnet, was die Frage auf die Antwort „Dada“ ist. Derart skurril sind auch manche Texte. „Er ist Synchronschwimmer, er schwimmt synchron immer“ mag als Beispiel dienen, ebenso die Geschichte über den betuchten Mann, der von einer tollen Frau ausgenommen wird. „Kein Wunder, denn sie hatte nicht Sex-Appeal, sie hatte sogar Sieben-Appeal. Und er war sogar zum Suizid zu blöde.“

Alix Dudel hat die Großen des Kabaretts im Gepäck, Hollaender, Neumann, aber auch Georg Kreisler. Dessen „Zwei alte Tanten tanzen Tango“ ist anrührend und macht nachdenklich. Viele ihrer Lieder haben bei aller Boshaftigkeit oder Verletzlichkeit in ihrer Überspitztheit einen wahren Kern, und die Dudel dazu eine Stimme, die unter die Haut geht.

Kongenial ist ihre Band, die aus drei Mitgliedern des Frankfurter Tigerpalast-Orchesters besteht. Am Piano Andrei Likhanov, Swingpianist und Couplet-Begleiter von hoher Klasse, ebenso wie seine Kollegen Andreas Manns am Bass und Jens Biehl am Schlagzeug. Heiter und böse – das Publikum war rundum begeistert und freut sich schon auf den nächsten Auftritt von Alix Dudel.

Große Dame, große Garderobe: die Diseuse Alix Dudel.

Foto: rr



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