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Warum das Staatsbad auf elektronische „Pyrmont Card“-Abrechnung umstellt

Digital in die Zukunft

Früher zahlten Kurgäste und Urlauber in Bad Pyrmont Kurtaxe und bekamen eine Kurkarte. Das System wurde schon 2007 auf Kurbeitrag und „Pyrmont Card“ umgestellt. Jetzt erfasst das digitale Zeitalter das Abrechnungssystem: Die „Pyrmont Card“ wird elektronisch – in einem laut Staatsbad wegweisenden Projekt (jl)

veröffentlicht am 10.02.2016 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:47 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bad Pyrmont. Schöne neue Welt: Die Digitalisierung des Lebens macht vor der Pyrmonter Gesundheitswirtschaft nicht halt. Die „Pyrmont Card“, die 2007 die Kurkarte ablöste, gibt‘s jetzt auch in einer elektronischen Version. Statt der kleinen Pappzettel bekommen die Nutzer nun Plastik-Tickets im Scheckkartenformat. Den über elektromagnetische Wellen beschreib- und auslesbaren RFID-Chip (die Abkürzung steht für „radio frequency identification“) füttern die an dem Programm beteiligten Pyrmonter Hoteliers und Pensionswirte mit den Daten ihrer Gäste.

Dazu legen sie die Karte auf ein vom Staatsbad zur Verfügung gestelltes und an ihren Computer angedocktes kleines Lesegerät. Dann erfassen sie Name, Adresse, Geburtstag, Aufenthaltsdauer und das vom Gast gewünschte Bonus-Paket. Denn noch gibt es vier Karten-Versionen: die Basis-„Pyrmont Card“ (Kurkarte), die „Premium Card“ und die „Platin Card“ sowie die Jahreskarte, auch für Einheimische.

Kurdirektor Maik Fischer sieht das Staatsbad mit der Umstellung in der Gegenwart angekommen und für die Zukunft gerüstet. Er erhofft sich von der Digitalisierung ein deutlich vereinfachtes Abrechnen, wovon auch die Hoteliers profitieren sollen. Bisher müssen sie nämlich am Ende eines jeden Monats beim Staatsbad die von Hand ausgefüllten Meldezettel ihrer Gäste abliefern und die einkassierten Kurbeiträge abgeben. Dort wird dann abgerechnet. Bei 60 000 bis 70 000 ausgegebenen Karten im Jahr ein enormer Aufwand für die Kurverwaltung, der künftig deutlich zusammenschmelzen soll. Ob und wieviele Stellen dadurch eingespart werden könnten, war bei einer Pressekonferenz am Mittwoch kein Thema.

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Mittelfristig werden es auch die Hoteliers einfacher haben: Stehen die Daten eines Gastes erst im System, müssen sie bei seinem nächsten Pyrmont-Besuch nicht neu erfasst werden.

Bequemer machen soll die Plastikkarte auch den Urlaub: So sollen die Nutzer noch in diesem Jahr mit ihren Pyrmont Cards durch die Automaten-Kassen in den Kurpark kommen; bisher brauchen sie dafür eine Extra-Karte. Und spätestens 2017 sollen die Karten für Steigenberger-Gäste auch als Hotelzimmer-Schlüssel funktionieren. Der Einsatz der Digitalausweise als Zahlungsmittel ist zwar ebenfalls noch Zukunftsmusik, aber nicht ausgeschlossen. „Es gibt keine Grenzen, alles ist möglich“, sagt Karsten Stahlhut, Geschäftsführer der Bad Pyrmont-Tourismusgesellschaft. Er spekuliert dank künftig umfassenderer Erkenntnisse über das Nutzerverhalten der Gäste auch auf neue Möglichkeiten für Marktforschung und Marketing. So können die Karten der BPT eines Tages die Chance eröffnen, besondere Angebote direkt auf die Chips zu schalten oder ins „Cross Selling“ einzusteigen. Als Beispiel nennt Stahlhut einen Rabatt für Karten-Inhaber im Drogeriemarkt.

Bisher allerdings können die Pyrmont-Besucher die an die unterschiedlichen Pyrmont Card-Versionen geknüpften Gratis-Angebote und Vergünstigungen so nutzen wie bisher. Die an dem Projekt teilnehmenden Anbieter in der Kur-stadt – vom Café über die Hufelandtherme bis zum Golfclub – rechnen dann digital ab. Die Teilnahme ist allerdings freiwillig. Gastgeber, die zum Beispiel keinen Computer haben, können die Meldezettel weiterhin von Hand ausfüllen und Papierkarten ausgeben, die ihre Gäste auf Wunsch bei der Tourist-Info gegen die Chipkarten tauschen können.

Bisher machen vor allem größere Anbieter mit. „Mehr als 50 Prozent der Betten“ würden aber schon jetzt, kurz nach dem Start, digital abgerechnet, schätzt BPT-Chef Stahlhut.

Für Staatsbad-Geschäftsführer Fischer gleicht die Umstellung einem Sprung in die Neuzeit – mit enormen Optionen für die Zukunft. Manch anderer Kurort in Deutschland verwaltet seine Kunden zwar längst elektronisch. Und doch sieht Fischer Bad Pyrmont nun in einer Vorreiterrolle. Denn die jetzt hier eingeführte, wegen der vielen Anforderungen und unterschiedlichen einzubindenden Akteure hochkomplexe Digitalisierung haben Staatsbad und Tourismusgesellschaft in einer Entwicklungskooperation mit der aus der TU Braunschweig ausgegründeten „embeddedfactor GmbH“ auf die Beine gestellt. Deren Geschäftsführer Kersten Hentrich und Rolf Meyer sehen die von ihrem Team in Kooperation mit etwa 20 Staatsbad-Mitarbeitern über drei Jahre hinweg erarbeiteten Anwendungen als „Modell für die ganze Branche“. Die Innovation werde auch vom Deutschen Heilbäderverband, der Deutschen Rentenversicherung und dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium mit großem Interesse verfolgt, ergänzt Staatsbad-Chef Fischer. „Im Kern geht es darum: Zuwächse und Mehrertrag. Und das ist doch nur gut für Bad Pyrmont“, findet er. Das Projekt schaffte es bei einigen Innovations- und Gründer-Wettbewerben bereits auf die vorderen Plätze.

Probleme mit dem Datenschutz fürchten die Macher übrigens nicht. Man habe das Projekt beizeiten durch einen externen Datenschützer prüfen lassen, sagt Maik Fischer. „Wir dürfen die Daten nicht für Werbezwecke nutzen.“

Die elektronische Pyrmont Card gibt es – wie bisher – in mehreren Varianten. Solange nicht alle Vermieter an der digitalen Erfassung teilnehmen, wird das alte Papiermodell parallel weitergeführt. jl (2)



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