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Staatsbad-Chef Maik Fischer sieht neues Präventionsgesetz als große Chance

Die Renaissance des Kurwesens

Bad Pyrmont. Seit 1. Januar gilt in Deutschland das neue Präventionsgesetz, das die gesundheitliche Vorsorge stärken soll. Es sieht Ausgaben der Krankenkassen in Höhe von jährlich 490 Millionen Euro für den Vorsorgebereich vor. Dies lässt so manchen Kurdirektor auf einen Aufschwung hoffen.

veröffentlicht am 27.04.2016 um 12:44 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 15:02 Uhr

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Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Auch Bad Pyrmonts Kurdirektor Maik Fischer ist sehr optimistisch. Das Potenzial der Wertschöpfung alleine für Bad Pyrmont schätzt er auf eine Summe zwischen 25 und 30 Millionen Euro, und von der sollen alle Akteure etwas ab bekommen.

Fischer macht deutlich, um was es geht. „Für ambulante Angebote standen bisher 3,04 Euro pro Versichertem zur Verfügung. Ziel sind 7 Euro, davon 2 Euro für das betriebliche Gesundheitsmanagement“, rechnet er vor. „Das wird einen enormen Schub für die Kurorte geben, die gut aufgestellt und vernetzt sind und entsprechende Angebote haben“, betont er und zählt Bad Pyrmont dazu. „Ich möchte, dass wir auf Basis der alten Traditionen immer wieder neue Angebote für die Prävention entwickeln“, so Fischer. Diese Aufgabe soll für das Staatsbad künftig ein Gesundheitsmanager übernehmen, für den Fischer eine neue Stelle geschaffen hat.

Am 11. Mai geht‘s um Gesundheitsmanagement

auch in kleinen Firmen

Ganz wichtig sei der Kontakt zu den Krankenkassen, so der Kurdirektor. „Mit denen müssen wir systematisch sprechen und nicht warten, dass sie kommen. Mit der BKK24 hat er bereits regionale und wohnortnahe Angebote vereinbart, in die zum Beispiel auch Sportvereine und Sanitätshäuser eingebunden werden sollen. „Wir haben bereits Partner vor Ort und das möchte ich weiter ausbauen.“ Diese Vereinbarung gelte sowohl für Versicherte der Kasse als auch Nichtversicherte.Das sehen auch die Kassen so. „Arbeiten Sie aktiv an der Entwicklung neuer Angebote mit“, forderte Jan Seeger, Geschäftsführer Unternehmensentwicklung bei der AOK Niedersachsen, anlässlich der 2. Niedersächsischen Bädertage im Herbst 2015 Kurorte und Unternehmen auf.

Und der Markenberater des Deutschen Heilbäderverbandes, Michael Domsalla, verwies auf die vielen Gruppen in Deutschland, die dem ganzheitlichen Ansatz der Kur offen gegenüber stünden. Kuren könnten besonders für Menschen, die ambulante Angebote nicht regelmäßig wahrnehmen können, eine Alternative sein. Krankenkassen könnten diese künftig nicht so einfach unter Hinweis auf ambulante Angebote ablehnen.

Angesichts eines wachsenden Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung sowie eines größeren Stellenwerts des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) werde es einen neuen Markt geben, prophezeit Bad Zwischenahns Kurdirektor Dr. Norbert Hemken. Und an dem wollen die Kurorte teilhaben. Mit dem BGM macht das Staatsbad Pyrmont gegenwärtig einen jährlichen Umsatz in Höhe von 390000 Euro. Gemessen am Gesamtumsatz von 19,6 Millionen Euro ist das ausbaufähig – und das Präventionsgesetz bietet dafür die Rahmenbedingungen. „Derzeit sind wir mit der Weiterentwicklung beschäftigt und sprechen von BGM 2.0“, so der Staatsbadchef. Diese Entwicklung gehe hin zu einem ganzheitlichen Angebot für Firmen. „Das ist eigentlich eine Unternehmensberatung und umfasst nicht nur Bewegung, sondern auch Entspannung und Ernährung.“

Am 11. Mai findet in Bad Pyrmont im Rahmen der Gesundheitsregion Hameln-Pyrmont unter dem Titel „Gesundheitsmanagement als Wettbewerbsfaktor“ ein Treffen mit Workshops und Vorträgen statt, um kleine und mittelständische Betriebe für das Thema zu gewinnen und mit allen Akteuren zusammenzubringen. Auch Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt wird daran teilnehmen.

Doch Fischer will mehr. „Ich möchte den ganzen Ort mitnehmen.“ Geplant ist ein Gesundheitsvorsorgeprogramm „Gesund älter werden“ aus den Bausteinen Gesundheit, Bewegung, und Entspannung, wozu der Kurdirektor ausdrücklich auch die kulturellen Angebote zählt. Dazu kommt die Gesundheitsbildung, also Vorträge. „Ich denke an ein Gütesiegel, das Hotels und Pensionen nutzen können, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.“ Das könnte sich sowohl an Selbstzahler als auch an Kassenversicherte richten und die Übernachtungszahlen erhöhen.

Das größte Entwicklungspotenzial sieht Fischer in der Ernährung, denn sie lege einen Grundstein für die Gesundheit. Die Plattform für das neue Programm, das sich schnell umsetzen lasse, sei mit dem Clubkarten-System der Bad Pyrmont Tourismus und der elektronischen „Pyrmont Card“ bereits geschaffen. „Jetzt müssen wir nur noch die Elemente verbinden und ergänzen“, so der Kurdirektor, der Bad Pyrmonts Profil als Gesundheitszentrum weiter schärfen möchte, indem man genau das fördere, was die Menschen interessiere. „Dabei sind Gesundheit und Lebensfreude das Leitmittel.“

Info: Gesundheit fördern, wo Menschen leben

Mit dem Präventionsgesetz sollen Gesundheitsförderung und Prävention in den Lebenswelten der Bürger – also in Schulen, KiTas oder Betrieben – gestärkt, die Leistungen der Krankenkassen zur Früherkennung von Krankheiten weiterentwickelt und das Zusammenwirken von betrieblicher Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz verbessert werden. Das Gesetz setzt auf die Zusammenarbeit der Akteure: Neben der gesetzlichen Krankenversicherung werden auch die gesetzliche Rentenversicherung und die gesetzliche Unfallversicherung, die Pflegeversicherung sowie private Krankenversicherer eingebunden. Die Pflegeversicherung erhält einen neuen Präventionsauftrag, um künftig auch in Heimen lebende Menschen mit gesundheitsfördernden Angeboten erreichen zu können. Für Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen stellen die Krankenkassen seit diesem Jahr 1,05 Euro je Versichertem zur Verfügung. Ärztinnen und Ärzte erhalten die Möglichkeit, Präventionsempfehlungen auszustellen. Linke und Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag lehnten das Gesetz als nicht weitreichend genug ab.



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