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Beim Gedenken an den 9. November 1938 wird an die Pyrmonter Quäker erinnert

Die stillen Helfer

Bad Pyrmont. Für eine Vielzahl von Menschen, die 1938 in Deutschland als deutsche Staatsbürger lebten, war der 9. November ein tiefgreifender Schicksalstag. Vom 9. auf den 10. November zerstörten auch in Bad Pyrmont SA-Männer Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof, schlugen Schaufensterscheiben ein und demolierten Einrichtungen Pyrmonter Juden. Sie drangen in Wohnungen ein und prügelten schlaftrunkende, wenig bekleidete und verängstigte Männer vor sich her. Von den auf brutale Weise von den verschreckten Familien weggerissenen Männern wurden sieben über Hannover-Ahlem in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert.

veröffentlicht am 08.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:21 Uhr

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Es sollten für die Pyrmonter Juden jedoch nicht die letzten schrecklichen Erfahrungen mit den Nationalsozialisten bleiben. Die gesellschaftliche Ausgrenzung setzte sich fort, schnitt immer mehr in das Leben der jüdischen Bevölkerung ein. Diskriminierende Kennzeichnung mit dem gelben Davidstern, Kontaktverbote, räumliche Beschränkungen, Wohnungsverlust und Einquartierungen in das „Judenhaus“ folgten.

Es waren ortsansässige Quäker wie Mary Friedrich, die unter der ständigen Gefahr, wegen ihrer Unterstützungstätigkeit verhaftet zu werden, den Menschen Verpflegung und andere lebensnotwendige Dinge in die Villa brachten. Ihr gelang es, den Familien von Dr. Stumthal und Max de Haas zur Auswanderung nach England beziehungsweise nach Schweden zu verhelfen. Max de Haas war der letzte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont vor dem Zweiten Weltkrieg. Dr. Sturmthal war ein sehr beliebter Allgemeinmediziner in Bad Pyrmont. Andere Quäker gaben jüdischen Mitbürgern die Hoffnung, über deren Abtransport hinaus, nicht wissend, dass die Armen in Gettos im Osten verbracht wurden und somit in den Tod fuhren.

Das Wirken dieser stillen Helfer ist Inhalt der diesjährigen Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Sie findet morgen um 15.30 Uhr im Saal der Quäkergemeinde Bad Pyrmont, Bombergallee 9, statt. Dr. Andreas Buchinger berichtet über seine Familie, der Heimatforscher Manfred Willeke über die Quäker in Bad Pyrmont und die Zeitzeugin Gisela Faust aus Berlin über die Organisation von Transporten, die Kinder aus dem Nazi-Deutschland herausbrachten.

Bereits um 15 Uhr laden die jüdische Gemeinde Bad Pyrmont, der Arbeitskreis 27. Januar und die Stadt Bad Pyrmont zum Gedenken auf den jüdischen Friedhof an der Bombergallee ein. Männliche Besucher werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Am Sonntag lädt Pastor Hans-Christian Müller um 10 Uhr zu einem themenbezogenen Gottesdienst in die Stadtkirche ein.

Max de Haas und seiner Familie verhalf die Quäkerin Mary Friedrich zur Flucht aus Nazi-Deutschland.

Stadtarchiv Bad Pyrmont



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