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Asylbewerber lernen im Gemeindehaus Deutsch zu reden, zu schreiben und zu leben

„Die Sprache ist der Schlüssel“

Lügde. Dass die Integration in eine neue Heimat oft mit Hindernissen verbunden ist, wissen alle Menschen, die einmal ihre alte Heimat verlassen mussten. „Wir wollen deutsch lernen, denn wir wollen hier leben und arbeiten“, begründet der aus Ägypten stammende Mohamed Allam seinen Besuch des Lügder Deutsch-Kurses im Wichernhaus. Da er noch keinen ausländerrechtlichen Aufenthaltstitel besitzt, der ihm an fünf Tagen in der Woche einen Deutsch- und Integrationskursus ermöglicht, freut er sich über die „kleine Lügder Not-Lösung“, wie Pastor Holger Nolte-Guenther sie nennt.

veröffentlicht am 28.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

von Claudia Günther
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An einem Vormittag in der Woche können Asylbewerber und andere Ausländer an einem Deutsch-Kurs der VHS Lippe Ost teilnehmen. „Die Teilnehmer haben einen sehr unterschiedlichen Stand“, weiß Dozentin Barbara Schneider, die im Januar 2014 den vierten Deutsch-Kurs im evangelischen Gemeindehaus geben wird. Gemeinsam mit den Menschen aus Syrien, Eritrea, Ägypten, Pakistan und Guinea singt sie deutsche Herbstlieder, die sie mit Gitarre begleitet. Auch anhand von Stollengebäck und Weihnachtskeksen spricht sie über einheimische Gebräuche und vermittelt den Teilnehmern darüber hinaus auch Kultur.

Die Syrerin Samira Hussein freut sich nicht nur, dass sie jetzt den Bus-Fahrplan besser lesen kann, sondern auch darüber, dass sie weiß, sie hat Ansprechpartner, wenn sie einmal nicht mehr weiterweiß. Ganz gleich, ob es sich um den Abbau von Sprach- und Verständnisbarrieren handelt oder um Hilfe bei Erziehungsfragen.

Obwohl der Kurs nur einmal in der Woche stattfindet, befindet Mohamed Allam, der bereits recht gut deutsch spricht, „das ist besser als nichts“. Vor seiner Flucht aus Ägypten arbeitete er in der Tourismusbranche. Er ist jedoch unzufrieden mit seiner Situation, die ihn zum Nichtstun verdammt. „Wir müssen was machen. Wir brauchen Arbeit und Normalität. So wie es jetzt ist, das tut uns nicht gut“, beschreibt er sein momentanes Leben. „Hier ist es langweilig“, ergänzt Muhammad Imran Goraya. „Man denkt zu viel, davon geht der Kopf kaputt. Ich habe im Kreishaus gefragt, ob ich arbeiten darf. Aber Asylanten dürfen nicht arbeiten, wurde mir gesagt“, berichtet der Bäcker und Koch.

Thierno Sadou Diallo meint: „Ich möchte mich bewegen und habe sonst nichts zu tun“, so begründet der Mann aus Guinea seine gemeinnützige Arbeit für die Stadt Lügde. Zwar bekommt er pro Stunde dafür nur einen Euro und fünfzig Cent bezahlt, doch für ihn als Asylbewerber ist das eine Menge Geld, meint er. Lieber würde er als Kfz-Mechaniker arbeiten, so wie in seinem Heimatland. Aber auch er bekommt vom zuständigen Detmolder Ausländeramt keine Arbeitserlaubnis. Eine Reihe von Bundesländern will nun an der gängigen Praxis von Sprach- und Integrationskursen von Zugewanderten rütteln und hat entsprechende Initiativen im Bundesrat eingebracht, die dort bereits eine Mehrheit fanden, unterstützt von der niedersächsischen Landesregierung. Integrationsministerin Cornelia Rundt erklärt: „Die Sprache ist der Schlüssel. Wer nicht Deutsch spricht, hat schlechtere Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.“ Zukünftig soll Asylbewerbern sowie sogenannten Geduldeten nach drei Monaten der Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet werden. „Wie soll das gehen, wenn jemand sich nicht verständigen kann?“, fragt die Sozialministerin. „Ich halte eine solche Gesetzesänderung bezüglich der Arbeitserlaubnis für sinnvoll“, meint auch Nolte-Guenther. „Doch diese Menschen können ihren Platz in der Gemeinschaft nur finden, wenn sie Unterstützung beim Sprach- und Kulturerwerb erhalten. Auch für Lügde ist es wünschenswert, dass sie mehr Integration und Förderung durch Mitarbeitende der Stadt und nicht nur durch ehrenamtlich tätige Mitbürger erhalten.“

Barbara Schneider unterrichtet die deutsche Sprache und bringt den jungen Männern und Frauen im Kurs auch etwas über deutsche Kultur bei. cg

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