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Pyrmonter Fotograf konnte Nobelpreisträger Max Born eindrucksvoll mit der Kamera festhalten

Ein enger Freund Albert Einsteins

BAD PYRMONT. Für Bad Pyrmont war es eine hohe Ehre, als sich der hochbegabte Physiker und Mathematiker Max Born (1882-1970) mit seiner Frau Hedwig entschied, den gemeinsamen Lebensabend nicht in Göttingen – wo er 1953 zum Ehrenbürger ernannt worden war – sondern in Bad Pyrmont zu verbringen. Der Hintergrund für diese Entscheidung war auch die Sehnsucht nach einem naturnahen und kulturell anspruchsvollen Ort, den beide schon während einer Kur seiner damals Verlobten Hedwig Ehrenberg im Jahr 1913 schätzen gelernt hatten.

veröffentlicht am 16.01.2017 um 15:02 Uhr
aktualisiert am 16.01.2017 um 16:50 Uhr

Nobelpreisträger und Ehrenbürger Bad Pyrmonts: der Physiker und Mathematiker Max Born wurde von dem Pyrmonter Fotografen Heinrich Mehring porträtiert. Foto: Mehring

Autor:

Dr. Dieter Alfter
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Max Born baute, als er aus Edinburgh nach Deutschland zurückkehrte, 1953/54 sein Haus in der Bad Pyrmonter Marcardstrasse. Hier erreichte ihn im Dezember 1954 die Nachricht von der außerordentlichen Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Physik, für seine Grundlagenforschung zur Quantenmechanik. In seinem Haus erreichte ihn zehn Jahre später die Nachricht von der hohen Auszeichnung durch den Bundespräsidenten in Gestalt des Großen Bundesverdienstkreuzes für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Physik.

In seinem Wohnhaus am Rande des Kurparks schrieb Max Born gemeinsam mit seiner Frau Hedwig 1958 das Buch „Das Luxus des Gewissens-Erlebnisse und Einsichten im Atomzeitalter“. Max Born hat sich in der Nachkriegszeit immer wieder mit philosophischen und gesellschaftspolitischen Themen Aufmerksamkeit verschafft. Er war sein Leben lang ein enger Freund von Albert Einstein und kämpfte gegen die atomare Aufrüstung, aber nicht gegen die friedliche Nutzung der Atomenergie.

Das Pyrmonter Museum ist dank der Stiftung der Pyrmonter Familie Göhmann im Besitz zahlreicher Bücher zu diesem Thema aus seiner Bibliothek. Zur Stiftung zählt auch ein Arbeitsstuhl von Max Born.

Zu Ehren von Prof. Max Born erhielt aus Anlass seines 100. Geburtstages am 11. Dezember 1982 die Realschule den Titel „Max Born Realschule“. Aus der Idee, Facharbeiten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich alle zwei Jahre mit einem Max-Born-Wettbewerb auszuzeichnen, hat sich leider nichts entwickelt. Max Born nahm in seiner Bad Pyrmonter Zeit auch Teil an Veranstaltungen der Künstlergruppe „arche“, da er an den Künsten und der Musik, die damals noch in einer Vereinigung organisiert waren. Ja, es sind von ihm vor dem Kreis der Arche-Freunde Vorträge zu diversen Themen der Naturwissenschaften überliefert.

Der berühmte, in Bad Pyrmont aufgewachsene Fotograf Heinrich Mehring hatte im Rahmen seiner Abschlussarbeiten an der Bayerischen Staatsakademie für Fotografie in München auch die Aufgabe, „Portrait einer prominenten Persönlichkeit“ zu lösen. Er wählte Max Born als Motiv aus.

Der junge Fotograf hatte auf Geheiß von Max Born gerade zehn Minuten Zeit, das Foto ohne künstliche Lichtquellen in Borns Arbeitszimmer zu machen. Was für ein grandioses Arbeitsergebnis! Das Licht liegt auf dem Kopf und seinen Händen, er sitzt kerzengerade, ist gleichermaßen unnahbar und von souveräner Stärke, aber auch nachdenklich.

Als dieses einzigartige Portrait im Jahre 1969 entstand, hatte sich Max Born bereits entschlossen, Bad Pyrmont den Rücken zu kehren. In einem öffentlichen Leserbrief an die Dewezet begründet er seine Entscheidung. Hier nur der erste Satz: „Schönes Pyrmont, ade! Nicht, weil ich 86 Jahre alt bin und voraussichtlich in Kürze aus dieser Welt verschwinden werde, sondern weil Pyrmont selbst seine Schönheit aufgibt und zerstört, nehme ich Abschied vom schönen Pyrmont“.

Max Born starb am 5. Januar 1970, wenige Tage nach seinem Umzug, in Göttingen.

Der Lions Club Bad Pyrmont hat eine Büste von Max Born, ein Bronzeguss von Margarete Auerbach, im Jahr 1982 für den Brunnenplatz gestiftet. Heute befindet sich diese eindrucksvolle Arbeit im Magazin des Museums. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, dieser Porträt-Büste einen Platz im Kurpark anzubieten. Einen geeigneten Platz gäbe es dafür. Prof. Max Born liebte den Bad Pyrmonter Kurpark über alle Maßen.



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