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Neue Funkfrequenzen für schnelles Internet könnten bald auch die Übertragungen in Lügde stören

Drahtlose Übertragung bald im Stimmbruch?

Lügde (jch). Die Aufführung des lange geprobten Theaterstückes in der Aula der Johannes-Gigas-Schule läuft. Der Saal ist voll, die Schauspieler sind bei der Premiere unter voller Anspannung. Damit der Ton bis in die letzte Reihe gut zu verstehen ist, sind die Darsteller mit Headsets ausgestattet. Drahtlos, versteht sich. Auf einmal wird der gerade begonnene Monolog auf der Bühne unterbrochen. Kein Wort kommt mehr durch die Lautsprecher, stattdessen ein lautes Piepen wie von einem Faxgerät.

veröffentlicht am 12.01.2011 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 21:21 Uhr

Insgesamt 13 Funkmikros und Headsets gibt es an der Johannes-Gigas-Schule. Bald könnte es mit der Übertragung schwierig werden.
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Ein Szenario, das sich nach einem Schülerstreich anhört. Tatsächlich könnte es in Zukunft zu solchen Störungen kommen – und das ganz ohne die kriminelle Energie eines Schülers. Denn die Funkfrequenzen für drahtlose Mikrofone werden bald auch für den Internetdatenverkehr der Mobilfunkunternehmen genutzt.

Die Bundesnetzagentur hat die Funkfrequenzen, die nach dem Ende des analogen Fernsehens frei wurden, versteigert. Insgesamt 4,4 Milliarden Euro brachte der Bieterwettstreit ein. Was offenbar vergessen wurde: Die Frequenzbereiche werden auch für drahtlose Mikrofonübertragungen genutzt. So kann es in Zukunft sowohl zu Störungen im Datenverkehr als auch auf den Bühnen mit drahtloser Technik kommen.

Oliver Jösten, an der Johannes-Gigas-Schule in Lügde verantwortlich für die Technik, kennt das Risiko, das die Doppelbelegung der Frequenzen birgt. „Durchaus könnte es zu Störungen kommen, aber bisher sind die Mobilfunkanlagen ja noch nicht in Betrieb“, sagt Jösten. Die Bundesnetzagentur hat mittlerweile Entschädigungszahlungen für Besitzer von drahtlosen Funkanlagen in Aussicht gestellt. Diese sollen die Kosten für etwaige Umrüstungen auffangen. Ob die Fraktionen im Bundestag diese Zahlungen beschließen, steht zurzeit aber noch in den Sternen. Auch werde die Schule eher nicht von diesen Zahlungen profitieren, da „unsere Funkstrecken bei der Bundesnetzagentur nicht angemeldet sind“, sagt Jösten.

Oliver Jösten ist für die drahtlose Technik verantwortlich. Foto: jch

Nicht nur die Johannes-Gigas-Schule wird von der neuen Nutzung der Frequenzen betroffen werden. Auch die Marktscheune in Elbrinxen verwendet drahtlose Funkstrecken, um dem Kabelsalat auf und hinter der Bühne zu entgehen. Ihr Sprecher Oliver Jürgens hat von den zu erwartenden Problemen mit den Störungen gehört. „Bisher haben wir uns damit aber noch nicht weiter auseinandergesetzt“, sagt er. „Aber es wird langsam Zeit, dass wir das angehen.“

Auch vor den Kirchen in der Region machen die Interferenzen nicht Halt. Sollte die Stimme des Gottesmannes per Funk an die Lautsprecher in der Kirche übertragen werden, muss auch hier für viel Geld nachgebessert werden.

Dann müssen Verstärker für jede einzelne Funkstrecke in den Anlagen installiert werden. Große Theater rechnen mit Kosten in Höhe von 2000 Euro pro Verstärker. Damit kämen auf die Johannes-Gigas-Schule mit 13 Funk-Mikros Kosten in Höhe von 26 000 Euro zu.



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