weather-image
Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg stößt auf großes Interesse

„Der Tod eines Soldaten bedeutet immer ein Versagen der Politik“

Bad Pyrmont (rr). Die Menschen Bad Pyrmonts und Lügdes unter weißen Kreuzen auf einem einzigen Friedhof, das gibt ungefähr die Vorstellung allein von der Kriegsgräberstätte für deutsche Soldaten in Ysselsteyn in den Niederlanden. So schwer dieser Vergleich fällt, so augenfällig ist er. Gegen Vergessen und Ignoranz hat Bad Pyrmont mit einer Ausstellung in der Mensa des Schulzentrums Position bezogen. „Der Zweite Weltkrieg in Niedersachsen“ ist eine Schau des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, und die Eröffnung am Montagabend gestaltete sich als Erlebnis. Bereits die große Resonanz war augenfällig, besonders aber wurde die Qualität des Ereignisses an ihrem Referenten deutlich. Nach den Grußworten von Landrat Rüdiger Butte und Bürgermeisterin Elke Christina Roeder sowie der Schulleiterin Claudia Herrmann („Der Tod eines Soldaten bedeutet ein Versagen der Politik; wir sollten vermitteln, dass der Frieden ein Privileg ist“), ergriff Prof. Rolf Wernstedt das Wort. Der ehemalige niedersächsische Kultusminister und Landtagspräsident, derzeit Vorsitzender des niedersächsischen Volksbundes, erwies sich als Kenner der jüngeren Geschichte, aber auch als glänzender Rhetoriker. „Wie lange darf Geschichte Gegenwart sein?“ lautete seine Fragestellung und die Antwort: immer. Viele Menschen kennen Krieg nicht mehr aus eigener Erfahrung, machen sich aber auch nicht bewusst, dass erst vor 20 Jahren, mit dem Fall der Grenzen in Europa, der Zweite Weltkrieg wirklich beendet war. Anschaulich schlug Wernstedt den Bogen vom Ersten Weltkrieg, an dessen Ende Ludendorff und Hindenburg zu feige waren, die Kapitulation selbst zu unterzeichnen, über die „Dolchstoßlegende“ zum Zweiten Weltkrieg.

veröffentlicht am 03.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 10:21 Uhr

Prof. Rolf Wernstedt erweist sich als Kenner der Geschichte.
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Auch wenn in „Kriegsgräbern“ nicht nur Soldaten bestattet sind – es gehören dazu auch Bombenopfer, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene – gelte die Trauer der Angehörigen jedem Einzelnen. So sind die Kriegsgräber auf 827 Friedhöfen in 45 Ländern, die nach der Genfer Konvention auf Dauer erhalten werden müssen, die flächenmäßig größten Mahnmale für den Frieden. 55 Millionen Tote allein des Zweiten Weltkrieges mahnten Frieden an, und Kriege seien Entscheidungen von Menschen. „Daher“, so Wernstedt, „ist Geschichte in der Gegenwart vorhanden.“ Passend zum Niveau des Vortrages und der Ausstellung, die unter vielen Diskussionen besichtigt wurde, zeigte sich auch das Musikalische: Sarah Hage (Klavier), Isabella Ringe (Violoncello), Sarah Lindemann (Klavier) und die Band mit Paul Beilmann, Patrick Leljawin, Ronja Maltzahn und Moritz Wulf bildeten einen adäquaten Rahmen.

Aus organisatorischen Gründen wird die Ausstellung ab heute in der Aula der Realschule gezeigt (bis 13. 11.).

Besucher studieren die Ausstellungstafeln. Fotos: rr
  • Besucher studieren die Ausstellungstafeln. Fotos: rr

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare