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Wie sich der Pyrmonter Lebensmittelhandel auf die älter werdende Kundschaft einstellt

„Dieser Laden ist für mich einfach Gold wert“

Bad Pyrmont. Nachdem mit Lidl der letzte Lebensmittel-Discounter aus dem Innenstadtbereich verschwunden ist, sieht es schlecht aus für ältere Bewohner der Kernstadt, die sich zu Fuß, mit Rollator oder Elektroscooter mit Lebensmitteln versorgen müssen.

veröffentlicht am 09.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 16:21 Uhr

Vielseitiges Sortiment auf engem Raum: Elisabeth Bormann in ihre

Autor:

Karl-Heinz Recklebe
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Aber es gibt sie noch, die Läden im Zentrum, die auf überschaubarer Fläche ein überraschend großes Angebot für ihre Kunden bereithalten. Elisabeth Bormann betreibt in der Brunnenstraße 12, gleich neben dem Textilhaus Schwager ein Lebensmittelgeschäft mit 18 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ihr Angebot richtet sich speziell auch an die ältere Kundschaft. „Dieser Laden ist für mich Gold wert“, sagt Eleonora Wehowsky, die sich hier mit Milchprodukten, Obst und Gemüse eindeckt. „Unsere Stadtpolitiker fühlen sich nicht betroffen, weil die alle mit dem Auto einkaufen“, glaubt sie, „sonst hätten wir längst wieder einen großen Lebensmittelmarkt in zentraler Lage.“ Am Laden von Elisabeth Bormann schätzt sie, dass sie hier auch kleinere Mengen einkaufen kann.

Mit der begrenzten Auswahlmöglichkeit hat sie kein Problem und ist auch bereit, für die gute Erreichbarkeit teils etwas mehr zu bezahlen als im Supermarkt.

Geschäftsinhaberin Bormann nimmt sich Zeit für ihre Kunden. Viele kennt die 57-Jährige mit Namen und nimmt sich oft auch noch Zeit für ein Gespräch. Das schätzt auch Edith Stolze, die besonders die freundliche Bedienung lobt. Das auf der Brunnenstraße ausgestellte Obst und Gemüse kann jeder selber auswählen, muss es aber nicht. Am Tresen oder auf der Straße kann der Kunde seine Wünsche äußern, und alles wird von der Chefin persönlich eingetütet. Das gilt übrigens auch für alle anderen Waren. Und auf Wunsch wird der ganze Einkauf noch am selben Tag kostenlos nach Hause geliefert. „Von den Senioren allein kann ich aber nicht leben“, betont Elisabeth Bormann. „Ich brauche auch die Laufkundschaft aus der Brunnenstraße. Die fehlt im Winter, und dann stimmt mein Umsatz nicht“, weiß sie. Denn der Durchschnittsumsatz pro Kunde liege bei ihr deutlich unter zehn Euro.

Hildegard Dielenschneider ist froh, dass sie den Schmidt-Markt z
  • Hildegard Dielenschneider ist froh, dass sie den Schmidt-Markt zu Fuß erreichen kann. Fotos: khr
Ingeborg Hofmann kommt mit dem Elektroscooter aus der Förstergas
  • Ingeborg Hofmann kommt mit dem Elektroscooter aus der Förstergasse zum Einkauf in die Innenstadt.

Der einzig verbliebene Lebensmittelvollsortimenter in der Kernstadt ist der Schmidt- Markt in der Oesdorfer Straße, nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt. Klaus-Hermann Schmidt führt das seit den 60er Jahren bestehende Geschäft in zweiter Generation. Seit dem Lidl-Wegzug hat er sein Sortiment umgestellt und eine Belebung des Umsatzes festgestellt.

Auch er hält besondere Angebote für seine ältere Kundschaft bereit. „Bei mir bekommt man auch eine einzelne Scheibe Käse oder Wurst“, betont er, und auch bei den Verpackungsgrößen lege er Wert auf die Bedürfnisse der Senioren und Single-Haushalte. Da er an keine der großen Lebensmittelketten gebunden sei, könne er sich im freien Großhandel mit entsprechenden Produkten eindecken.

Ingeborg Hofmann, die mit ihrem Elektro-Scooter zum Schmidt-Markt fährt, ist sehr zufrieden mit dessen Angeboten. „Wenn dieser Markt nicht wäre, sähe es zappenduster aus für uns“, meint sie. Für Kunden, die Probleme haben, sich im Markt zurechtzufinden oder die ihre Waren nicht selbst in den Einkaufswagen legen können, steht bei Schmidt eine Mitarbeiterin bereit, die den Kunden durch die Regalreihen begleitet. Auch das Verpacken der Ware und der tägliche Bringeservice gehören zu seinen Dienstleistungen. Ab 40 Euro Einkauf ist der Service kostenlos, darunter werden zwei Euro berechnet. Wem der Weg zum Markt zu beschwerlich ist, der kann seinen Einkauf auch telefonisch erledigen, oder, so wie es Bewohner der Dana- Residenz machen, einfach nur den Einkaufszettel schicken, ohne extra dafür zu bezahlen.

Aber auch die Discounter auf der grünen Wiese und die ganz Großen im Geschäft wie das E-Center am Ortsausgang in Richtung Thal versuchen, sich auf die Bedürfnisse der älter werdenden Kunden einzustellen. René Brinke, Marktleiter im E-Center, verweist auf das große Angebot an Fertigprodukten und Fertiggerichten, die nur noch aufgetaut oder erwärmt werden müssen. Ein Angebot, das sich gezielt an Senioren und Singles richte. Auch würden immer mehr kleinere Abpackungen ins Sortiment genommen, und im marktinternen Backshop gebe es extra kleine Tortenstücke und Backwaren. Zudem sei geplant, die Schrift auf den Preisschildern an den Regalen zu vergrößern, um sie besser lesbar zu machen.

Aber wie kann man das Angebot nutzen, wenn man kein Auto hat? „Bei uns können Sie alles auch telefonisch bestellen, und eine Bushaltestelle ist direkt vor unserer Tür“, sagt Marktleiter Brinke. Den Bringeservice, egal wieviel, egal wohin, berechnet er mit fünf Euro berechnet.

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