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Was Bad Pyrmonts Behindertenbeirat von der Netz AG erhofft

Ein Brief an die Bahn

Bad Pyrmont. Eigentlich sollte es ein geharnischter Brief werden, den Bad Pyrmonts Beirat für Menschen mit Behinderungen der Bahn schicken wollte. Denn in letzter Zeit erfährt das Gremium immer wieder von schlechten Erfahrungen, die insbesondere gehandicapte Fahrgäste mit dem Unternehmen machen (wir berichteten).

veröffentlicht am 15.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Doch nun hat in dem Schreiben nicht der erste Groll über konkrete Ärgernisse die Feder geführt. Vielmehr setzen der Beiratsvorsitzende Bernd Plöger und sein Team auf Diplomatie. Und sie richten ihre Beschwerde zunächst l an den Regionalbereich Nord der Bahn-„Netz AG“. Erst, wenn die zuständigen Mitarbeiter dort die Pyrmonter Probleme nicht beheben können, will sich die Behinderten-Lobby aus der Kur-stadt an die Direktion wenden.

„Wir wissen, dass Menschen ohne Behinderung oft die notwendige Sensibilität fehlt, die Notwendigkeit einer Hilfeleistung zu erkennen“, schreibt Bernd Plöger. Zugleich zeigt er den Widerspruch zwischen dem Service-Anspruch der Bahn und der Realität auf dem Bahnsteig auf. So zitiert er das Unternehmen mit dem Satz: „Menschen mit Behinderungen stellen eine bedeutende Kunden- und damit Zielgruppe dar, deren spezifische Bedürfnisse jetzt und in Zukunft grundsätzlich berücksichtigt werden.“ Rollstuhlfahrer, die – vom Lokführer übersehen – der abfahrenden S-Bahn hinterhersehen oder nicht mitgenommen werden, weil im Zug eine Rampe fehlt, um den trotz ausklappenden „Überbrückers“ vorhandenen Spalt zwischen Zug und Bahnsteig zu überwinden, haben es laut Plöger „noch immer schwer“ am Pyrmonter Bahnhof. Bis – wie von der Region Hannover als Auftraggeberin avisiert – sämtliche Bahnen der Linie S5 mit Klapp-Rampen ausgerüstet werden, hält der Behindertenbeirat die persönliche Hilfestellung durch die Lokührer für „zwingend erforderlich“. Deshalb bittet er die Netz AG, „auf Ihr Personal einzuwirken, Augen und Herz zu öffnen und die notwendige Sensibilität zu entwickeln, für die Mitmenschen, die es ohnehin viel schwerer haben als Andere“.

Allerdings sehen Plöger und seine Mitstreiter mit Blick auf die Rampen ein weiteres „Dauerproblem“ kommen: Ein Lokführer, der bei Bedarf für einen Rollifahrer aussteigen und die Rampe auslegen muss, gerät in Zeitnot. Denn die Züge in Richtung Hameln haben gerade einmal 60 Sekunden Haltezeit im Plan.

Für dieses Problem hat der Pyrmonter Beirat zwar keine Lösung. Wohl aber macht er der Bahn einen Vorschlag, damit jeder weiß, wo er hingucken soll: Ein „Meeting Point“ eigens für Hilfebedürftige auf dem Bahnsteig. „Weggucken ist dann nicht mehr möglich“, schreibt Bernd Plöger.

Ein weiteres Augenmerk sowohl des Behinderten- als auch den Seniorenbeirats gilt dem Fahrstuhl: Weil Hinweisschilder auf den Lift noch immer fehlen, sehen die Autoren „Ortsunkundige unnötigerweise in Gefahr gebracht“. Denn so mancher mit Gepäck belastete ältere Mensch habe den Aufzug schon übersehen und sich die Treppe hochgequält.

Auf die letzte Bitte hat die Bahn übrigens blitzschnell reagiert: „Der Service hat uns mitgeteilt, dass die Beschilderungen für den Fahrstuhl genehmigt sind und angebracht werden“, freut sich Bernd Plöger.

Weil der Fahrstuhl auf dem Pyrmonter Bahnhof so dezent und ohne jeden Hinweis in der Ecke steht, haben viele Fahrgäste ihn laut Behinderten- und Seniorenbeirat schon übersehen. Jetzt sollen Schilder auf ihn aufmerksam machen. Foto: jl



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