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KVN-Vertreterin sieht „Super-Vollversorgung“ mit Fachärzten, Zuhörer schildern andere Erfahrungen

Diskussion hinterlässt frustrierte Patienten

Im Gespräch (v.li.): Dr. Hans-Hermann Zimny (Ärzteverein), Dr. Edith Danda (Kassenärztlichen Vereinigung), Hans-Joachim Mahlke (DAK), Werner Klein (AOK), Eberhard Weber (Stadt Bad Pyrmont) und Werner Lange (Senioren-Union) .Fotos: Hei

veröffentlicht am 08.02.2009 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 18:21 Uhr

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Bad Pyrmont (Hei). Eigentlich geht es den Pyrmontern noch ganz gut, weil es vielen anderen anderswo wesentlich schlechter geht, was die fachärztliche Versorgung vor Ort betrifft. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelten einige Experten, die von CDU-Senioren-Union und Stadtverband der Partei zu einer Diskussions-Veranstaltung in die Gaststätte Altes Zollhaus eingeladen worden waren.

Immer wieder werde die Senioren-Union auf den Mangel an Ärzten bestimmter Fachbereiche angesprochen, argumentierte Vorsitzender Werner Lange. Die Kassenärztliche Vereinigung habe auf Anfrage mitgeteilt, dass der Kreis Hameln-Pyrmont mit 110 Prozent überversorgt sei, was eine Zulassungssperre für praktisch alle Facharztbereiche nach sich ziehe.

Doch die Senioren-Union wollte es genauer wissen – und mit ihr viele Bürger, denn die Veranstaltung war gut besucht. Die Besucher nahmen kein Blatt vor den Mund, schilderten negative Erfahrungen von langen Wartezeiten und machten ihrem Ärger Luft. Dabei sprachen durchaus nicht alle nur für sich, sondern machten sich auch zum Anwalt von Behinderten und Bedürftigen, denen eine Fahrt zu den Hamelner Fachärzten nicht immer zuzumuten sei. Angesichts der Altersstruktur in Bad Pyrmont (35 Prozent sind über 60 Jahre) bestehe besonderer Handlungsbedarf, fand Werner Lange, der auf besondere Defizite bei Rheumatologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Diabetologen und Augenärzten verwies.

Die Diskussion fand viele aufmerksame Zuhörer.
  • Die Diskussion fand viele aufmerksame Zuhörer.

Wie viele Mediziner pro Fachgebiet und Einwohner zugelassen werden, sei eine Sache der Bedarfsplanung, betonte die Sprecherin des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Dr. med. Edith Danda. Ein möglicher Sonderbedarf müsse von einem Ausschuss aus Vertretern der KVN und der Krankenkassen geprüft werden. ,,Für Bad Pyrmont besteht eine Super-Vollversorgung,“ sagte die Ärztin wörtlich. Man müsse sich vielmehr Sorgen machen um den allgemeinen Ärztemangel, der in wenigen Jahren spürbar werde.

Antrag der m&i-Klinik

vor zwei Jahren abgelehnt

Ähnlich sahen dies auch der Regionaldirektor der AOK, Werner Klein, und der Vertreter der DAK Hannover, Hans-Joachim Mahlke. Sie machten die Situation der Mediziner deutlich, die als Freiberufler ihren Standort nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten wählen müssten und bei der beantragten Niederlassung eines Fachkollegen ein Veto einlegen könnten.

Erstaunt hörten die Besucher der Veranstaltung ein Statement von Peter Middel, Geschäftsführer der m&i-Klinik. Er habe vor zwei Jahren einen kassenärztlichen Antrag auf Zulassung eines Rheumatologen seiner Klinik gestellt, dieser Antrag sei aber abgelehnt worden. Ihm gaben die Experten den Rat, den Antrag zu wiederholen, denn eine Zulassung für einen Rheumatologen, der hier schon in einer Klinik arbeitet, ,,das müsste gehen“.

Ein Silberstreif am Horizont – so sahen es einige Diskussions-Teilnehmer. Viel mehr konnte den Bürgern nicht in Aussicht gestellt werden. Einen Hinweis der Experten, dass die Stadt die nötigen Voraussetzungen schaffen müsse, um den Standort für Ärzte attraktiv zu machen, konterte Katrin Drinkuth (CDU): ,,Es ist nicht die Aufgabe der Kommune, Fachärzte zu suchen“. Es nützte wenig, dass Hans-Joachim Mahlke die Vermutung zurückwies, Privatpatienten bekämen eher Termine als Kassenpatienten, und dass der Erste Stadtrat Eberhard Weber versicherte, die Versorgung in anderen Städten sei noch schlechter. Am Ende gingen viele Besucher frustriert nach Hause – im Ohr wohl noch die Bemerkung von Dr. Danda: ,,Sie haben die Gesundheitspolitik, die Sie gewählt haben!“



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