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Zweifel an Umsetzung von Maßnahmen

Dorfentwicklung hat Großes vor

BAD PYRMONT/GROSSENBERG. Mit der Aufnahme in das Niedersächsische Förderungsprogramm zur Dorfentwicklung schien sich ein Konzept für die Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen für die Dorfbevölkerung in den Pyrmonter Bergdörfern am Horizont abzuzeichnen.

veröffentlicht am 27.10.2017 um 13:53 Uhr

Die Vermittler des Dorfentwicklungsplans (v. li. n. re.): Dipl. Ing. Linda Bode, Thomas Goretzki, Kai Herten vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL), Bürgermeister Klaus Blome, Projektleiter Hans-Georg Koesling. foto: rr
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Rudi Rudolph Reporter
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Doch ob diese Einschätzung nach der 2. Bürgerversammlung zum Dorfentwicklungsplan tatsächlich noch besteht, steht in den Sternen.

Denn so war das Dorfgemeinschaftshaus in Großenberg mangels Interesses am Mittwochabend nur halb besetzt, darunter die Ortsvorsteher der Bergdörfer, was von Bürgermeister Klaus Blome auch durchaus bemerkt wurde. Irgendwo scheint sich das Interesse zwischen geplanten Projekten und der finanziellen Realität doch zu verlieren, summierte doch Eichenborns Ortsvorsteher Wolfgang Mergel die zu stemmenden Investitionen auf „rund 600 000 Euro, und da bleiben Zweifel bei den Bürgern an der Umsetzung. Denn die finanzielle Situation der Stadt ist nicht ganz rosig, und da bleiben dann zum Schluss ein oder zwei Maßnahmen, die realisiert werden können.“

In der Tat purzelten nur so die Eurosummen, die Dipl. Ing. Linda Bode des beauftragten Planungsbüros forum k mitteilte, während sie die zahlreichen Maßnahmen abspulte, die sie in einer Powerpoint-Präsentation zur Dorfentwicklung vortrug. Das sah alles recht logisch und notwendig für eine Erhaltung der dörflichen Struktur mit einer adäquaten Anpassung an die Erfordernisse der Zukunft aus.

Rückgang der Bevölkerungszahl, Anstieg der älteren Altersgruppen über 65 Jahre, Behebung der Leerstände, Chancen der Mobilisierung für Ältere, Erhaltung der dörflichen Architektur, alles das hatte Dipl. Ing. Hans-Georg Koesling in der Planung des Büros berücksichtigt, doch das verband sich jeweils mit hohen Summen, die neben den Förderungsmitteln seitens des Landes und möglicherweise auch der EU zu stemmen sein würden. Denn für private Investitionen könne, so Kai Herten vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL), eine Förderung von 33 Prozent erwartet werden, für öffentliche angestoßene Projekte 63 Prozent.

Damit verbleibt ein sehr erheblicher Faktor, der aus dem ohnehin klammen Säckel der Stadt Bad Pyrmont finanziert werden müsste. Und so fiel die Antwort von Bürgermeister Klaus Blome auf Wolfgang Mergels Einwand recht diplomatisch dürftig aus. „Die Grundschule Baarsen hat in der gegenwärtigen Haushaltssituation Priorität. Und wir werden nicht alles umsetzen können.“ Damit bleibt die Verwirklichung der in den bisherigen Sitzungen, Arbeitskreisen, Ortsbegehungen, der Planungswerkstatt, der Besprechung zum Thema Bürgerbus mit dem Landkreis und der laufenden Informationsaustausche vorläufig noch ohne Konsequenz, auch wenn Hans-Georg Koesling versuchte, den Spannungsbogen hoch zu halten.

„Es ist ein langer Weg, aber auch eine einmalige Chance. Sie müssen den Antrag auf Förderung stellen, und er muss überzeugend sein. Man muss sich darauf einlassen und wagen, denn die vielen Maßnahmen werden die Bergdörfer nach vorne bringen.“ Ob es damit gelingt, Leerstände zu revitalisieren, Dörfer in ihrer Substanz zu erhalten, die Mobilität zu fördern und den Tourismus darauf zu lenken, muss sich zeigen.

Der Erhalt eines Glockenturms, die Erfindung eines neuen Logos oder die Etablierung eines Bürgerbus-Systems, das etwa in Lügde schon lange erfolgreich praktiziert wird, die dörfliche Begrünung oder die Verlegung einer Bushaltestelle in Kleinenberg machen noch längst nicht die Rettung einer dörflichen Bergregion aus.

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