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Was Titus Malms über die 350 Jahre alte Hauptallee zu erzählen weiß

Ein Boulevard zum Verlieben

BAD PYRMONT. Im Juli 1797 schrieb der Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. in Bad Pyrmont Modegeschichte und sorgte für die Sensation der Saison: Anlässlich einer Aufführung von Glucks „Iphigenie in Aulis“ trug die Majestät statt der damals üblichen Kniebundhosen erstmals lange, bis zu den Schuhen reichende Beinkleider – was sich später als „Pyrmonter Mode“ auch in Berlin durchsetzte.

veröffentlicht am 06.09.2018 um 18:18 Uhr

Die Hauptallee – hier eine Ansicht aus dem 18. Jahrhundert – war schon immer ein Ort der Begegnung. foto: © Staatsbad Pyrmont

Autor:

Karin Heininger.
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Und ein weiteres Mal durchbrach der König die damals übliche steife Etikette, als er einen ihm unbekannten Gast auf der Hauptallee ansprach und sich folgender Dialog entspann: „Vergnügungsreise?“ „Nein, Kurgast“. „Militär?“ „Magnat“. „Gut“. Dann fragte der Gast seinerseits: „Diplomat?“ „Nein, König“. „Gratuliere“.

Solche und andere kleine Episoden rund um die Hauptallee, Pyrmonts schönen Boulevard der Begegnungen, hat Titus Malms aus seiner offenbar unerschöpflichen Sammlung seltener literarischer Dokumente zusammengetragen – eine Hommage zum diesjährigen 350. Geburtstag der Hauptallee, der ansonsten auf offizieller Ebene eher im Stillen gefeiert wird.

Dabei bietet die Allee eine Fülle von Geschichten, „die erzählt werden müssen“, wie Malms betont. „Von den höchsten Fürstlichkeiten bis zum niederen Adel, vom aufgeklärten Bürgertum bis hin zu Grethi und Plethi: All ihre Taten und Träume finden sich in einer Vielzahl von überlieferten Quellen wieder“, versichert der im Erforschen von Geschichte(n) versierte Pyrmonter, der schon ein Buch über die Hauptallee verfasst hat.

Der Ort war auch immer gut für Herzensangelegenheiten. „Im Laufe der Zeit anvancierte Bad Pyrmont zu einem beliebten Heiratsmarkt. Noch 1916 meinte der Dramatiker Herbert Eulenberg, dass es in Deutschland kaum ein geschmackvolleres und gewählteres Milieu geben würde, um sich zu verlieben oder zu verloben, als Bad Pyrmont. Die Allee und die Liebe – ein endloses Kapitel“, sagt Malms. Bekanntes Beispiel: die Liebesgeschichte zwischen Herzog William von Clarence, dem späteren König Wilhelm IV. von Großbritanien, und Caroline von Linsingen, die ein unglückliches Ende nahm.

In einem Buch aus dem sinnenfrohen Rokoko fand Malms die Geschichte einer untreuen Ehefrau, die sich zu helfen weiß, als ihr Mann sie mit dem Liebhaber im Bett erwischt. Sie reißt sich die Nachthaube vom Kopf, stülpt sie dem Geliebten über und lässt so den gehörnten Ehemann glauben, es handle sich um eine ihr bekannte Dame.



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