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Kultfigur bringt das Kurtheater zum Kochen

Die alte Else weiß es besser

BAD PYRMONT. Alle lieben Else! Wie sehr sich die griesgrämige Kultfigur von Jörg Schade in die Herzen der Pyrmonter gepoltert hat, zeigten zwei ausverkaufte Vorstellungen zu Silvester im Kurtheater. Endlich (fast) nur Einheimische im Publikum.

veröffentlicht am 01.01.2018 um 19:35 Uhr

Als Kellner, Postbote und als alte Dame Else unterhielten die Dartseller das Publikum mit herrlichem Nonsens. Foto: hei
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Karin Heininger Reporterin
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Die erkennbar einzige Ortsfremde, eine Dame in der zweiten Reihe, outet sich nach einer halben Stunde mit der geflüsterten Feststellung: „Ich glaube, das ist ein Mann“. Ach was.

Die Filmkamera war dabei, als Else Schulz (Herkunft noch nicht ganz geklärt) sich mit ihrem Auto EL-SE 007 auf den Weg nach Pyrmont macht und im Kurtheater ankommt. Ganz die Alte: Verblichenes ChanelKostüm, weiße Kringellöckchen unter dem voluminösen Hut, dreibeinige Gehhilfe. Und wer immer Frau Merkels herab hängenden Mundwinkel bemerkenswert findet, der kennt Elses markante Mimik nicht.

Seitdem der MTV-Karneval ausgestorben ist, hat ja niemand mehr den rechten Mumm, Pyrmonter Verhältnisse in die Bütt zu bringen. Da kommt Else gerade recht. Sie weiß, wo die Pyrmonter der Schuh drückt. Die drohende Tourismusabgabe und der leidige Brandschutz („Jedes Dixi-Klo braucht heute einen zweiten Fluchtweg“), auch die langwierige Brücken-Rekonstruktion, zu der jeder Einwohner, in Elses Währung umgerechnet, 36 Packungen Zigaretten beigetragen hat – das sind ihre Themen.

Die mürrische Else regt sich über alles auf, was ihrer Meinung nach in der Stadt schief läuft. Foto: hei
  • Die mürrische Else regt sich über alles auf, was ihrer Meinung nach in der Stadt schief läuft. Foto: hei

Und weil zufällig auch der Bürgermeister im Publikum sitzt, lässt sie gleich eine lange Wunschliste zu ihm in die hinteren Reihen durchreichen. Da wünscht sich Sängerin Luisa Maier ein eigenes Opernhaus und Helmut Fahle noch mehr Märkte in der Brunnenstraße. Else selbst könnte sich gut eine Begrüßungsanlage für die Wohnmobilisten vorstellen und einen Investor fürs Bomberghotel. Dass die Stadtsparkasse demnächst ihren gesamten Gewinn an die Stadt abführt, stellt sich dann aber als Aprilscherz heraus, gelesen in den Pyrmonter Nachrichten.

Und es kommt noch dicker: Dass der Ortsteil Hagen seine Unabhängigkeit erklärt hat, dass im Bathildiskrankenhaus das Personal schneller wechselt als die Patienten und der einzige Augenarzt vor Ort besonders gut auf dem rechten Auge sieht – Else weiß alles, und das Publikum, lauter Insider, klatscht begeistert Zustimmung.

Den ganzen herrlichen Nonsens hat der Chef der Theater Companie professionell aufbereitet und umgesetzt. Köstlich auch der Film „Aktiv im Alter“, bei dem Pyrmonter Promis mitwirken. Weitere Darsteller auf der Bühne: Timo Wiesemann, der einen Kellner spielt, Charlie Braun als Feuerwehrmann und Postbote, und Andres Reukauf am Klavier. Der begleitet Else bei ihren musikalischen Experimenten, unter anderem einem tollen Rap „Else, gib nicht auf“ und als Zugabe das Lied, das ihren Premierenauftritt damals bei „Draußen nur Kännchen“ markierte: „Gib mir mein Geld zurück“ im Grönemeyer-Stil, immer wieder ein Knaller. Riesenbeifall zum Schluss.

Wegen der großen Karten-Nachfrage hat die Theater Companie eine Wiederholung des Else-Gastspiels für den 2. März, 19.30 Uhr, im Casino oder Kurtheater angesetzt.

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