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Die einen feiern - und andere grollen

Lügde (jl). Viele Lügder haben heute allen Grund zum Feiern. Denn nach jahrelangem Baulärm und zuvor jahrzehntelangen Planungen wird der Tunnel endlich eröffnet. Viele wollen dabeisein, wenn die laut Landesbehörde „Straßen. NRW“ 33,5 Millionen Euro teure Ortsumgehung im Beisein von Landesministerin Ute Schäfer um 15 Uhr mit einem Festakt am Nord-Kreisel (dem mit dem Fachwerkhäuschen) freigegeben wird.

veröffentlicht am 08.10.2010 um 22:42 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 01:41 Uhr

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 „Wir hoffen, dass viele Lügder heute ab 19 Uhr auch zur Tunnel-Party ins Feuerwehrgerätehaus kommen“, sagt Bürgermeister Heinz Reker. Dort findet an diesem Wochenende der gesellige Teil des Festes statt, darunter auch der Frühschoppen morgen um 11 Uhr mit den „New Castle Jazz Men“. Reker: „Im Tunnel wäre es zu kalt und zu zugig zum Feiern. Und ein Zelt wäre zu teuer gewesen.“
 Allerdings ist längst nicht allen Lügdern zum Feiern zumute. Die noch immer nicht entschädigten Bewohner der durch Risse lädierten Häuser an der Mühlenstraße wollen ihren Protest kundtun (wir berichteten). Denn „Straßen. NRW“ sieht sich nicht zuständig, und die Baufirma Strabag weist bekanntlich jede Schuld von sich – obwohl ihre Versicherung „Ergo“ sogar schon einen Schadensregulierer geschickt hatte. Dass die Anwohner vor Gericht ziehen müssen, verhagelt ihnen gehörig die Laune.
 „Mit sehr traurigen Gefühlen“ betrachtet auch Klaus Brunsmeier die Umgehungsstraße. Der aus Lügde stammende Vize-Bundesvorsitzende des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) hat vor acht Jahren, damals als nordrhein-westfälischer BUND-Landeschef, zusammen mit der Bürgerinitiative „Rettet die Emmer“ vor Gericht den Kampf gegen den ehrgeizigen Bau verloren. Noch heute bedauert er, dass es nicht gelang, das „peinliche Prestige-Projekt“ zu verhindern.
 In Brunsmeiers Augen ist es „unglaublich, dass in Lügde so viele Millionen Euro vergraben wurden“, wenn andernorts das Geld noch nicht einmal zur Reparatur vorhandener Straßen reiche. Zumal die einstige Begründung für die Notwendigkeit – die Lkw von Bau-Meier und die Schieder-Möbeltransporte – längst überholt sei.
 Letztlich, so Brunsmeier, würden spätere Generationen den Bau bewerten – und einen hohen Preis bezahlen müssen. Der 52-Jährige rechnet mit „Ewigkeitskosten“. „Die Innenstadt wird unter der Umgehung derbe leiden“, unkt er. Es würden noch mehr Baudenkmale verkommen und letztlich abgerissen werden müssen, wenn die Lügder nicht mehr in ihre Stadt hineineinführen. Der BUND habe schon vor zehn Jahren bei Verkehrszählungen samt Kennzeichen-Verfolgung ermittelt, dass maximal rund ein Drittel der Fahrzeuge zum Durchgangsverkehr zählten. In einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs hätte er die beste Alternative zur aufwendigen Umgehung gesehen. „Man hätte die Innenstadt ganz vernünftig beleben können“, glaubt Brunsmeier.
 Zudem, da ist er sicher, „wird irgendwann auch der Letzte erkennen, dass die Einengung von Auen das Hochwasserproblem eher verschärft“. Brunsmeier indes hat sich, so sagt er, nichts vorzuwerfen: „Wir haben das uns Mögliche versucht, um das zu verhindern.“
 Beim Blick auf die Umgehung wird auch Brunsmeiers Mitstreiter Eduard Vielhaus nicht froh. Er kämpfte in der 1980 gegründeten und zeitweise bis zu 50 Menschen starken Bürgerinitiative „Rettet das Emmertal“ gegen den Tunnel. Er sagt: „Gewonnen haben die von der Verkehrsreduzierung betroffenen Bürger und die, die Wiesen für Industriebebauungen verkaufen konnten wie der Schwager eines früheren Bürgermeisters.“ Verloren hätten indes die, „die an der Erhaltung des Stadt- und Landschaftbildes und einer verhältnismäßigen Lösung interessiert waren“. Und die Allgemeinheit, „die die hohen Kosten für diese Umgehungsstraße und die Folgekosten zu tragen hat“.



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