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Moor-Anwendung heute: Staatsbad setzt bei ambulanten Anwendungen mehr auf Vlies-Packung

„Die Wirkung ist absolut dieselbe“

Bad Pyrmont. Im Flur der Therapieabteilung des Staatsbades sitzt Irene Weber, Pyrmonter Neubürgerin aus Berlin, und sieht ungeduldig ihrer ersten Moorpackung entgegen. Sie freue sich schon darauf, erzählt sie und sagt schmunzelnd: „Ich bin ja ein sogenanntes Moorkind.“ Weil ihre Eltern vor 50 Jahren lange Zeit vergeblich auf Nachwuchs warteten, sei ihre Mutter zur Kur nach Bad Pyrmont gefahren und habe Moorbäder genommen. „Das machten damals viele, und es soll geholfen haben. So wie bei uns“.

veröffentlicht am 17.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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Als die 50-Jährige, die von heftigen Rückenschmerzen geplagt wird, jetzt in den Behandlungsraum geht, ist sie zunächst einmal enttäuscht: Anstatt den weichen warmen Brei auf ihrer lädierten Rückfront zu spüren, bekommt sie eine Vlies-Packung verpasst. Die 20 mal 30 Zentimeter große, flache Moor-Lage ist von einem feinmaschigen Vlies umgeben, das alle wohltuenden Wirkstoffe des Moores ungehindert durchlässt, die Muskel-Entspannung fördert und die Durchblutung mobilisiert, wie Sevin Heuer, Mitarbeiterin der Moorabteilung, der Patientin versichert.

Therapieleiter André Schubert (43), nach dem Weggang von Werner Streicher verantwortlich für alle Anwendungsbereiche beim Staatsbad, bestätigt die ungeschmälerte Wirkung der Packungen, die seit einigen Jahren von einer Firma fertig geliefert und überwiegend im ambulanten Bereich verwendet werden. Im Dampfgarer werden sie auf 45 Grad erhitzt, bevor sie zur Anwendung kommen. „Die Wirkung ist absolut dieselbe wie beim losen Moor, aber die Handhabung dieser Packungen ist für unsere Mitarbeiter einfacher. Die Behandlungskabinen bleiben sauber, und auch die Patienten müssen nicht abgebraust werden“, sagt Schubert. Da das Fließ abbaubar sei, entstünde auch keine Umweltbelastung.

Während die Packungen für lokale Anwendungen verwandt werden, sind bei rheumatischen oder gynäkologischen Erkrankungen, Bandscheiben-Vorfällen oder Osteoporose nach wie vor Moor-Vollbäder angesagt. Dafür wird das kostbare Rohmaterial aus einem Torfmoor bei Renkhausen in Westfalen geholt, wo das Staatsbad eigene Schürfrechte besitzt. Die torfähnliche trockene Masse wird mit einem Lastwagen geliefert und kommt ins Moorlager des Staatsbades, wo es in der Moormühle fein zermahlen und mit Wasser angereichert wird. Über eine Leitung wird der Brei in das Königin-Luise-Bad und den Fürstenhof befördert, dort in die Wannen gepumpt und auf 42 Grad erhitzt. Nach der Anwendung kommt das Moor in einen Teich in Holzhausen, wo es zehn Jahre ruht, um sich zu regenerieren. Danach wird es jeweils zu einem Drittel der benötigten Menge mit frischem Moor gemischt und wiederverwendet.

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  • Sevin Heuer versorgt einen Patienten mit Vlies-Packungen. Das Material lässt alle Wirkstoffe des Moores ungehindert durch. Hei (3)
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  • André Schubert

Lange Zeit war Pyrmont das Moorbad schlechthin, doch ein Vergleich von 2013 mit dem Jahre 2000 zeigt, wie sehr der Anteil gesunken ist. Wurden zur Jahrhundertwende noch 2999 Moorbäder und 15 040 Packungen verabreicht, so waren es 2013 nur noch 380 Wannenbäder und 4661 Packungen – eine Entwicklung, die mit den Kostenträgern und einem Rückgang der ambulanten Kuren zusammenhängt. Wer bei den Packungen dennoch lieber den Naturbrei auf der Haut spüren möchte, kann dies haben, wenn er einen zusätzlichen Eigenanteil bezahlt. „Und das machen inzwischen sehr viele unserer Gäste“, betont Schubert. Der körperlich und seelisch wohltuenden Wirkung des Moores schreibt er eine große Bedeutung zu: „Das Moor kann zwar keine Krankheiten heilen, aber es kann Schmerzen dämpfen“. Vor allem in der klassischen Kombination von Moor und Massage sei es eine ideale Therapie.



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