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Der junge Pianist Sam Armstrong überzeugt mit Sensibilität und Kraft

Ein Ausnahmekünstler am Klavier

Bad Pyrmont. Mit dem jungen englischen Pianisten Sam Armstrong präsentierte die Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ angeblich ein „bedeutendes neues Talent“. Doch mit seinem furiosen Auftritt am Samstagnachmittag im kleinen Saal des Konzerthauses bewies Armstrong, dass er eher ein Ausnahmekünstler und über das Talentstadium weit hinaus ist.

veröffentlicht am 04.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:35 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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Das zunächst etwas irritierende Programm von Schubert über Ravel, Skrjabin und Alban Berg bis hin zu Johannes Brahms erwies sich als wohldurchdacht. Franz Schuberts Klaviersonate „A-Dur D 664 op. posth. 120“ geriet zu einem technisch brillanten, einfühlsamen Einstieg. Dieses 1819 fertiggestellte Werk hatte Schubert der Josephine von Koller aus Steyr gewidmet, die der 22-Jährige verliebt als „sehr hübsch“ und „gute Pianistin“ beschrieb. Diese Leichtigkeit und frühlingshafte Stimmung vermochte Armstrong hervorragend zu interpretieren. Der Übergang in den tonmalerischen Impressionismus gelang ihm ebenfalls vorzüglich. „Jeux d´Eau“ von Maurice Ravel perlte, hüpfte und rauschte so sehr, dass die Assoziation zu Wasserspielen in den gut fünf Minuten fast zwangsläufig entstand. Da passte die voll klingende und ihrer Zeit voraus eilende „Ètude Nr. 1 c-Moll „ aus „Études op. 2“ von Alexander Skrjabin gut an diese Stelle, gefolgt von dessen „XII Patetico dis-Moll op. 8; 12“. Gespannt durfte man daher auf die „Klaviersonate h-Moll op. 1“ von Alban Berg sein, die nach der Pause folgte. Da erwies sich, dass dieser einst heftig umstrittene große Neuerer der Musik des 20. Jahrhunderts mit seiner konstruktiven Strenge und höchst klangsinnlichem Ausdruck auch das kritische Pyrmonter Publikum überzeugen konnte.

Sam Armstrong überzeugte gleichermaßen. Seine sensible und kraftvolle Interpretation sowie seine sympathische Präsenz ließ die Zuhörer in die klassische Moderne eintauchen. Mit der „Sonate Nr. 3 f-Moll op. 5“ von Johannes Brahms erhielt das Konzert einen mächtigen Abschluss aus der Hochromantik.

Sam Armstrong lieferte im Konzerthaus einen Parforceritt über die Tasten, wobei besonders der dritte Satz „Scherzo“ und der vierte „Intermezzo“, der ein Trauermarsch ist, beeindruckten. Mit starkem Beifall zeigte das Publikum, dass es dieses Konzert wahrhaftig genossen hat, und veranlasste den bescheiden dankenden Pianisten zu einer kleinen aber feinen Zugabe.



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