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Was Kinobesucher von der Doku „alphabet“ halten, die sich auf drastische Weise mit dem Bildungssystem auseinandersetzt

„Dieser Film müsste in jeder Schule gezeigt werden“

Bad Pyrmont. Wie lernen Menschen, wie wirkt sich die Art des Lernens auf ihre Persönlichkeit aus und damit auf die gesamte Gesellschaft? Das sind die Fragen, die durch den Dokumentarfilm „alphabet – Angst oder Liebe“, führen, der sich auf drastische Art mit einem überholten Bildungssystem auseinandersetzt. In Zeiten der Diskussion um Inklusion, Integration und einem verkürzten Abitur gibt es Stimmen, Schule und Lernen völlig neu zu denken. In Bad Pyrmont ist der Film zurzeit in den Kronen-Lichtspielen zu sehen. Bislang haben sich etwa 100 Kinogänger dafür interessiert.

veröffentlicht am 18.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Claudia Guenther
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„Wie sich Schüler und Kinder wünschen zu lernen“, daran sollte sich Schule orientieren, meint Cornelia Theiß, Lehrerin der Hamelner „Elisabeth-Selbert-Schule“, die sich den Film am Wochenende ansah. Man müsse Utopien haben, meint sie, „denn was wären wir ohne Träume“. „Wir haben sechs Enkel“, nennt die Pyrmonterin Renate Ortlepp den Grund, warum sie sich den Film anschaut. „Bei der Geburt der Kinder sind 98 Prozent hochbegabt.“ Sie fragt: „Wo sind die geblieben?“ Und, „der Film hat gute Denkansätze“, stellt ihr Ehemann Rudolf fest. Steffi Maltzahn, Vorsitzende des Behindertenbeirats, war besonders angetan vom lebenslustigen unkonventionellen und äußert humorvollen Lehrer für Pädagogik und Psychologie, Pablo Pineda Ferrer, der als erster Europäer mit dem sogenannten „Down-Syndrom“ einen Hochschulabschluss absolvierte. Auch der Gitarrenbauer André Stern, der nie zur Schule ging, erzählt im Film seine Geschichte. Sein Vater, der von der Unesco anerkannte Pädagoge und Forscher Jakob Stern, sagt: „Das Kind blüht alleine!“, wenn es spielen und sich bewegen kann. „Das steht jedem zur Verfügung und kostet nichts.“ „Fantastisch, wie sich ein Leben so gestalten kann“, ist Jens Lindner aus Hameln von der Familie Stern begeistert.

Während im Film der Telekom-Manager Thomas Sattelberger die Talentausgrenzung und das Zurechtbiegen unserer Gesellschaft vehement kritisiert, will der deutsche „Mr. Pisa“ Andreas Schleicher das Schulsystem wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterordnen. Schleicher wird als klarer Befürworter des Leistungssystems bei seinem Besuch in China hofiert, der chinesische Pädagoge Yang Dongping will genau diesen Druck auf Schüler in seinem Land abschaffen. Und Neurobiologe Gerald Hüther betont: „Sie können keinen Menschen zwingen, sich zu bilden, sie können ihn nur dazu einladen.“ „Ich habe da eine andere Wahrnehmung von Schule“, meinte der frühere Leiter der Herderschule, Horstmar Kirchner. „Vieles ist längst in die Schule eingegangen und orientiere sich heutzutage mehr an den Schülern.“ „Eigentlich müsste dieser Film in jeder Schule gezeigt werden“, sagt die Sozialpädagogin Petra Vaal. „Er ist ein guter Gegensatz zur frühkindlichen Förderung.“

„alphabet“ läuft heute um 19.30 Uhr, dann wieder am 22. und 25. März und am 1. April.



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