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Hohe Hürde für Mensaessen-Zuschuss

Ein „bürokratischer Wahnsinn“

BAD PYRMONT. Für 1 Euro pro Tag können Kinder, deren Eltern Anspruch auf Sozialleistung nach dem Bildungs- und Teilhabepaket haben, am Essen in der Mensa des Schulzentrums teilnehmen. Doch bislang nutzen das nur 10 Prozent der 300 Anspruchsberechtigten. Mit der Hilfe der Stadtsparkasse soll sich das ändern.

veröffentlicht am 08.02.2018 um 16:01 Uhr
aktualisiert am 08.02.2018 um 17:50 Uhr

Gut 300 Kinder könnten für einen Euro pro Essen das Angebot der Pymonter Mensa nutzen. Doch zuletzt waren es nur 31, deren Eltern das beantragt haben. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Ein Grund sei der „bürokratische Wahnsinn“, meint Horst Gärtner von der Sozialraum AG. Mit der Hilfe der Stadtsparkasse soll nun eine Kehrtwende eingeleitet werden.

Seit vielen Jahren befasst sich die Sozialraum AG, die sich aus verschiedensten Akteuren wie Schulen, Vereine, Kirchengemeinden und der Stadt zusammensetzt und sich unter anderem der Kinderarmut widmet, mit dem Thema des geförderten Mensaessens. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Zuletzt gab es 31 Kinder, die sich für das Mittagessen angemeldet hatte. Das bedeutet aber nicht, dass diese Kinder auch täglich daran teilnehmen.

„Wir kämpfen seit Jahren gegen die Bürokratie, an der wir aber immer wieder verzweifeln“, berichtet Gärtner, der bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Wochen das Kinder-und Jugendbüro der Stadt leitete und sich seitdem ehrenamtlich für das „Projekt Armut“ engagiert. „Es sind einfach zu viele Akteure am Start, das Antragsverfahren ist ein bürokratischer Wahnsinn“, lautet sein Urteil. Die Bewilligungszeiträume der Eltern seien einfach nicht an den schulischen Alltag gekoppelt, sondern völlig individuell. Folge: Viele Elternverzichten auf den Zuschuss. Aber selbst ein Euro können für manche Eltern eine finanziell zu hohe Hürde sein. „Das sind 20 Euro im Monat und das ist für einen Hartz-IV-Empfänger viel Geld“, macht Gärtner klar.

Ein Beispiel aus Uslar brachte ihn und seine Mitstreiter auf den richtigen Weg. Seit Februar 2014 können BuT-berechtigte Kinder und Jugendliche in 13 Schulen und Kindergärten in Uslar und Bodenfelde kostenlos und unbürokratisch am Mittagessen teilnehmen. Mit dem Projekt „Jeder isst mit“ hat das Forum Kinderarmut, das zum Diakonischen Werk gehört, dort bisher mehr als 50 000 Mahlzeiten finanziert. Dabei werden Schulmahlzeiten für Kinder ermöglicht, deren Eltern den Eigenbeitrag von einem Euro pro Kind und Mahlzeit nicht aufbringen können. „Die Zahlen sind seit dem Einstieg des Forums förmlich nach oben geschossen“, hat sich Gärtner in Uslar informiert.

In Bad Pyrmont übernehmen nun die Stadtsparkasse und ihre Stiftung je zur Hälfte die Finanzierung und stellen 7000 Euro für dieses und das nächste Schulhalbjahr zur Verfügung. Als Startfinanzierung bezeichnete Sparkassenvorstand Martin Lauffer die Zahlung und stellte auch einen Nachschlag in Aussicht für den Fall, dass das Geld nicht reichen sollte. „Da werden wir einen unbürokratischen Weg finden, denn das ist eine richtig gute Sache.“ Das könnte schneller gehen als gedacht, denn Claudia Richter vom Kinder- und Jugendbüro hat die Kindergärten im Stadtgebiet angeschrieben, um dort BuT-berechtigte Kinder abzufragen.

Die erste Reaktion der Eltern stimmt optimistisch. Vergangene Woche bekamen sie die Information, dass ihr Eigenanteil von 1 Euro pro Essen vorerst wegfällt. „Wir haben innerhalb kürzester Zeit 20 Anmeldungen mehr als sonst“, berichtet Hartwig Henke, Leiter der Herderschule, in der Grund- und Hauptschüler unterrichtet werden. Abzuwarten bleibt, wie viele Eltern der Realschule und des Gymnasiums reagieren werden.

Doch auch künftig wird es ohne Antrag nicht gehen. Das soll aber miterledigt werden, wenn die Eltern bei den Schulen Lernmittelfreiheit beantragen. „Dann kann dort auch beim Essen gleich ein Haken dran gemacht werden“, so Gärtner.

Information

Dienstag ist Spitzentag

Die Lippische Kombi-Service eGmbH (LKS), ein integrativer Betrieb, der Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt, kümmert sich seit 2014 im Auftrag der Stadt Bad Pyrmont um das Essen in der Mensa. Seitdem sind die Zahlen wieder gestiegen, die zuvor wegen mangelnder Qualität von täglich 150 auf 15 Essen pro Tag förmlich abgestürzt waren. „Im Durchschnitt werden hier 190 Essen täglich ausgegeben“, berichtet Bürgermeister Klaus Blome zufrieden. Spitzentag sei der Dienstag mit durchschnittlich bis zu 270 Essen. Warum das so ist, kann man sich bei der Stadt allerdings nicht erklären. Essen können in der Mensa nicht nur Schüler und Lehrer, sondern auch Mitarbeiter der Stadt, der Stadtwerke und der Polizei und aktuell auch Handwerker, die auf der benachbarten Baustelle des Gymnasiums arbeiten. Für 3,50 Euro können sie sich ihr Menü an einem Buffet zusammenstellen.uk

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