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Beim Themenabend der CDU wird sich über die Zukunft des Handwerks gesorgt

Ein Beruf „zweiter Klasse“?

LÜGDE. „Die Schulen müssen mehr Stoff vermitteln.“ „Die Schulen müssen anderen Stoff vermitteln.“ „Die Schulen sollen strenger benoten.“ Beim Themenabend zur Zukunft des Handwerks, zu dem die Lügder CDU eingeladen hat, war ein Schuldiger schnell ausgemacht: das Schulsystem. „Das gaukelt jedem vor, er sei großartig genug, um zu studieren“, beklagte sich Friedrich Hundertmark über den „Abiturisierungswahn“, der dem Handwerk den qualifizierten Nachwuchs wegnehme und an die Hochschulen dränge.
Der Landtagsabgeordnete Walter Kern, der wieder für die CDU ins Rennen geht, stellte den Gästen seinen Kollegen Hubertus Fehring vor, der in der Enquetekommission des Landtags saß, die sich die letzten zwei Jahre mit den Herausforderungen beschäftigt hatte, vor denen das Handwerk angesichts fortschreitender Digitalisierung stehe.

veröffentlicht am 23.04.2017 um 23:00 Uhr

Diskutieren beim Themenabend der CDU: Der ehemalige Landrat Friedel Heuwinkel (3. v. li.), die Bundestagskandidatin Kerstin Vieregge (4. v. li.), der Landtagsabgeordnete Walter Kern (5. v. li.), der Vorsitzende der Lügder Ratsfraktion Thomas Blum (Mi
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Walter Kern wusste um die Bedeutung eines hohen Berufsimages, das neben persönlichen Neigungen, Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten entscheidend sei für die Berufswahl. Gemeinsam erinnerten sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde an alte Zeiten, in denen Pfarrer, Lehrer und Ärzte aber auch die Handwerksmeister ein respektables Ansehen in der Gemeinde genossen. Einig war man sich auch, dass man derzeit davon weit entfernt sei. „Zudem haben wir im Rahmen der EU-Euphorie 50 Berufe aus dem Kanon der Handwerksberufe genommen, für die eine Meisterpflicht besteht“, erinnerte Kern und erklärte, dass das wieder zurückgenommen werde. „Denn gerade das duale Ausbildungssystem, um das uns viele andere Länder beneiden, und das sogar in China kopiert werden soll, sichert uns genau den Mittelstand, der für die gute Qualität der Produkte und damit für den hohen Lebensstandard in Deutschland verantwortlich ist“, stellte Hubertus Fehring fest. „Da schießen Hausmeisterservice aus dem Boden und machen alles viel billiger“, ärgerten sich einige der anwesenden Handwerksmeister darüber, dass die auch noch Dinge machen, die sie gar nicht machen dürfen.

Der Vorsitzende der Lügder Ratsfraktion der CDU, Thomas Blum, nahm auch manchen Meisterbetrieb gegen vermeintliche Billigkonkurrenz in Schutz: „Wenn alles hineingerechnet wird, von der Beratung über die Durchführung bis hin zur Nachsorge, ist die Profi-Arbeit deutlich günstiger zu bewerten, als ein zunächst hoher Stunden- oder Stücklohn dies auf den ersten Blick vermuten lässt.“ Da andererseits der Boom der Baumärkte nicht zu reihenweise einstürzenden Häusern und durchgeschmorten Elektroschaltanlagen führt, mussten die Meister auch einsehen, dass höchste Perfektion von manchen schlicht nicht bezahlbar sei. Auch wenn der Kunde einsieht, dass viele Kosten wie Versicherungen, Steuern und Abgaben jede Handwerkerrechnung deutlich erhöhen, kann er sich den Handwerker nicht immer leisten.

Blum befürchtete, dass in den kommenden zehn Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden, der mangelnde Nachwuchs viele Handwerksbetriebe in die Knie zwinge. „Das geht schon in den Inhaberfamilien los, die ihre Kinder lieber mit den Worten auf die Uni schicken: Du sollst’s mal besser haben als wir.“, erklärte auch ein Meister, warum bald viele Firmen schließen werden. Und das werde die wirtschaftliche Kraft Deutschlands, mit der es sich auf dem internationalen Markt derzeit souverän behaupte, nachhaltig schwächen, befürchtete Blum. Auch der ehemalige Landrat Friedel Heuwinkel betonte die Bedeutung des Handwerks neben der Industrie für den Standort Deutschland. Deshalb bedauerte der Busunternehmer Jörg Brinn den fehlenden gesellschaftlichen Anreiz für eine Karriere als Handwerker. „Das höre ich immer wieder, wenn ich den Bus voller Schüler habe. Sie sehen das Handwerk als Beruf zweiter Klasse.“ Ob sich das Dilemma dadurch lösen lasse, dass es zum einen gut qualifizierte Handwerker gebe, die auch komplizierte Berechnungen ausführen können und andere, die dann nur Pflichtenhefte abarbeiten und ihr Geschick mit den Händen unter Beweis stellen, wurde zumindest als Frage in den Raum gestellt, die auch die Bundestagskandidatin Kerstin Vieregge notierte.

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