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Was ist das denn für ein Ort?

Ehemaliger jüdischer Friedhof Am Helsen erhielt erstmalig eine Informationstafel

BAD PYRMONT.Selbst bei Einheimischen ist der ehemalige jüdische Friedhof weit außerhalb der Stadtbebauung, zwischen dem Langen Grund und der Nordstadtsiedlung im freien Feld gelegen, eher ein unbekannter Ort. Selbst Bürgermeister Klaus Blome bekundet anlässlich der offiziellen Übergabe einer Informationstafel, hier noch nie gewesen zu sein.

veröffentlicht am 16.09.2021 um 14:30 Uhr

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Es lag wohl auch in dem besonderen Interesse des NSDAP-Bürgermeisters Zuchold, wie der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom vermutet, für ein weiteres Verdrängen der jüdischen Bewohner aus dem Bewusstsein der Pyrmonter Bevölkerung zu sorgen.

Mit einem recht einseitigen und zum Nachteil der jüdischen Gemeinde eingefädelten „Tauschgeschäft“ sorgte Zuchold dafür, dass der zum Zeitpunkt des Handelns wohl mehr als 200 Jahre in Pyrmont befindliche jüdische Friedhof an der Bombergallee gegen die wesentlich kleinere Fläche außerhalb der Stadt getauscht wurde.

Mitte der 90er Jahre sorgte der Holzhäuser Heimatforscher Heinrich Rostmann dafür, dass der jüdische Friedhof an der Bombergallee wieder in das Gedächtnis der Stadt wanderte. Annähernd 70 vergrabene Grabsteine wurde auf seine Initiative unter der oberen Schicht des Erdreichs sondiert, ausgegraben und restauriert an ihren Grabstätten wieder aufgestellt. Seitdem findet dort alljährlich ein Gedenken an die Pogromnacht des 9. auf den 10. November 1938 statt.

Dass nun der wesentlich kleinere jüdische Friedhof, auf dem lediglich vier Bestattungen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgeführt worden sind, ebenfalls von Ortsfremden wie auch von Einheimischen zugeordnet werden kann, ist den früheren Schülerinnen und Schülern der 9a und 9b der Herderschule mit ihrem Lehrer Volker Schönbach zu verdanken. Sie setzten sich seit April diesen Jahres dafür ein, dass am Eingang zu dem Gelände eine Informationstafel Auskunft über diesen Ort gibt.

„Wir waren als Unesco-Schule auf ein Projekt aufmerksam gemacht worden mit dem Hinweis auf eine 1700 Jahre andauernde Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland. Daraufhin haben sich die beiden Klassen auf Spurensuche in Bad Pyrmont begeben und bei dem Besuch des kleinen jüdischen Friedhofs bemerkt, dass es keinerlei Erklärung für diesen Ort gibt“, beschreibt Schönbach die Entwicklung. Das sollte sich nach dem Willen der jungen Leute ändern.

Mit Gelderbloms Unterstützung, der den Text historisch abgesichert verfasste, und dem finanziellen Beitrag des Lions-Clubs mit dem Präsidenten Uwe Malecha gelang es nun, eine Tafel zu erstellen, die jetzt am Eingang zum Friedhof angebracht wurde und über den Ort informiert. Ergänzend hierzu wird wohl noch ein Hinweis zu Beginn des Weges gefertigt, damit Interessierte auch den Weg zu der Begräbnisstätte finden können.



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